Das Personalkarussell hat sich in der rasanten Profiliga SailGP zuletzt immer schneller gedreht. Die fümfte Saison der Rennserie beginnt am 23. und 24. November in Dubai mit neuen Teams, neuen Fahrern, neuen Coaches, einem größeren Feld und mehr Events zwischen dem Startschuss jetzt und dem Saisonfinale Ende November 2025.
2018 vom fünfmaligen America’s-Cup-Gewinner und Olympiasieger Russell Coutts und Oracle-Gründer Larry Ellison gestartet, segelt der SailGP in der neuen Saison weiter auf Expansionskurs: Zwölf Teams – so viele wie noch nie – werden in diesem Jahr an der Startlinie aufkreuzen. Bei voraussichtlich 14 Events kämpfen sie um die Event-Titel und die Saisonmeisterschaft, über die das Finale am 29. und 30. November 2025 in Abu Dhabi entscheiden wird.
Den Teams aus Deutschland, den USA, Australien, Neuseeland, Großbritannien, Brasilien, Italien, Kanada, Frankreich, Dänemark, der Schweiz und die Titelverteidiger aus Spanien kämpfen in der Saison 2024/2025 um Preisgelder in Höhe von rund sieben Millionen US-Dollar (rund 6,64 Millionen Euro). Alleine die Saisonmeisterschaft, um die im Triple-Finale die besten drei Teams kämpfen, ist mit zwei Millionen US-Dollar dotiert.
Gesegelt wird auf Katamaranen vom Typ F50. Die schnellen Foiler können Geschwindigkeiten bis zu 100 Stundenkilometer erreichen und bis zu viermal so schnell wie der Wind werden. Um sich an die verschiedenen Wind- und Wetterbedingungen anzupassen, sind die F50-Katamarane mit drei verschiedenen Flügelgrößen ausgestattet: 18 Meter, 24 Meter und 29 Meter. Über ihren Einsatz wird täglich – meist am Abend vor dem Rennbeginn – für alle Teams gleich entschieden.
Neben dem Rennbetrieb auf dem Wasser findet unter dem SailGP-Dach mit der Nachhaltigkeitsliga ein weiterer Wettbewerb statt, bei dem die Teams mit ihren Maßnahmen und besonderen Projekten Punkte sammeln und ebenfalls um einen Saisontitel, die besten Plätze und Preisgelder kämpfen. Sich selbst beschreibt die Serie so: “SailGP ist eine dynamische und revolutionäre Sportliga, die die besten Segeltalente, Spitzentechnologie und ein Engagement für eine nachhaltige Zukunft präsentiert.”
Gesegelt wird in der neuen Saison in Dubai am kommenden Wochenende, in Auckland (18./19. Januar), Sydney (8./9. Februar), Los Angeles (15./16. März), San Francisco (22./23. März), Rio de Janeiro (3./4. Mai), New York (7./8. Juni), Portsmouth (19./20. Juli), Sassnitz (16./17. August), Taranto (6./7. September), Genf (20./21. September), Cádiz (4./5. Oktober), Mittlerer Osten (7./8. November) und Abu Dhabi (29./30. November).
Was ist neu in dieser Saison? Beispielsweise hat der Fahrer von Emirates Great Britain das Team gewechselt: Doppel-Olympiasieger Giles Scott steuert in dieser Saison für Kanada. Ins britische Team kehrt – frisch vom America’s Cup – Sir Ben Ainslies Co-Pilot Dylan Fletcher als Steuermann zurück. Noch nicht am Start, aber vor Ort ist in Dubai das französische Team um Quentin Delapierre. Les Bleus steigen erst beim zweiten Event im neuen Jahr in Auckland wieder in den SailGP ein, warten noch auf den neuen F50-Katamaran.
Zu den jüngsten prominenten SailGP-Verpflichtungen zählt Italiens America’s-Cup-Pilot Francesco Bruni als Cheftrainer für das Rockwool Racing SailGP Team aus Dänemark. Neu in der Crew um den dänischen Steuermann Nicolai Sehested ist Ed Powys, der die Serie mit dem Australia SailGP Team schon gewonnen hat. Der neuseeländische Flight Controller Andy Malony war schon zuvor ins neue Team Mubadala Brazil gewechselt.
Mit dem Mubadala Brazil Team kreuzt erstmals eine Fahrerin an der Startlinie auf: Doppel-Olympiasiegerin Martine Grael gibt in der Formel 1 des Segelsports Gas. Mit ihrer jüngsten Herausforderung erobert die multitalentierte Seglerin, die auch schon ein Ocean Race um die Welt bestritten hat, Neuland. Nie zuvor hat eine Frau einen der F50-Boliden in SailGP-Rennen gesteuert.
Wie alle Neueinsteiger in der mit 14 Events weltumspannenden SailGP-Serie wird auch Martine Grael Zeit für den Aufstieg brauchen. Die Wurzeln ihrer bisherigen Erfolge im internationalen Segelsport ordnet Martine Grael mehr ihrem Jugendumfeld denn der Familien-DNA und den sieben gewonnenen Olympia-Medaillen von Vater Torben Grael (5) und Onkel Lars Grael (2) zu.
Wenn es hart wird, ist das für mich die beste Motivation.” Martine Grael
Martine Grael sagt: „Ich bin bin einem älteren Bruder und vielen Jungs großgeworden. Ich war in meiner Jugend bei Wettkämpfen viel mit ihnen unterwegs.“ Jetzt fordert Martine Grael wieder die „Jungs“ heraus. Ihre SailGP-Gegner werden prominente Fahrer wie der America’s-Cup-Dominator Peter Burling (New Zealand SailGP Team, „Black Foils“), der australische SailGP-Rekordsieger Tom Slingsby und auch Erik Heil und das Germany SailGP Team sein.
Der deutsche Rennstall um Fahrer Erik Heil setzt nach seinem Einstieg in der vergangenen Saison beim weiteren Aufstieg auf Crew-Kontinuität, beharrliches Arbeiten und den schrittweisen Weiteraufstieg. “Die erste Saison war besser als erwartet. Ich bin gigantisch motiviert für die neue Saison”, sagt Erik Heil, der bereits seit der vergangenen Woche mit dem Germany SailGP Team in Dubai ist und dort jede Trainingschance nutzt.
Der Crew um Erik Heil vom Norddeutschen Regatta Verein gehört Strategin und 49erFX-Seglerin Anna Barth an, die in Hamburg aufwuchs und für den Kieler Yacht-Club startet. Wing Trimmer bleibt der britische 49er-Olympiasieger Stuart Bithell. Flight Controller ist der Australier James Wierzbowski. Für die Grinder-Positionen mit Zusatzaufgaben stehen erneut Jonas Knottnerus-Meyer aus Kiel, Felix van den Hövel aus Berlin und als neuer Mann der Matchrace-erfahrene und taktisch starke Neuseeländer Will Tiller an der SailGP-Startlinie bereit.
Das Germany SailGP Team ist mit dem bereits erfahrenen Flensburger Coach Lennart Briesenick und dem neuen Coach Jacopo Plazzi Marzotto bereit für die neue Saison. Der Italiener kommt vom gerade in Barcelona beendeten America’s Cup, spielte dort als technisch sehr versierter Co-Trainer neben Philippe Presti und Hamish Dennits Willcox eine wichtige Rolle im Coach-Gespann für das italienische Team Luna Rossa Prada Pirelli.
Zur Sache geht es am Wochenende, sagt Erik Heil in der Superliga des Segelsports, “mit den schnellsten Booten der Welt und den besten Seglern der Welt”. “Die Rennen sind schneller vorbei als man blinzeln kann”, erklärt Anna Barth lächelnd in der neuen ZDF-Dokumentation.
Miteigentümer und Mentor Sebastian Vettel hat das Team in seiner Premierensaison beobachtet sagte vor dem Saisonstart in der neuen ZDF-Dokumentation “Die Formel 1 des Segelsports: “Auf den Segelbooten sind sehr viele Sensoren. Die Rennen werden ausgewertet. Man kann die Rennen vorbereiten. Ich glaube, dass es da sehr viele Parallelen gibt aus meiner Zeit. Ich glaube, dass die Formel 1 in der Hinsicht vielleicht Speerspitze ist, was das Datenvolumen und dann die Analyse angeht. Und der Segelsport da noch sehr viel lernen kann. Und so kann ich mich auch ein bisschen mit einbringen.”
“Er sieht Sachen, die dir nicht sofort auffallen. Und die sieht er mit einer Klarheit, wo du dich danach wunderst: Wie ist er eigentlich darauf gekommen? Also dieses akribische Nachdenken über verschiedene Themen. Er bringt einen absolut ‘competitive’ Charakter mit. Und eine coole Offenheit”, beschreibt Erik Heil den inspirierenden Doppelpass mit Sebastian Vettel in der ZDF-Dokumentation.

Freie Reporterin Sport