BundesligaDie Liga im Umbruch, Saisonstart im April

Tatjana Pokorny

 · 01.03.2026

Die Rekord- und amtierenden Deutschen Vereinsmeister vom Norddeutschen Regattaverein.
Foto: Sailing Energy/DSBL

Im Frühling wird sie 13 Jahre alt: Die Bundesliga hat gute und schwere Zeiten, zuletzt aber auch eine Zerreißprobe erlebt. Ein neuer Vorstand will die Vereine und ihre Liga nun mit mehr Eigenverantwortung in die Zukunft führen.

​Begonnen hatte die Ligastory am 7. April 2013. 17 Gründungsmitgliedsvereine riefen gut 50 Jahre nach der Geburtsstunde der Fußball-Bundesliga die Deutsche Segel-Bundesliga ins Leben. Impulsgeber waren damals das Team der Hamburger Konzeptwerft um Oliver Schwall, deren Segelligamodell heute in mehr als 20 Ländern Nachahmer gefunden und mit der Champions League auch einen übergeordneten internationalen Wettbewerb bekommen hat.

Zu den Bundesliga-Mitinitiatoren zählte einst auch der an der Konzeptwerft beteiligte Jochen Schümann. Der hielt damals fest: „Die Liga ist eine Art Kulturrevolution, die Segler, Vereine und Medien begeistert.“ Die Gründungsvereine waren anfangs durch ein „Steering Committee“ involviert.

Erst Moderator, dann Vorsitzender: Peter Weichsel führt Bundesligavereine

Das erste Bundesliga-Event stieg im Juni 2013 auf dem Starnberger See. Die Meisterschale räumten in Jahr eins die heute achtmaligen Rekordsieger vom Norddeutschen Regatta Verein ab. Die neue deutsche Segelsportwelle elektrisierte Segler, Vereine und Fans. Am 15. März 2014 dann schlossen sich in Hamburg die Vereine zum Deutsche Segel-Liga e.V. (kurz: DSL) zusammen. Der DSL beauftragte die Konzeptwerft mit der Sponsorensuche und deren Tochtergesellschaft Deutsche Segel-Bundesliga GmbH mit der Durchführung. Dabei ist es bislang geblieben.

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Zuletzt aber rumorte es zunehmend. Nach Eruptionen innerhalb des DSL um Verantwortlichkeiten und Tauziehen mit der DSBL um die Einwerbung und Nutzung von Sponsorengeldern, hat der DSL zu Jahresbeginn einen neuen Vorstand bekommen. Bei der Wahl waren zur Mitgliederversammlung auf der boot Düsseldorf 34 von 36 Mitgliedsvereinen vertreten. Mit 33 Stimmen wurde Peter Weichsel (ETUF) zum Vorsitzenden gewählt. Stellvertreter ist Dr. Markus Westerwalbesloh (DYC), neuer Schatzmeister Tom Lukas Voigt (VSaW).

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In den Auseinandersetzungen davor hatte Peter Weichsel zunächst eine Moderatorenrolle übernommen, bevor er mit dem neuen Vorstandsteam das Vorgänger-Trio ablöste. Gestritten wurde in- und extern über vieles. Etwa unter DSL-Dach darüber, ob der Verein der Vereine seine Interessen gegenüber der DSBL genügend stark vertreten und sie ausreichend kontrolliert habe. Darüber, ob die Meldegelder in Höhe von 14.100 Euro pro Erstligist und 10.000 Euro pro Zweitligist angemessen und machbar sind. Darüber, wie genau die Konzeptwerft ihre Rechte im Sponsoring-Bereich wahrnimmt und für die Liga nutzt.

“Liga 2.0” treibt die Neuordnung voran

Unbestritten ist, dass die Liga lebt. Der Wunsch danach eint alle Beteiligten. Im Gegensatz zu anderen Großevents oder Serien hatte die Bundesliga auch der Corona-Krise getrotzt und sogar dann noch im für den Sport insgesamt schwächelnden Sponsorenmarkt Partner gefunden. Die Macher der Konzeptwerft haben 13 Jahre gezeigt, dass sie können, womit andere Probleme haben: Förderer und Geld für den Segelsport zu aquirieren, wenn auch zuletzt weniger als noch vor einigen Jahren.

Dahinter steht der professionelle Vermarkter Oliver Schwall. Der ist seit Anfang 2025 COO der Bay-Gruppe, dem größten Shareholder der Konzeptwerft Holding GmbH. Ihm, der populären Liga-Managerin und DSBL-Geschäftsführerin Anke Nowak und ihrem Team verdankt der deutsche Segelsport gute Ideen, Intensiv-Engagement und auch viel Herzblut.

„Oliver Schwall hat eine unglaublich starke Performance, wenn es darum geht, Visionen aufzuzeigen, steht beim ersten Aufschlag wie eine Eiche, macht das richtig gut, doch die Verhältnisse sind aus den Fugen geraten“, sagt aber mit Jocky Hellmich der Mann, der mit Schwalls Unterstützung im Aufbruch die Deutsche Junioren-Liga aufgebaut hat und sie seit Jahren managt. Hellmich, der Helga-Cup-Initiator und Inklusiv-Segelsportantreiber Sven Jürgensen sowie weitere Mitstreiter haben sich inzwischen gegen Schwall und die Liga-Ordnung der vergangenen Jahre gewendet, sind Teil einer Gruppe mit dem inoffiziellen Titel „Liga 2.0“, die eine Liga-Neuordnung vorantreibt.

“Dramatisch wichtiges Format” für den deutschen Segelsport

Der nun auch vom DSL eingeläutete Umbau zieht Verantwortlichkeiten weg von den beauftragten Profis und hin zu den Vereinen und ihren ehrenamtlichen Kräften. Das Ziel: mehr Kontrolle und Eigenverantwortung für die Clubs. „Wir beraten den Vorstand des DSL e.V.. Es gab bis vor einigen Wochen keine Sicherheit, ob die DSBL GmbH die Liga 2026 noch anfassen will. Es muss aber weitergehen, weil das Format dramatisch wichtig ist für den deutschen Segelsport“, sagt Hellmich zu seiner Motivation.

Anke Nowak ist seit Jahren und insbesondere seit dem Rückzug von Oliver Schwall von den operativen Aufgaben der Fels in der Liga-Brandung. Ihre Überzeugung: „Die Professionalität ist wesentlicher und erfolgsentscheidender Bestandteil der Bundesliga, um für Partner attraktiv zu bleiben.“ Ihre Einschätzung zu weiteren Kostensenkungen nach bereits erfolgten Sparmaßnahmen: „Ich glaube, wir sind am Limit der Sparmöglichkeiten.“ Diese Feststellung führt zur Frage: Kann der DSL künftig in ehrenamtlicher Eigenregie auf einen grüneren Zweig segeln?

Der neue DSL-Vorsitzende Peter Weichsel, seit 30 Jahren als Berater von Unternehmensgründungen und Start-Ups tätig, geht die Aufgabe an. Bevor er das DSL-Steuer übernahm, hat er viele Gespräche geführt und versucht auszuloten, „warum so viel Unmut in der Liga herrscht“.

DSL e.V. will Verantwortung stärker wahrnehmen

„Ich werde gerufen, wenn Organisationen nicht mehr zurechtkommen“, sagt der Cruising- und Regattasegler über seinen beruflichen Aktionsradius. Mit der X 50 „Lynx“ hat Weichsel ein Nachwuchs-Regattateam an der Ostsee aufgebaut. Sein Eindruck von der Lage der Liga Ende 2025: „Alle Beteiligten waren unzufrieden. Die Vereinsvorstände sagten, es ist viel zu teuer. Das Problem: Die Bundesliga kam aus einer Welt, in der viel Geld zur Verfügung stand das dann immer weniger wurde.“

Weichses Eindruck: „Es war nicht wirklich ein Beitragsproblem. Aber es ist ein Problem, wenn man mit einem Produkt nicht zufrieden ist. Das aber ist kein unlösbares Problem.“ Was er auch sah: „Der DSL-Vorstand wurde nicht kontrolliert. Die Vereine haben ihre Gouvernance nicht stark ausgeübt, aber alle redeten darüber, wie schwierig alles ist.“

Auf der anderen Seite gäbe es Oliver Schwall von der Konzeptwerft und DSBL-Geschäftsführerin Anke Nowak, „die ja auch kommunikativ Charaktäre sind“. Weichsel weiß, dass die Liga „eigentlich ein Kind von Olli und am Ende auch von der Konzeptwerft ist“, sah aber ein Vakuum, in dem der jetzt von ihm geführte DSL seine Aufgaben „nicht mehr wahrgenommen hat“. Das soll sich ändern.

Die Mitgliedsbeiträge sind “angemessen”

Die Auseinandersetzungen mündeten in Meetings wie einem im Oktober, wo sich über lange Tische hinweg angebrüllt wurde. Weichsel erlebte „eine zerrüttete Kommunikationskultur“, fragte: „Wie kommen wir da wieder weg?“ Als Dringlichkeiten rückten die Mobilisierung der Vereine und die Klärung der Aufgabenverteilung zwischen DSL e.V. und DSBL GmbH auf seine To-Do-Liste.

Es kam nach einigen Anläufen zu einer außerordentlichen DSL-Mitgliederversammlung am 2. November 2025. „Dabei wurde deutlich“, so Weichsel, „dass sich der amtierende DSL-Vorstand eher als Repräsentant der Konzeptwerft, denn als Repräsentant der Liga-Vereine sah. Das haben die Vereine nicht goutiert.“

Mit Peter Weichsel und seinem Team soll der DSL e.V. „partizipärer“ werden. Illusionen hat er nicht: „Die Liga kostet in Form konkreter Ausgaben an externe Lieferanten zwischen 400.000 und 450.000 Euro. Mit sechs Events im Jahr sind alle zufrieden. Dahinter stehen 13 Jahre Evolution und breiter Konsens.“ Die aktuellen Mitgliedsbeiträge sieht Weichsel als „angemessen“. Sie ergeben ohne Sponsorengelder 433.800 Euro für die Saison, „decken etwa die externen Kosten“.

Hauptamtliche Kräfte bleiben notwendig

In diesem Jahr liegt der exklusive Vermarktungsvertrag noch bei der Konzeptwerft. Dort sei „in den letzten Jahren nicht mehr das erhoffte Ergebnis rausgekommen“, sagt Weichsel. „Ob das eher am Markt oder an den beteiligten Personen liegt, da gehen die Meinungen auseinander.“ Weichsel sieht das Einwerben von 200.000 bis 300.000 Euro an Sponsorengeldern mittelfristig als „faires Ziel“, das im neuen Drei-Jahres-Plan verankert ist.

Aktuell erhalten Liga-Vereine für die Ausrichtung eines Doppel-Events (1./2. Liga) mit 14.500 Euro etwas mehr als den Gegenwert der Meldegebühr für Erstligisten. „Die tatsächlichen Kosten für den gastgebenden Verein dürften aber“, so Weichsel, „eher bei 25.000 Euro liegen.“ Andererseits gäbe es Vereine, die über die Ausrichtung eines Liga-Events auch zusätzliche Sponsorengelder für ihren Club generieren und ihr Image stärken.

Weichsel blickt optimistisch nach vorne. Auch er sieht die Notwendigkeit für „ein oder zwei hauptamtliche Kräfte“ auf Kurs Zukunft. Dabei sei mindestens noch in diesem Jahr „die DSBL GmbH umfassend verantwortlich für die Durchführung der Liga“. So wurde es im Zuge der gemeinsamen Saisonplanung vereinbart. „Die Ausnahme bilden einige Bausteine, die wir in Abstimmung raus und in unsere Verantwortung nehmen.“

Neue Aufgabenteilung zwischen DSL und DSBL

Der DSL ist nun verantwortlich für die Zusammenstellung der Schiedsrichterteams mit regionalem Schwerpunkt und betreut auch die Koordination mit den gastgebenden Vereinen und die Öffentlichkeitsarbeit. Den digitalen Social-Media-Auftritt und technische wie segelsportliche Bereiche verantwortet das DSBL-Team um Anke Nowak.

Auf dem Prüfstand der neuen DSL-Liga-Lenker steht mittelfristig auch die J/70-Flotte, mit der diese Saison in der 1. Bundesliga bestritten wird. Die 2. Bundesliga operiert mit Club-Booten. Neue Partner sollen mit Motivation zum Investieren durch langfristige Verträge gewonnen werden. Als größten Aktivposten auf Kurs Zukunft sieht Weichsel die Clubs selbst: „Die Vereine leisten jetzt schon großartige Arbeit in der Liga. Und sie machen viel wertvolle Jugendarbeit, doch dann verschwinden die jungen Leute während ihrer Ausbildung. Die Bundesliga ist das ideale Format, junge Leute aktiv im Sport zu halten und zu begeistern.“

Mindestens 2026 wird dieses Ziel noch mit der DSBL GmbH in der Teilverantwortung für die Ausrichtung verfolgt. Dazu sagt Oliver Schwall: "Wir haben einen laufenden Vertrag für die Organisation der Liga, den wir selbstverständlich erfüllen werden. Darüber hinaus haben wir über die Jahre eine Vielzahl an Knowhow, Rechten und Assets rund um den Liga-Segelsport generiert und aufgebaut. Was wir damit langfristig tun, müssen wir noch entscheiden.“ Heißt auch: „Frisst“ die Liga ihre Väter, haben die durchaus einige Rechte in den Ring zu werfen.

Die neue Bundesliga-Saison beginnt am 17. April

Wie sich die ehrgeizigen Pläne des DSL e.V., seiner Vereine und Mitglieder umsetzen lassen und wie die Liga mittelfristig dastehen kann, muss die Zukunft zeigen. Der erste Saisonstartschuss fällt am 17. April auf dem Starnberger See. Zur Einstimmung auf die neue 14. Saison ein Rückblick auf das Finale im vergangenen Jahr:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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