Keine Stadt ist wie diese, wenn es um den Segelsport geht: In Auckland gibt es mehr Boote pro Einwohnerkopf als irgendwo sonst auf der Welt. Hier wurde in diesem Jahrtausend dreimal um den America’s Cup gesegelt. Hier sind die viermaligen Cup-Sieger vom Emirates Team New Zealand und auch mit den Black Foils auch Neuseelands SailGP-Team zuhause.
Am 14. und 15. Februar wird der SailGP nach der Premiere 2025 sein zweites Gastspiel im Waitematā Harbour geben. Dazu erwarten die Veranstalter mehr als 20.000 zahlende Besucher und insgesamt mehr als 30.000 Fans an den Ufern und auf dem Wasser. Damit ist ein neuer Zuschauerrekord in Sicht. Vor dieser furiosen Kulisse kämpfen 13 Teams beim zweiten Event der neuen sechsten SailGP-Saison um die Auckland-Krone und wichtige Punkte für die Saisonmeisterschaft.
Nach den jüngsten Windprognosen sind nun die Chancen gestiegen, dass zum SailGP-Zuschauerrekord auch noch ein Speedrekord kommen könnte. Das zumindest hält SailGP-Chefmeteorologe Chris Bedford für möglich, der extreme Druckverhältnisse vorhersieht. Die 13-Boote-Flotte erwarten turbulente Winde aus einem mächtigen Tiefdruckgebietöstlich von Neuseelands Nordinsel, die das Feld am Sonntag mit um die 30 Knoten (55 km/h) stark fordern könnten.
Das bedeutet für die Crews Arbeit im Grenzbereich der F50-Foiler und für die Fans ein Spektakel, bei dem hoffentlich alle und alle heil und gesund bleiben. „Es wird sicherlich windig sein, daher sollten sich die Fans darauf einstellen“, sagte Bedford. „Aus Sicht der Rennen sollten die Bedingungen für eine wirklich spannende Show sorgen.“
Anders als in Perth, wo die Flotte auf der Rennstrecke mit kräftigen Wellen von See zu kämpfen hatte, wird der Waitematā Harbour relativ ruhig sein, könnte damit ideale Bedingungen für das Erreichen von Höchstgeschwindigkeiten servieren. Bedford warnte jedoch auch davor, dass Auckland aufgrund seiner einzigartigen Geografie, die einen Windtrichter-Effekt erzeugt, seine eigenen Tücken hat.
„Einer der wichtigsten Unterschiede zu Perth ist der Seegang“, erklärte Bedford. „Da wir uns innerhalb des Hafens befinden, werden wir nicht die tiefere Dünung vor der Küste erleben, die dort eine so große Rolle gespielt hat. Es wird zwar immer noch zeitweise unruhig sein, aber ohne diese lange Dünung, die von der Küste hereinrollt. Der Nachteil ist, dass der Wind in Perth zwar stark, aber relativ konstant war. Hier in Auckland erwarten wir viel mehr böigen Wind.”
Die Folgen daraus erläuterte Bedford auch: “Das bedeutet plötzliche Druckanstiege und -abfälle, die für die Crews oft schwieriger zu bewältigen sind. Man tauscht also wirklich eine Art von Schwierigkeit gegen eine andere ein. Diese Art von Variabilität hält die Teams auf Trab.“ Ob die als Starkwind-Lover bekannten Briten (Team Emirates GBR) und Australier (Bonds Flying Roos) unter diesen Umständen ihre Stärken ausspielen können?
Ähnlich wie in Perth wird es auch in Auckland zunächst wichtig sein, die richtigen taktischen Entscheidungen zu treffen, ohne schwere Patzer über den Kurs zu kommen und die Rennen ins Ziel zu bringen. Bedford ergänzt: „Unter solchen Bedingungen gibt es ein echtes Unwägbarkeitselement. Ein Team könnte sich auf der richtigen Seite einer Böe wiederfinden, während ein anderes auf der falschen Seite landet. Das kann das Bild eines Rennens komplett verändern.”
Gleichzeitig rückt wieder der Speedrekord ins Rampenlicht, den das dänische Team Rockwool Racing in der vergangenen Saison bei der Sassnitz-Premiere mit imposanten 103,94 km/h aufgestellt hatte. Auch wenn die Teams bei einem SailGP immer in erster Linie den Sieg anstreben, glaubt Bedford, “dass wir bis zum Ende des Wochenendes einen neuen Rekord erleben könnten”.
Bedfords Argument: „Diese Boote werden ständig weiterentwickelt, um schneller zu werden. Die Segler werden immer besser und sicherer darin, sie bis an ihre Grenzen zu bringen. Rekorde sind dazu da, um gebrochen zu werden, und die Bedingungen könnten sicherlich etwas Besonderes ermöglichen.” Ob es so kommt, werden die Rennen am 14. und 15. Februar zeigen.
Alle Teams treten mit erhgeizigen Zielen an. Allen voran Peter Burlings Black Foils. Die Kiwi-Rakete konnte nach dem folgenreichen Crash mit den Schweizern beim Saisonauftakt in Perth rechtzeitig repariert werden. Damit naht die nächste Chance, erstmals im SailGP 13 F50-Foiler gemeinsam an der Startlinie zu erleben. Maximal zügig möchten sich die nach dem ersten Event nur auf dem ungewöhnlichen 13. und letzten Platz der neu gestarteten Saisonmeisterschaft liegenden Kiwis wieder nach vorne katapultieren.
Auch Team Germany will nach holprigem Saisoneinstieg aufsteigen. An der umgebauten Crew mit dem neuen Flügeltrimmer Kevin Peponnet habe es in Perth nicht gelegen, sagt Erik Kosegarten-Heil rückblickend auf den neunten Platz seines Teams. “Kevin hat sich maximal schnell und sehr gut integriert. Es gab ein paar andere Sachen, die nicht ganz ideal waren, doch gleichzeitig haben wir viel Arbeit investiert, die uns in dieser Saison zugute kommen wird.” Zu mehr Möglichkeiten für das Sportteam tragen auch die im Germany SailGP Team neu an Bord gekommenen Investoren bei.
Gesegelt wird in Auckland am Samstag und Sonntag jeweils zwischen 16 und 17.30 Uhr, also zwischen 4 und 5.30 Uhr deutscher Zeit. Das ZDF überträgt die Renntage zeitversetzt. Die Auckland-Action findet sich dann immer ab mittags im ZDF-SailGP-Kanal, wo auch frühere Sendungen und Dokumentationen zu finden sind. Wer am frühen Morgen live mitfiebern will, kann das via wedotv tun.