SailGPVettels Team Germany greift vor Dubai an – mehr Leistung mit Neureuther-Tipps

Tatjana Pokorny

 · 07.12.2023

Das Germany SailGP Team wird von Erik Heil gesteuert
Foto: Ricardo Pinto for SailGP
Am Wochenende steigt die sechste SailGP-Regatta der Saison 2023/2024. Zum sechsten Mal ist das jüngste Team in der Super-Liga des Segelsports auf seinem Weg nach oben gefordert. Das deutsche Team trainiert dafür seit Wochenbeginn im Revier der Vereinigten Arabischen Emirate. Dazu ein Video-Clip, in dem der viermalige Formel-1-Weltmeister und Rennstall-Co-Besitzer Sebastian Vettel und SailGP-Steuermann Erik Heil Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Formel 1 und SailGP erklären

Nach dem Einstieg in die Segel-Superliga SailGP erst im Juni dieses Jahres steht für das Germany SailGP Team am Wochenende des 9. und 10. Dezember die sechste Regatta auf dem Programm. Steuermann Erik Heil und sein Team bereiten sich darauf seit Wochenbeginn im sommerlich warmen Revier vor Dubai vor. Bei einem mehrstündigen Intensivtraining zur Wochenmitte konnte die Crew sich mit den anderen Teams vergleichen sowie Handling und Manöver weiter verbessern.

Die Erfahrung ist nicht leicht aufzuholen, aber wir nutzen jede Chance, weiter vorzurücken” (Erik Heil)

„Unsere Entwicklung ist gut, die Stimmung im Team cool, die Lernkurve steigt schnell und steil“, berichtet Erik Heil aus Dubai. Das Team des zweimaligen olympischen 49er-Bronzemedaillengewinners kämpft unter deutscher Flagge um den Anschluss an die Top-Teams der Liga, in der viele bereits in der dritten oder sogar vierten Saison dabei sind. „Diese Erfahrung ist nicht leicht aufzuholen, aber wir nutzen jede Chance, weiter vorzurücken“, so Erik Heil.

In Dubai kam es in dieser Woche auf Initiative des deutschen Trainers Lennart Briesenick zu einem ganz besonderen Training, für das die Teams ihre Marken selbst auslegen konnten. „Wir sind an nur einem Tag 21 Starts gefahren. Das sind mehr, als wir bislang bei allen fünf Regatten mit jeweils fünf Starts insgesamt gefahren sind. Das war sehr gut“, erzählt Erik Heil, der seit diesem Jahr als erster deutscher Fahrer in der Formel 1 des Segelsports für den Rennstall von Thomas Riedel und des viermaligen Formel-1-Weltmeisters Sebastian Vettel im Einsatz ist.

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Superstar Tom Slingsby im Vaterschaftsurlaub, Jimmy Spithill übernimmt

Die Starts, Manöver, Handling und vor allem die Kommunikation an Bord der foilenden F50-Rennkatamarane sind enorm anspruchsvoll. Diejenigen der sechsköpfigen Crews, die auf jahrelange Erfahrung zurückgreifen können, sind im Vorteil. So etwa die SailGP-Dominatoren aus Australien. Tom Slingsby, zweimaliger Weltsegler des Jahres, und seine Grün-Gelben haben die Eine-Million-Dollar-Siegprämie drei Jahre hintereinander abgeräumt, zählen auch in der laufenden vierten SailGP-Saison zu den Favoriten. In Dubai allerdings wird Maestro Slingsby fehlen.

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Der Tausendsassa, Laser-Olympiasieger und Motten-Weltmeister aus Down Under, der sein Können im 37. America’s Cup mit seinem amerikanischen Pass für das US-Team New York Yacht Club American in die Waagschale wirft, ist Vater geworden. Der 39-Jährige hat sich eine kurze Auszeit genommen. Vertreten wird ihn am Steuer für das Australia SailGP Team kein Geringerer als America’s-Cup-Gewinner Jimmy Spithill.

In der kommenden Saison startet Spithill mit Italien im SailGP durch

Jimmy Spithill hatte zuvor seine Rolle als CEO und Steuermann des amerikanischen SailGP-Teams im Zusammenhang mit dem Verkauf des Rennstalls aufgegeben. Das neu formierte US-Team führt in Dubai nun der als Matchrace-Spezialist bekannte Taylor Canfield in seine Premiere als Fahrer eines eigenen US-Teams. Jimmy Spithill hingegen hat die Neugründung eines italienischen Teams für die nächste SailGP-Saison im Visier.

„Ich habe viele Male in meiner Karriere in und für Italien an Regatten teilgenommen. Die Fans sind die leidenschaftlichsten und loyalsten, die ich je erlebt habe”, so Spithill. Und weiter: “Ich habe keine Zweifel, dass wir großes Interesse am Team erleben und großartige Athleten im Team haben werden. Ich freue mich schon darauf, zu Jahresbeginn mehr Details bekannt zu geben.“

Kann Team Germany die Schweizer attackieren?

Das neue italienische Team soll voraussichtlich direkt nach den Olympischen Spielen und dem 37. America’s Cup im Herbst vor Barcelona in den SailGP einsteigen. Es ist gut vorstellbar, dass die jungen Shootingstars aus Patrizio Bertellis Azzurri-Team Luna Rossa Prada Pirelli – der dreimalige Opti-Weltmeister Marco Gradoni und Nacra-17-Olympiasieger Ruggero Tita – schon in den Startblöcken für ihren nächsten Karrieresprung im SailGP stehen. Zuvor allerdings wollen sie gemeinsam mit Spithill und Francesco Bruni den siebten Anlauf des passionierten Cup-Jägers Patrizio Bertelli zum Erfolg machen.

Doch zurück zum SailGP am kommenden Wochenende in Dubai, der spannende Rennen im Revier von Dubai verspricht. Noch liegt das junge Team Germany auf dem zehnten und letzten Platz der SailGP-Saisonwertung, knabbert aber bereits an den nur drei Punkte vor ihnen liegenden Schweizern mit Sebastian Schneiter am Steuer.

Leistungssteigerung mit Gehirnjogging

Um sich mental und physisch noch besser auf Ballhöhe zu bringen, hat sich Erik Heil zuletzt auch intensiv mit Felix Neureuthers Ratgeber „Mein Training mit Life Kinetik“ befasst. Der Mannschafts-Skiweltmeister von 2005 und Sohn der Skilegenden Rosi Mittermeier und Christian Neureuther wirbt für Gehirnjogging durch Bewegung – ein Weg, die Leistungsfähigkeit des Gehirns zu verbessern.

Mit seinen Übungsprogrammen werden die visuelle Wahrnehmung, die flexible Körperbeherrschung und das Gedächtnis trainiert. Für Erik Heil ein Gewinn: „Wir müssen unter Druck und in Sekundenbruchteilen extrem flexibel kommunizieren, entscheiden, handeln. Da macht dieses Training viel Sinn. Vereinfacht dargestellt funktioniert es so: Du stehst erst einmal auf einem Bein. Gelingt das ausdauernd, fängst du dazu einen Ball. Ist das im Griff, klatschst du vor dem Fangen noch in die Hände. So steigern sich die Übungen …“

TV-Premiere mit deutschen Kommentatoren: Thomas Plößel und Tobias Schadewaldt im Einsatz für wedotv

Wie sich die jüngsten Vorbereitungen auf dem Wasser und an Land auf das Leistungsvermögen des Germany SailGP Teams in Dubai auswirken werden, müssen die beiden Regattatage am 9. und 10. Dezember zeigen. Mit Fahrer Erik Heil sind Flügeltrimmer Stuart Bithell, Flight Controller James Wierzbowski sowie die rotierenden Grinder Dan Morris, Jonathan Knottnerus-Meyer und Joseph Sullivan im Einsatz. Dazu kommen als Strateginnen abwechselnd die jungen deutschen Seglerinnen Sophie Steinlein und Anna Barth.

Deutsche SailGP-Fans dürfen sich auf eine besondere Premiere freuen: Der Fernsehsender wedotv überträgt die Rennen nicht nur live. Erstmals sind mit Thomas Plößel und Tobias Schadewaldt auch zwei deutsche Experten im Einsatz. Erik Heils langjähriger 49er-Erfolgsvorschoter Thomas Plößel und Tobias Schadewaldt, Olympia-Elfter im 49er 2012 und Bundesliga-König” für den NRV, werden die Rennen aus dem Studio in Kiel für wedotv kommentieren.

Der SailGP ist eine Wahnsinnschance für den deutschen Segelsport” (Tobias Schadewaldt”

Tobias Schadewaldt sagte vor der TV-Premiere mit zwei segelnden deutschen Kommentatoren: “Ich finde den SailGP superattraktiv zu sehen. Im TV ist es das aktuell spannendste Segeln, was es zu sehen gibt, denn der America’s Cup findet nicht so oft statt. Der SailGP ist eine Wahnsinnschance für den deutschen Segelsport. Ich hätte sie vor Bekanntgabe des Einstiegs nicht für möglich gehalten. Natürlich drücke ich dem Team alle Daumen. Es ist eine Riesenaufgabe zu bestehen, wo die besten Segler der Welt gegeneinander antreten.”

Der neue SailGP-Trailer von wedotv:

Dynamisches Duo: Team-Mitbesitzer Sebastian Vettel und Fahrer Erik Heil zeigen Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Formel 1 und SailGP:

Die Teams laden im Dubai-Vorabclip zum Regattavergnügen am Wochenende ein:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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