Tatjana Pokorny
· 10.12.2023
Ein halbes Jahr nach dem Einstieg in die Profisegelliga SailGP kämpft das deutsche Team weiter um den Anschluss an die Weltspitze. Der Rennstall von Unternehmer Thomas Riedel und dem viermaligen Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel kam beim sechsten Einsatz als jüngster Neuzugang der Liga nicht über Platz neun im Feld der zehn Teams hinaus.
Ich ärgere mich schon darüber, dass unsere Starts nach dem intensiven Training ein bisschen in die Hose gegangen sind” (Erik Heil)
Steuermann Erik Heil und seine Crew zeigten zwar gute Ansätze, machten sich das Leben auf den kurzen Kursen in leichten Winden aber mit einer Disqualifikation an Tag eins, Startpatzern und Penaltys selbst nicht leicht. Das Germany SailGP Team zollt im Kampf mit den teilweise seit drei oder vier Jahren aktiven Weltklasseteams weiter seiner geringen Erfahrung Tribut.
Steuermann Erik Heil, zweimaliger Olympia-Dritter im 49er mit Thomas Plößel, sagte in Dubai: “Ich ärgere mich schon darüber, dass unsere Starts nach dem intensiven Training ein bisschen in die Hose gegangen sind. Es waren auf dem kleinen Kurs bei leichten Winden schwierige Bedingungen.” Die Erfahrung der anderen, so Heil, sei nicht leicht aufzuholen, aber “wir nutzen weiter jede Chance, uns zu verbessern”.
Wir lernen immer mehr Situationen kennen, die wir beherrschen können” (Erik Heil)
Trotz der schwachen Platzierung brach Erik Heil nach dem Kräftemessen vor Dubai eine Lanze für sein Team: “Wir machen gigantische Fortschritte, fahren mittlerweile auch in der Vierer-Konstellation (Red. bei leichten Winden) über den Kurs. Wir lernen immer mehr Situationen kennen, die wir beherrschen können.”
Gerade in der Vierer-Konstellation, so Heil, sei das Segeln für ein Team mit wenig Erfahrung sehr fordernd: “Jeder muss so viele Aufgaben übernehmen, so viel geschieht gleichzeitig. Das ist sehr komplex. Wir foilen und steuern, während das Ruder verstellt werden muss. Diese Kette funktioniert bei uns noch nicht so gut. Das muss sich noch entwickeln.”
Auch bei der technischen Umsetzung nach der ersten Halse, so Heil, habe seine Crew noch Probleme: “Es geht bei solchen Rennen nur darum, auf den Foils zu bleiben. Aber genau an diesem Punkt gelingt es uns noch nicht, nicht von den Foils zu fallen.”
Den Sieg sicherten sich bei der letzten SailGP-Regatta des Jahres im Persischen Golf Neuseelands America’s-Cup-Verteidiger um Steuermann Peter Burling vor Australien mit Ersatz-Fahrer Jimmy Spithill, der Dominator Tom Slingsby im Vaterschaftsurlaub vertritt, und Kanada mit Phil Robertson am Steuer. Die Kanadier waren zwar im spannenden Dreier-Finale als Erste über die Ziellinie gegangen, hatten sich aber nicht mehr von einem Last-Minute-Penalty bereinigen können, den sie sich an der letzten Tonne bei enger Rundung der Teams auf der Außenbahn eingefangen hatten.
Nach dem Rennen beschrieb “Pistol Pete” Burling das Finale als “Zitterpartie”, sagte aber, er und sein Team seien “überglücklich, dass wir nach einem holprigen Start noch den Sieg errungen haben”. Angesprochen auf den Wiederaufstieg seiner Mannschaft im Saisonklassement sagte Burling nach den verpassten Regatten in Folge eines dramatischen Mastbruchs in Saint-Tropez: “Wir haben die Hälfte der europäischen Etappen nicht fahren können. Ich denke, dass wir als Team heute gezeigt haben, was wir wirklich draufhaben. Wir freuen uns auf die kommenden Rennen im nächsten Jahr.”
Im Saisonklassement der Serie führt zur Halbzeit Australien vor Dänemark und Neuseeland. Das Germany SailGP Team liegt nach sechs von 13 Regatten auf dem zehnten und letzten Platz. Beim Finale von San Francisco kämpfen die Teams vom 13. bis 15. Juli 2024 zum Saisonende um eine Million US-Dollar Preisgeld für die Sieger.

Freie Reporterin Sport