Ocean Race EuropeFlautenfalle auf Kurs Biskaya – Malizia in Top-Drei

Tatjana Pokorny

 · 18.08.2025

Team Malizia und Allagrande Mapei Racing im goldenen Meeresschein.
Foto: Jean-Louis Carli/The Ocean Race Europe 2025
Ein flaues Feld hat die Flotte auf Etappe zwei im Ocean Race Europe gleich zum Auftakt vor Ouessant erwischt. In einer windstllen Zone wurde das schon auf fast 40 Seemeilen auseinandergezogene Feld stark komprimiert. Team Malizia verteidigte am Morgen nach dem Start eine Top-Drei-Position. Mit starken Startbildern!

Themen in diesem Artikel

​Im Ocean Race Europe läuft die zweite Etappe seit dem Abend des 17. August. Sie führt ihre Herausforderer von Portsmouth über 1400 Seemeilen via Blitzbesuch in Matosinhos-Porto ins spanische Cartagena. Die ersten Bonuspunkte haben bereits dieselben Boote wie auf Etappe eins kassiert! Am Wertungstor bei den Needles gingen zwei Zähler an “Biotherm”, ein Punkt an die zweitplatzierte “Paprec Arkéa”.

Damit baute Paul Meilhats Imoca ihre Gesamtführung im Rund-Europa-Segelmarathon auf elf Punkte aus. Es folgen die Landsleute auf “Paprec Arkéa” (7 Punkte) und Team Malizia (6 Punkte). Zum Live-Tracker geht es hier.

Die Flautenfalle bei Ouessant

Nach der ersten Nacht lag die Flotte noch eng beeinander. Das war auch einem arg flauen Feld bei Ouessant geschuldet, das für eine massive Kompression in der Flotte sorgte. Die fast schon 40 Seemeilen zwischen dem ersten und dem letzten Boot noch in der Nacht waren bis Montagvormittag auf gerade einmal vier Seemeilen zwischen dem Top-Boot “Biotherm” und Schlusslicht “Paprec Arkéa” geschmolzen.

“Biotherm” bildete am Montagmorgen mit “Canada Ocean Racing – Be Water Positive” und Boris Herrmanns Team Malizia die Top-Drei. Die Positionen wechselten noch häufig. Malizia-Skipper Boris Herrmann ist bei dieser zweiten Etappe planmäßig nicht an Bord. Der Brite Will Harris führt die Crew von seiner Heimat nach Cartagena. Team Malizia rotiert, testet mit neuen Crew-Mitgliedern die besten Konstellationen für das Ocean Race um die Welt 2027.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

4

5

Boris Herrmann hatte seine Auszeit am Wochenende genutzt, um die SailGP-Deutschland-Premiere in Sassnitz und Thomas Riedels und Sebastian Vettels Team Germany zu besuchen. Dort ging es hoch und heiß her, während die erste Nacht der zweiten Etappe im Ocean Race Europe eher kühl war.

​Unterschiedliche Strategien, unterschiedliche Erfolge

Die Boote beschleunigten bei mehr als 20 Knoten Ostwind in Richtung der Spitze der Bretagne. „Es war ziemlich heftig mit starkem Ostwind und einigen Wellen, wir waren sogar schneller als die Routenplanung vorhergesagt hatte. Wir sind in einem guten Winkel aus dem Solent herausgesegelt, was uns später ein Manöver ersparte”, erklärte “Biotherm”-Segler Sam Goodchild.

Die Windfalle bei Ouessant hatte zwei taktische Optionen geboten: nordwestlich von Ouessant vorbeizufahren oder zu versuchen, südöstlich der Insel durchzukommen. Etwas besser ausgezahlt hat sich die nördliche Route, wobei Canada Ocean Racing – Be Water Positive mit der Britin Pip Hare zwischenzeitlich sogar die Führung übernommen hatte.

Allagrande Mapei Racing, Team Holcim PRB und Paprec Arkéa, die sich für die südliche Passage entschieden hatten, sind etwas zurückgefallen. „Für uns ist das ein wenig enttäuschend“, gab Morgan Lagravière auf der italienischen Imoca zu. Dennoch agiere sein Team entschlossen, so Lagravière: „Wir werden den ganzen Vormittag hart arbeiten, um diese Übergangszone zu durchqueren, Druck aufzubauen und neuen Wind zu finden. Wir wissen, dass dies eine der großen Hürden dieser Etappe ist.“

Wir dachten, wir könnten uns durchschleichen, aber leider war das nicht der Fall.“ Morgan Lagravière

“Biotherm”-Antreiber Sam Goodchild pflichtet ihm bei: „Das Ziel ist wirklich, diese Windflaute zu überwinden, zumal wir nicht wissen, wie weit sie sich erstreckt. Die Bedingungen stabilisieren sich nur langsam, es ist nicht besonders angenehm, aber wir tun alles, um unsere Geschwindigkeit zu optimieren.“ Die zweite der insgesamt fünf Etappen gilt als komplexeste.

Gute Nerven im Ocean Race Europe gefragt

Im Flautenpoker stehen gute Nerven und Geduld hoch im Kurs. Die unmittelbare Herausforderung für die Flotte besteht darin, sich durch die windarme Zone zu kämpfen und den Kontakt zu halten, bevor es mit voller Kraft in die Biskaya geht.

Einblicke ins Bordleben auf “Malizia – Seaexplorer” nach dem Start in Etappe zwei:

Imposante Startszenen von “Paprec Arkéa” in Etappe zwei:

Der Rückblick auf die erste Etappe mit den Highlights vom NDR:

Artikel teilen:
Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

Meistgelesen in der Rubrik Regatta