SailGPNach Höhen und Tiefen – Team Germany bereit für Sydneys “goldene Stunde”

Tatjana Pokorny

 · 26.02.2026

Die SailGP-Flotte beim Saisonauftakt im australischen Revier von Perth und Fremantle.
Foto: James Gourley for SailGP
Am Wochenende kreuzt die gestutzte SailGP-Flotte im Sydney Harbour auf. Gesegelt wird erstmals in der Ligageschichte am Abend zur “goldenen Stunde” der ehemaligen Olympiastadt. Auf dem Rennkurs zwischen Sydney Habrour Bridge und Opernhaus steckt der Teufel im Detail. Nach dem Crash-Drama von Auckland sind 11 statt 13 Teams beim Sydney-SailGP im Einsatz.

Die Bilder vom schrecklichen Crash in Auckland haben Segler und Fans immer noch lebendig vor Augen. Die verletzten Segler sind auf dem Weg der Besserung, doch das Kummer gewohnte SailGP-Techteam konnte keine Wunder vollbringen. Zu stark waren die beiden F50-Foiler der neuseeländischen Black Foils und des DS Automobiles Team France bei der Kollision demoliert worden. Beide Teams müssen beim dritten Event der Saison in Sydney zuschauen.

Sydney-SailGP: Autralier und Briten teilen sich die Favoritenrolle, aber…

So werden 11 statt 13 Teams zum KPMG Sydney Sail Grand Prix aufkreuzen. Die Favoritenrolle teilen sich in Abwesenheit von Kiwis und Franzosen das hier schon dreimal siegreiche Heimteam der Bonds Flying Roos und die amtierenden britischen SailGP-Meister um Steuermann Dylan Fletcher. Leichte Vorteile werden aber Tom Slingsby und den dreimaligen SailGP-Rekordsiegern aus Australiern eingeräumt. Die Tabellenführer nach zwei von 13 Events in der angelaufenen sechsten Saison treten entschlossen zum Heimspiel an.

​Wenn ich ein Event auf der Welt zum Siegen wählen könnte, wäre es für uns Sydney. Das ist der Fokus.“ Tom Slingsby

Zum erweiterten Favoritenkreis zählen auch die schwedischen Newcomer vom Team Artemis und Spaniens Los Gallos, die 2024 zur SailGP-Meisterschaft gestürmt waren. Artemis-Steuermann und 49er-Olympiasieger Nathan Outteridge ist wie Tom Slingsby Australier, bringt beim Neustart in Saison eins für die Schweden viel Erfahrung aus anderen Teams mit und kennt den Sydney Harbour bestens.

Und was kann das zuletzt in der Saisonmeisterschaft auf Platz sieben vorgerückte Team Germany im Konzert der Top-Nationen in Down Under erreichen? In Sydney haben Steuermann Erik Kosegarten-Heil und der deutsche Rennstall seit ihrem Ligaeinstieg 2023 schon Höhen und Tiefen erlebt. Hier gelang dem Riedel- und Vettel-Rennstall im Februar 2024 der erste Rennsieg.

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Spektakulärer Ritt: Der Sydney-Rennkurs aus der Wakeboard-Perspektive

Doch dasselbe Event markierte auch die so oft gezeigten Szenen, in denen der weiß-blaue GER-Foiler beinahe eine Tonne gerammt und im fast gekentert wäre. Dramatischer noch endete der Einsatz Anfang 2025, als sich Schwarz-Rot-Gold schon durch Trainingskollisionen so schmerzhaft teure Penalties eingefangen hatte, das trotz grandioser zweiter Saisonhälfte kein besseres Meisterschaftsergebnis als Platz neun mehr möglich war.

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Spektakulär hat in dieser Woche Ersatzgrinder Felix Van den Hövel den Sydney-Rennkurs vorgestellt. Der Clip dazu zeigt seinen wilden Wakeboard-Ritt rund um Shark Island. Erik Kosegarten-Heil sieht dem Kräftemessen am Wochenende optimistisch entgegen: “Wir mögen Down Under grundsätzlich. Es ist ein guter Ort zum Segeln.”

​​SailGP ist wie Hochgeschwindigkeitsschach auf dem Wasser.” Anna Barth

Der Mann, der gerne in “tricky” Bedingungen segelt, verlässt sich dabei auch auf seine Crew. “Wir hatten zuletzt eine Hammer-Kommunikation an Bord, viel mehr Ruhe drin”, sagt der 36-Jährige. An seiner Seite wird auch in Sydney Strategin Anna Barth im Einsatz sein.

Anna Barth zu SailGP-Strategien und Risiken

Über ihre Rolle sagte die in Kiel lebende Hamburgerin: „Es wird oft unterschätzt, wie kognitiv und intensiv die Strategie ist. SailGP ist wie Hochgeschwindigkeits-Schach auf dem Wasser. Ich muss permanent verarbeiten, was gerade auf dem Boot passiert und Szenarien absehen, die in der nächsten Runde oder an der nächsten Tonne erwartet werden können. Ich habe die Kommunikation über das, was gerade passiert, via Intercom im Ohr, muss gedanklich aber schon bei unserem nächsten Schachzug sein.”

Mit dem Sydney-Revier ist Anna Barth seit einem mehrwöchigen 49erFX-Training mit Emma Kohlhoff und der australischen Nationalmannschaft im Januar und Februar gut vertraut. Sie sagt: “Elemente wie Shark Island in der Kursmitte machen die Strategie interessant, weil man sich früh für eine Seite entscheiden muss. Danach gibt es kein Zurück.”

Zur Frage, inwieweit die furchtbare Auckland-Kollision zwischen Neuseeländern und Franzosen die Athleten beim nun folgenden Gipfel in Sydney begleiten wird, sagte Anna Barth: „Ich habe die beiden Boote ineinander rasen sehen. Da war mir schon klar, dass wir dieses Rennen wahrscheinlich nicht zu Ende segeln. Die beiden Boote steckten ineinander und lagen mitten im Kurs. Priorität war es, die Segler und Seglerinnen beider Teams in Sicherheit zu bringen.”

Uns allen ist nochmal bewusster geworden, welches Risiko dieser Sport mit sich bringt. Wir wollen die Limits pushen, aber es gibt Grenzen, die wir nicht überschreiten sollten.” Anna Barth

Inzwischen ist die 49erFX-Steuerfrau mit ehrgeizigen Zielen im SailGP und auf der Olympia-Bühne nicht mehr einziges festes weibliches Teammitglieg im deutschen Rennstall. Weil die Liga den Teams seit Beginn der laufenden sechsten Saison keine Reserve-Athletin mehr stellt, gab es doppelten Zuwachs: Emma Kohlhoff, im 49erFX junge Vorschoterin von Anna Barth, und Moth- und Switch-Weltmeisterin Victoria Schultheis, Schwester von 49er- und Motten-As Richard Schultheis, ergänzen die Strategieabteilung seit dieser Saison.

SailGP-Gipfel erstmals zur “goldenen Stunde”

Das gesamte Germany SailGP Team blickt den Herausforderungen am Wochenende mit viel Vorfreude entgegen. Spannend für alle: In Sydney werden erstmals in der SailGP-Geschichte Abendrennen ab 17.30 Uhr (7.30 Uhr morgens deutscher Zeit) ausgetragen. Gesegelt wird im Dämmerlicht der „goldenen Stunde“, wenn die Skyline und ihre Wahrzeichen kurz vor Sonnenuntergang in warm schimmerndes Licht getaucht werden. Gesucht wird dann die Antwort auf die Frage: Wer holt sich das SailGP-Gold von Sydney?

Das ZDF zeigt die Rennen an beiden Renntagen hier im SailGP-Streaming-Kanal gegen Mittag. Zurück von den Olympischen Spielen in Italien, kommentiert Nils Kaben das Geschehen.

Der Rückblick auf Event zwei in Auckland mit der schockierenden Kollision und australischen Siegern:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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