Drei America’s-Cup-Verteidigungen haben Neuseelands Cup-Dominatoren in Auckland ausgetragen. 2000 siegten die Kiwis bei ihrem ersten Heimspiel. 2003 verloren sie die Silberkanne an das Schweizer Team Alinghi mit einiger neuseeländischer Verstärkung, darunter damals auch der beste Segeler seiner Generation: Russell Coutts – heute SailGP-Dirigent.
2021 verteidigte das Emirates Team New Zealand den America’s Cup in Corona-Zeiten zum vorerst letzten Mal erfolgreich im eigenen Revier. Die “City of Sails” ist das Zuhause der erfolgreichsten Cup-Nation in diesem Jahrtausend. Ihre Heimat ist ein Land, in dem es geschätzte 1,5 bis 1,6 Millionen Freizeitboote gibt. Auckland gilt weltweit als Stadt mit der höchsten Bootsquote per Einwohner. Hier ist der Segelsport nicht “nur” ein Hobby, er ist der Lebensstil vieler.
Auch wenn die Kiwis den America’s Cup inzwischen mangels finanzieller Möglichkeiten daheim zuerst nach Barcelona (2024) gebracht und sich im laufenden 38. Zyklus für Neapel (2027) entschieden haben, bleibt Auckland die weltweite Hauptstadt der Segelenthusiasten. Das wird am 14. und 15. Februar zum zweiten Mal nach der SailGP-Premiere 2025 auch im Wynyard Point Race Stadion am Waitematā Harbour wieder zu sehen sein.
Obwohl Auckland schon im vergangenen Jahr im ersten Anlauf den SailGP-Zuschauerrekord brach, ist nun noch einmal eine 30-prozentige Steigerung in Sicht. Zu den beiden Renntagen werden mehr als 20.000 zahlende Zuschauer im Stadion und auf den Tribühnen erwartet. Insgesamt rechnet die Liga am neuseeländischen Wochenende mit mehr als 30.000 Fans vor Ort. “Auckland ist immer der Hammer”, weiß auch Team Germanys Steuermann Erik Kosegarten-Heil.
Vom Stadion aus haben Fans an Land beste Aussichten aufs Renngeschehen. Und die Segler an Bord – falls sie im Eifer des Gefechts Zeit dafür finden – eine gigantische Zuschauerkulisse und Aucklands Skyline vor Augen. Erik Kosegarten-Heil kennt das Revier gut, hat es nach vielen Aufenthalten auch durch einen unvergesslichen Höhepunkt seiner olympischen 49er-Karriere mit Thomas Plößel in silberglänzender Erinnerung.
Es war im Dezember 2019, als die Deutschen hier beinahe die Nationalhelden Peter Burling und Blair Tup vom Skiff-Thron stürzten. Sechs WM-Goldmedaillen hatten Burling und Tuke bis dahin bereits gewonnen. Sie galten zu der Zeit als die Unbezwingbaren im olympischen 49er-Sport. Heil und Plößel rüttelten im Auckland-Revier derart an ihrem Thron, dass die Entscheidung erst im letzten Lauf fiel.
Ihr siebtes WM-Gold schnappten sich die Kiwis damals nur knapp vor Heil/Plößel und den Briten Dylan Fletcher/Stu Bithell. Dabei war Peter Burling damals im Finale noch aus der Fußschlaufe gerutscht und kurz über Bord gegangen. Im Adrenalinrausch gelangen der Wiedereinstieg ins Boot und die Aufholjagd jedoch blitzartig. In der Endabrechnung war das für die Kiwis den WM-Titel wert.
Für die Deutschen bedeutete das WM-Silber zwischen zwei olympischen Bronzemedaillen 2016 und 2021 so etwas wie einen Ritterschlag. Noch im selben Jahr kreuzten die Kiwis zur Kieler Woche auf – auch, um ihre potenziell starken Olympia-Rivalen Erik Heil und Thomas Plößel auf Kurs Olympia zu studieren. Bei der olympischen Segelregatta in Enoshima dann stürmten 2021 überraschend die Briten Dylan Fletcher und Stu Bithell zu Gold. Die Dauer-Dominatoren Burling und Tuke mussten sich mit Silber begnügen, Heil/Plößel gewannen ihre zweite Bronzemedaille.
Alle drei Crews verbindet eine lange gemeinsame Historie im olympischen Skiff, die darüber hinaus auch Akteure wie die spanischen SailGP-Saisonmeister von 2024, Diego Botin und Flo Trittel (49er-WM-Vierte 2019), mitprägten. Inzwischen ringen die Skiffbesten von einst auf der SailGP-Weltbühne miteinander. 323 Wochen nach dem 49er-WM-Showdown von 2019 treffen sie beim ITM New Zealand Sail Grand Prix am 14. und 15. Februar in Auckland jetzt wieder im historischen WM-Revier aufeinander.
Ich freue mich sehr darauf, verbinde mit Auckland große Erfolge, aber auch sehr viel Herzlichkeit der Menschen dort.” Erik Kosegarten-Heil
Den noch etwas holprigen Einstieg des deutschen Rennstalls in die neue SailGP-Saison im Januar vor Perth hat das Team inzwischen minutiös durchleuchtet. “Perth war im Ergebnis nicht gut, aber wir haben enorm viel gemacht und geschafft”, zieht Erik Kosegarten-Heil Bilanz nach dem ersten Monat und dem ersten Event im neuen Jahr. Dazu zählten auch intensive Analyse-Nachtschichten beim Oracle Perth Sail Grand Prix. “Da haben wir vielleicht ein bisschen zu viel Energie gelassen, aber es war wichtig”, so der Steuermann.
Unsere Arbeit in Perth war eine Investition für die gesamte Saison.” Erik Kosegarten-Heil
Der neue Flügeltrimmer Kevin Peponnet habe sich “superschnell” ins Team eingefügt. Der Franzose spräche “die gleiche Sprache” wie Flight Controller James Wierzbowski. Beide seien sehr datenaffin und – im Gegensatz zum in der Kommunikation omnipräsenten früheren Wing Trimmer Stu Bithell ruhig im Zusammenspiel. “Sie können sich sehr gut austauschen”, sagt Erik Kosegarten-Heil. Der 36 Jahre alte Segelprofi, Mediziner und Hofbetreiber aus Strande bei Kiel blickt entsprechend optimistisch auf die weitere Saisonentwicklung seiner Mannschaft.
Es kommt in Wellen. Aber die Wellen werden länger.” Erik Kosegarten-Heil
Ab diesem Wochenende werden sich die Mitglieder des Germany SailGP Teams in Auckland versammeln. Aus Sydney kommen Anna Barth und Emma Kohlhoff dazu. Die beiden Perspektivkaderseglerinnen des German Sailing Teams reisen nach einem selbst organisierten und teilweise im Crowd-Funding finanzierten mehrwöchigen 49erFX-Training mit der australischen Nationalmannschaft als Strategin und Ersatzseglerin für den deutschen Rennstall in Auckland an. Als Grinder sind neben Erik Kosegarten-Heil, Anna Barth, Kevin Peponnet und James Wierzbowski Linov Scheel und Will Tiller im Einsatz.
Gute Kunde für die Segler hatte es zuvor von Land gegeben. Der deutsche Rennstall hat neue Investoren gewinnen können. Darüber hatten wir hier ausführlich berichtet. Weil der ITM New Zealand SailGrand Prix am 14. und 15. Februar jeweils bereits um 4 Uhr morgens deutscher Zeit beginnt, wird das ZDF die Rennen voraussichtlich wieder zeitversetzt gegen Mittag im SailGP-Stream übertragen. Wer trotzdem live dabei sein will, kann die Action bei wedotv verfolgen.