Ocean Race EuropeEtappe 2 läuft mit den Crash- und Comeback-Teams

Tatjana Pokorny

 · 17.08.2025

Wie im Rolex Fastnet Race: Der Kanonendonner für den Abschnitt von Portsmouth nach Cartagena wurde wie einst auch 1973 im Whitbread Round the World Race von der Royal Yacht Squadron aus in Cowes abgefeuert.
Foto: The Ocean Race
Die Sonne strahlte zum Start der zweiten Etappe im Ocean Race Europe so sehr wie beim SailGP in Sassnitz. Die beste Nachricht: Alle sieben Imocas sind in den 14000 Seemeilen langen Abschnitt von Portsmouth via Porto-Fly-by nach Cartagena gestartet. Die Crahs- und Comeback-Teams Allagrande Mapei Racing und Holcim-PRB haben es nicht nur rechtzeitig an die Startlinie geschafft. Sie drücken auch gleich das Gaspedal durch.

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​Die zweite der insgesamt fünf Etappen im Ocean Race Europe 2025 startete am Sonntagabend bei strahlendem Sonnenschein. Sieben Imoca-Yachten gingen um 17 Uhr Ortszeit vor Cowes ins Rennen nach Cartagena. Auf ihrem Kurs werden sie beim Fly-by Matosinhos bei Porto passieren. Dort legen sie in der neuen Woche einen sehr kurzen Zwischenstopp ein.

“Ocean’s Seven” wieder vereint

Erstes Ziel der wiedervereinten “Ocean’s Seven” war das Wertungstor bei den berühmten Needles, die auch jeder Fastnet-Segler und jede Fastnet-Seglerin kennt. Dort waren – wie schon auf Etappe eins beim Leuchtturm Kiel – vor der langen Etappe vorbei an der Bretagne und in die Biskaya die ersten Punkte zu holen. Die Bedingungen waren zum Auftakt herrlich: Es ging auf einem Vorwindkurs bei zehn bis 14 Knoten Wind und günstiger Strömung los, die das Feld durch den Solent trieb.

Für die Eröffnung hatten die Veranstalter die historische Startlinie des Royal Yacht Squadron gewählt, die 1973 im Whitbread Round the World Race aktiv war. Es war damals das erste Mannschaftsrennen um die Welt, das später in Volvo Ocean Race umbenannt wurde und heute als The Ocean Race bekannt ist. Den schnellsten Sonntagsstart erwischte Yoann Richommes Crew auf “Paprec Arkéa”.

Maximale Bonuspunkte für “Biotherm”

Als die Flotte jedoch das Wertungstor erreichte, waren es erneut Skipper Paul Meilhat und seine Franzosen auf “Biotherm”, die wie schon nach dem Kiel-Start die maximalen zwei Bonuspunkte abräumten. Ihnen folgte – ebenfalls wie in Kiel – ”Paprec Arkéa”, die wieder einen Punkt holte. Damit hat “Biotherm” eine beeindruckende und bislang makellose Bilanz vorzuweisen. Ihre Crew hat bis hierher die optimale Punktzahl für die Gesamtwertung im Ocean Race Europe erzielt.

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Ihnen folgte die bei Knierim Yachtbau in der vergangenen Woche so stark reparierte “Holcim-PRB” bei den Needles als drittes Boot vor Boris Herrmanns Team Malizia und Canada Ocean Racing – Be Water Positive. Allagrande Mapei Racing erreichte die Needles an Position sechs. Das Schlusslicht bildete Alan Rouras Team Amaala. Punkte gab es aber nur für die beiden Top-Boote.

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„Es ist unglaublich, dass wir wieder im Rennen sind“, sagte Alan Roberts auf “Holcim-PRB”, “wir sind nicht nur zurück, wir sind ein Boot, das zu 100 Prozent einsatzbereit und noch ehrgeiziger und motivierter ist als zuvor, da wieder rauszugehen und Leistung zu zeigen.“ Die einwöchigen Reparaturarbeiten haben die Crew sehr zusammenrücken lassen, wie auch “Holcim-PRB”-Skipperin Rosalin Kuiper in ihrem Race Blog für die YACHT am Morgen vor dem Start berichtet hatte.

Ocean Race Europe: schneller Nachtritt erwartet

Nach “Holcim-PRB” war auch Allagrande Mapei Racing weniger als einen Tag vor dem Start in Portsmouth angekommen, wo sich Skipper Ambrogio Beccaria recht unbeeindruckt von der Crash-, Reparatur- und Comeback-Achterbahnfahrt seines Teams in der vergangenen Woche gezeigt hatte. Der gebürtige Mailänder, der in Frankreich lebt, sagte, als wäre es einfach gewesen: „Wir sind bereit für den Start der zweiten Etappe.“

Den Winden der ersten Nacht blickte Ambrogio Beccaria positiv entgegen, sagte: “Unser Boot ist speziell für starken Wind gebaut, daher lieben wir diese Bedingungen.“ Für die “Biotherm”-Crew besteht indessen die Aufgabe darin, ihre Führung zu verteidigen. „Es stimmt, dass wir gut gestartet sind, aber das liegt hinter uns“, wollte sich Skipper Paul Meilhat nicht zu sehr im schon Erreichten sonnen.

Es ist besser, früh Punkte zu sammeln. Diese Etappe wird mit den unterschiedlichen Bedingungen sehr schwer werden.” Paul Meilhat

Meilhat hatte einer explosiven Startphase entgegengeblickt. Seine Prognose vor dem Start: „Bis Ouessant wird es sehr schnell gehen. Es ist wichtig, gut zu starten, aber ich glaube nicht, dass das Rennen dort entschieden wird. Wir werden sehen, wie sich die anderen Boote schlagen, aber wir haben mit Biotherm bereits Fortschritte gemacht – das Boot ist nicht unbedingt für diese Bedingungen gebaut, aber ich denke, wir können es schaffen.“

Gute Bedingungen für “Malizia – Seaexplorer”

Auch Team Malizia freute sich auf eine rasante Nacht. „Es wird voll zur Sache gehen“, sagte Will Harris. „Wir werden nach dem Wertungstor hohe Geschwindigkeiten und starken Wind erleben. Das lieben wir an Bord der ‘Malizia – Seaexplorer’. Das sind unsere Bedingungen, also wollen wir das Beste daraus machen.“

Malizia bringt mit einer rotierenden Crew auch frische Energie mit. Will Harris hat für Etappe zwei die Skipperrolle von Boris Herrmann übernommen, der am Wochenende den SailGP-Gipfel in Sassnitz besuchte. Der Wechsel war es langfristig geplant. Auch, weil Team Malizia im Ocean Race Europe verschiedene Konstellationen seiner Crew durchtesten will.

Ich kann mir kein besseres Team für diese Etappe vorstellen.” Boris Herrmann

Die Überzeugung des Team-Malizia-Gründers: “Will kennt diese Gewässer perfekt, da er hier gerade den Admiral's Cup gewonnen hat. Zusammen mit Justine, Loïs und Francesca, die alle den Atlantik und das Mittelmeer gut kennen, fühle ich mich sehr sicher. Ich freue mich darauf, sie in Spanien willkommen zu heißen – hoffentlich mit einem guten Ergebnis und vielleicht sogar einem Etappensieg.”

Malizia mit der Energie von Platz zwei auf Etappe eins

An Bord von “Malizia – Seaexplorer” wollen Will Harris, Justine Mettraux, Francesca Clapcich und Loïs Berrehar dem zweiten Platz auf Etappe eins ein weiteres Top-Resultat hinzufügen. Die Schweizerin Justine Mettraux erklärte: „Obwohl es eine harte erste Etappe war und wir nur vier Tage Zeit hatten, um uns zu erholen und auf die nächste Etappe vorzubereiten, fühle ich mich gut.”

Sie sei noch ein bisschen müde, aber das gehöre dazu, wenn man zwei Rennen hintereinander fährt. Unter dem Strich ging die beste Vendée-Globe-Skipperin mit gutem Gefühl in Etappe zwei, sagte: “Ich fühle mich bereit. Der zweite Platz auf Etappe eins gibt uns definitiv Energie. Es war ein starker Start und ein guter Schub fürs Selbstvertrauen für das gesamte Rennen. Dieses Ergebnis und der Kampf um jeden Platz motivieren uns alle, auf der nächsten Etappe gut abzuschneiden.“

Auch “Paprec Arkéa”-Skipper Yoann Richomme frohlockte angesichts der Vorhersagen für den ersten Abschnitt von Etappe zwei, hatte vor dem Start gesagt: „Ein Spinnaker-Start im Solent, dann eine schnelle Fahrt den Ärmelkanal hinunter – das ist genau das, was ich für mein Boot mag.“

Schwierige Etappe im Ocean Race Europe

Gleichzeitig hatte Richomme vor dem Start vor einer schwierigen, taktisch anspruchsvollen Etappe gewarnt. „Der erste Übergang ist an der Spitze der Bretagne, in der Nähe von Ouessant. Im Moment sieht es noch recht einfach aus, aber es kann immer Überraschungen geben.” Dazu kam Zustimmung von Alan Roberts, der ebenfalls die zweite Etappe für die möglicherweise komplexeste der Regatta hält.

Alan Roberts sagte: „Diese Etappe wird fantastisch, wahrscheinlich die taktisch interessanteste, weil wir vom Ärmelkanal in den Golf von Biskaya segeln, hinunter in die portugiesischen Passatwinde, um die Straße von Gibraltar herum und mit einem schönen kleinen Ziel im Mittelmeer.“

Für die Teams weiter hinten im Feld bleibt es das erklärte Ziel, den Anschluss zu halten. Pip Hare vom Team Canada Ocean Racing – Be Water Positive hat ihre Mission formuliert: „Bootsgeschwindigkeit! Wir wollen in der Gruppe bleiben, gute Änderungen vornehmen und so viel Geschwindigkeit wie möglich herausholen. Wir wollen nicht einmal 0,1 Knoten verlieren. Das ist das Wichtigste.“ Zum Live-Tracker für das Ocean Race Europe geht es hier.

Das Replay vom zweiten Etappenstart

In der ersten Nacht auf Montag wechselten die Positionen der Boote zunächst noch häufig. Da hatten sich vorne gegen Mitternacht “Paprec Arkea”, “Biotherm” und Allagrande Mapei Racing etwas vom Feld abgesetzt. Team Malizia und Team Holcim-PRB folgten mit rund 16 Seemeilen Rückstand auf die Spitzenreiterin. Bereits rund 30 und 36 Seemeilen Rückstand hatten das kanadische und das junge Schweizer Team.

Der Start zur zweiten Etappe im Ocean Race Europe in der Wiederholung:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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