Der Startschuss zur sechsten SailGP-Saion fällt am Wochenende vor Fremantle. 13 Teams wollten mit dem Oracle Perth Sail Grand Prix in das neue Jahr mit 13 Events starten. Nun sind es schon vor Rennbeginn nur noch zwölf Teams, weil die Spanier mit den 49er-Olympiasiegern Diego Botin und Flo Trittel im Training einen heftigen Crash erlebten. Während einer Halse war der Foil-Kasten gebrochen.
Die Folge: Der spanische F50-Foiler crashte in die Fremantle-Fluten und wurde dabei noch weiter beschädigt. So stark, dass in diesem Fall auch das erfahrene SailGP-Techteam bis zu den Rennen am 17. und 18. Januar nicht mehr helfen kann. Los Gallos müssen beim ersten Event des Jahres zuschauen, können erst Mitte Februar beim zweiten SailGP-Gipfel in Auckland wieder einsteigen.
Schon Anfang der Woche hatte es in den druckvollen Winden erste Verletzungen gegeben. Bei den schwedischen Neueinsteigern vom Team Artemis Racing war im Training Flügeltrimmer Chris Draper mit dem Gesicht voran aufs Trampolin geschleudert worden. Mit Gesichtsverletzungen war er ins Krankenhaus gekommen, wo Untersuchungen aber keine weiteren Folgen ergeben hatten.
Inzwischen hat sich im Team der australischen Bonds Flying Roos auch Top-Mann Iain “Goobs” Jensen am Knie verletzt. Ob er am Wochenende eingesetzt werden kann, war am Freitagabend Ortszeit in Fremantle noch nicht klar. Die Australier wiesen aber darauf hin, dass Foiling-Autorität Glenn Ashby vor Ort sei und Jensens Job übernehmen könnte.
War die Zwischenbilanz nach drei Tainingstagen und den Practise Races schon bedenklich, so ist für das erste SailGP-Rennwochenende der neuen Saison in Wind- und Wettbewerbsdruck allerhand zu erwarten. Der deutsche Steuermann Erik Kosegarten Heil sagte in der Vorabpressekonferenz am 16. Januar: “Es werden die schnellsten und unkontrolliertesten Rennen bislang.”
Team Germanys Mitgründer kennt das neue SailGP-Revier schon lange. Er hatte 2011 in Fremantle eine 49er-WM mit Thomas Plößel bestritten, mit dem er später zwei olympische Bronzemedaillen gewann. Elfte wurden sie damals in der Starkwindarena vor Fremantle. Die WM gewannen 2011 Nathan Outteridge und Iain Jensen vor Peter Burling und Blair Tuke – alle vier Top-Segler zählen jetzt zu den stärksten Teams im SailGP.
Wir haben schon erlebt, was in Perth mit dem ‚Fremantle Doctor‘ los sein kann. Da war Armageddon.“ Erik Heil
Gleichzeitig bringen die haarigen Bedingungen auch rasendes Vergnügen für Segler und Publikum. Bei kaum einem anderen Event der Liga liegen Gefahr und Genuss so eng beeinander wie beim jetzt anstehenden 50. Event seit der SailGP-Premiere im Februar 2019. „Windig, wellig, wild. Kein Bruch, keine Verletzten. Morgen geht’s weiter“, konnte Team Germany aus dem Training vermelden.
Wer nun wird den „Fremantle Doctor“, den typischen, meist mittags einsetzenden Starkwind, der aus südwestlicher Richtung auf die Küste trifft, am besten meistern? Mit Rekordmeister Tom Slingsby und Comeback-Fahrer Nathan Outteridge im auf Anhieb co-favorisierten Team Artemis Racing sind zwei Steuermänner der ersten SailGP-Stunde dabei. Die Australier bringen Heimvorteile und einen massiven SailGP-Erfahrungsschatz mit in die neue Saison.
Der deutsche Rennstall verfügt bei bislang 25 bestrittenen Events in seiner dritten Saison nur über etwa die Hälfte ihrer Erfahrung. Ihrem Rückstand jagen sie mit smarten Ideen und viel Ehrgeiz hinterher, konnten ihn in Halbzeit zwei der fünften Saison mit dem Aufschwung in Sassnitz, dem ersten Team-Sieg auf dem Genfersee und Top-Ergebnissen zuletzt schon sichtbar verkürzen.
In diesem Jahr will sich Schwarz-Rot-Gold in der oberen Flottenhälfte platzieren. „Die Top-Sechs werden schwer, aber ich bin mir mit unserem Coach Lennart Briesenick einig, dass sie ein realistisches Ziel sind. 2025 hatten wir die Top-Sieben ins Visier genommen und hätten das ohne die Strafpunkte auch geschafft“, sagt Kosegarten Heil beim Rückblick auf die vergangene und vor dem Start der neuen SailGP-Saison.
Neu in seinem Team ist nach dem Wechsel von Stu Bithell zu den Briten der französische Flügeltrimmer Kevin Peponnet. Technisch fokussiert, ist er anders ausgerichtet als Bithell. „Kevin hat ein anderes Skill-Set als das, was wir bisher erlebt haben“, sagt Anna Barth. Weiter erklärte die Strategin: „Stu hatte auch in der Kommunikation viel übernommen, was teilweise gar nicht so gewollt war. Aber das ist sein Naturell und war auch der Tatsache geschuldet, dass er bei unserem SailGP-Einstieg das Boot schon kannte.“
Kevin Peponnet hatte auch Offerten aus Dänemark und Brasilien, wählte aber Team Germany, „weil das Team eine großartige Dynamik hat“. Er sagte: „Nimmt man die letzten vier, fünf Events, waren sie eines der drei besten Teams. Ihre Fortschritte sind ziemlich unglaublich.“ Genau so soll es für Team Germany mit der neu formierten Kerncrew weitergehen.
Gefordert sind neben Fahrer Erik Kosegarten Heil, Flügeltrimmer Kevin Peponnet und Strategin Anna Barth auch Flight Controller James Wierzbowski und die Grinder Will Tiller und Linov Scheel. „Wir sind auf dem richtigen Weg und bereit, ihn zu gehen“, kündigte Erik Kosegarten-Heil an, „Fernziel bleibt es, diese Serie zu gewinnen. Daran glauben wir. Das ist die Mentalität im Team.“ Was diese Mentalität und viel Arbeit an diesem Wochenende beim Fremantle-Powerplay wert sein werden, müssen die Rennen zeigen. Zur YACHT-Saisonbilanz mit Vorschau auf die nun beginnende sechste Saison geht es hier.
Gute Nachrichten gab es zum Saisonauftakt auch für Les Bleus. Zu ihren bisherigen Partnern, der Accor Gruppe und L’Oréal, ist mit DS Automobiles ein weiterer Unterstützer für das Team in Regie des deutsch-französischen CEO Stephan Kandler und Co-CEO Bruno Dubois an Bord gekommen. “Wir waren im kommerziellen Bereich einige Jahre unter Druck. Ich glaube, Stephan und Bruno haben einen unglaublichen Job gemacht. Für die neue Saison können wir nun die Struktur aufsetzen und die Vision verfeinern”, sagte Steuermann Quentin Delapierre bei der Pressekonferenz in Australien.
Das ZDF zeigt die Rennen im Oracle Perth SailGP am Samstag und am Sonntag (17./18. Januar) in seinem SailGP-Stream zeitversetzt ab mittags. Wer um 6 Uhr früh aufstehen und das Live-Vergnügen genießen will, greift auf die Original-Übertragung via SailGP oder bei Wedo TV zurück.