SailGPMedaillen-Memories beim Rio-Heimspiel für Martine Grael

Tatjana Pokorny

 · 10.04.2026

Das SailGP-Plakat für die Rio-Premiere mit einer lächelnden Martine Grael.
Foto: SailGP
Nach der geplatzten Premiere im vergangenen Jahr ist es soweit: Erstmals steigt ein SailGP-Event in Rio de Janeiro. Hier kennt sich die einzige Fahrerin in der Weltliga glänzend aus. Sie wurde in Niterói groß und gewann die erste ihrer zwei olympischen Goldmedaillen in der Guanabara-Bucht, wo es am Wochenende zur Sache geht. Viele weitere Top-Akteure haben hier 2016 auch Medaillen gewonnen. Einer von ihnen ist Team Germanys Steuermann Erik Heil.

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Ginge es nach den vor zehn Jahren in Rio de Janeiro gewonnenen Olympia-Medaillen, wäre Team Germany gesetzt für einen der vorderen Plätze bei der SailGP-Premiere in rio de Janeiro. Erik Heil hat in der Guanabara-Bucht vor einem Jahrzehnt die erste seiner beiden Bronzemedaillen mit Thomas Plößel gewonnen. Jetzt ist er erstmals seit zehn Jahren zurück an der Stätte seines Triumphes und mit dem Germany SailGP Team by Deutsche Bank auf den F50-Foilern gefordert.

Rio-SailGP-Premiere: Gold, Silber, Bronze satt

Erik Heil zählt zu einer ganzen Flut olympischer Medaillengewinner von Rio, die jetzt im SailGP aktiv sind. Die bekanntetste ist bei ihrem Heimspiel Martine Grael. Die in Niterói unweit der Guanabara-Bucht aufgewachsene gelernte Skiffseglerin gewann 2016 die erste ihrer beiden 49erFX-Goldmedaillen mit Kahena Kunze. Jetzt treten die beiden Frauen im SailGP gegeneinander an: Martine steuert für das Team Mubadala Brazil (Tabellenplatz 11 nach drei Events). Kahena ist Strategin im dänischen Team Rockwool Racing (Platz 8).

Auch als Gold-Mann von 2016 kreuzt Finn-Olympiasieger Giles Scott mit dem kanadischen Team NorthStar in Rio auf. Ebenso der Brite Matt Gotrel, der bei den Olympischen Spielen 2016 noch mit dem britischen Achter als Ruderer unterwegs war, bevor er später in den Segelsport wechselte. Doppelt vergoldet wie Martine Grael und dazu noch mit Silber bei ihrem Heimspiel in Weynouth 2012 dekoriert ist Hannah Mills. Dylan Fletchers Strategin im Team Emirates Team GBR war die erfolgreichste Seglerin der Olympiageschichte, bis sie in Marseille 2024 von der “Fliegenden Holländerin” Marit Bouwmester mit insgesamt zweimal Gold, einmal Silber und einmal Bronze entthront wurde.

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Aber zurück zum SailGP: Auch die 49er-Olympiasieger Peter Burling und Blair Tuke wären mit ihren Black Foils gerne in Rio gestartet. Doch ihr neues Boot ist nach dem Crash in Auckland noch nicht fertig. Weitere fünf Rio-Aktive gewannen vor zehn Jahren Silber bei der Rio-Olympia-Regatta: Nathan Outteridge (heute Fahrer fürs das schwedische Team Artemis) und sein Vorschoter Iain Jensen (Flügeltrimmer der Bonds Flying Roos) wurden 2016 Olympia-Zweite im 49er. Jason Waterhouse (Flight Controller der Bonds Flying Roos) und Lisa Darmanin (SailGP-Reporterin) holten Silber im Nacra 17.

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SailGP: Olympisches Edelmetall beflügelt Karrieren

Dazu kommt 470er-Vorschoter Will Ryan im Einsatz als Grinder für Red Bull Italy. Die auch auf den SailGP-Listen genannte neuseeländische 49erFX-Silbermedaillengewinnerin Jo Aleh ist inzwischen ins heimische America’s-Cup-Team gewechselt.

Drei Bronzemedaillengewinner machen die prominente lange Liste der Rio-Olympia-Asse im SailGP komplett: Neben Erik Heil sind es Artemis-Coach Sam Meech, der 2016 Silber im Ilca 7 gewann, und die Dänin Anne-Marie Rindom im Team Rockwool Racing, die damals mit Bronze im Ilca 6 vorgelegt hatte, bevor sie fünf Jahre später bei den Spielen in Enoshima Olympiasiegerin wurde und 2024 noch Silber hinzufügte.

Ein Schluss lässt sich aus dieser Medaillenflut im SailGP sicher ziehen: Olympisches Edelmetall befördert Karrieren und ebnet den Weg in den professionellen Segelsport. Wobei es hilfreich ist, wenn es im eigenen Land der Medaillengewinner SailGP-Rennställe gibt. Erik Heil hat einst durch beharrliches Werben über Jahre selbst mit dazu beigetragen, dass es heute das Germany SailGP Team by Deutsche Bank bereits in seiner dritten Saison gibt.

Berechtigt oder beleidigt? US-Team klagt gegen Rockwool Racing

Inzwischen sind insgesamt 13 Teams im SailGP aktiv. Die sechste Saison der Weltliga läuft. Die ersten drei von 13 Events 2026 sind bestritten. Tabellenführer sind mit dem Emirates Team GBR die Saisonmeister von 2025 vor den Rekordsiegern der Bonds Flying Roos um Fahrer Tom Slingsby und dem US-Team. Apropos US-Team: Der amerikanische Rennstall hat laut übereinstimmender amerikanischer Medien, darunter das gut informierte “Scuttlebutt”, eine Klage gegen das dänische Team Rockwool Racing eingereicht, zu der es auch schon Anhörungen bei Delaware Chancery Court gab.

Es geht in der Klage um unlauteren Wettbewerb und Markenrechtsverletzungen. Hintergrund ist die 60-Millionen-US-Dollar-Übernahme des Teams Rockwool Racing durch Sportinvestor und American-Magic-Mitgründer Doug DeVos. Aus der Klage des US-Teams, so berichtete unter anderem Scuttlebutt, sei auch hervorgegangen, dass Doug DeVos ursprünglich versucht hatte, das US-Team zu erwerben. Dann aber investierte er in den dänischen Rennstall, in dem Rockwool bis mindestens 2032 Titelpartner bleiben wird.

Die Verteidiger der Beklagten führten an, dass die Liga, nicht das US-Team die Markenregeln kontrolliere und alle von Rockwool Racing verwendeten Kennzeichnungen genehmigt habe. Weitere Entscheidungen des Gerichts gab es zunächst noch nicht. Alles deutete darauf hin, dass die Rio-Regatta durch die Klage nicht direkt gestört wird. Erwartbar aber ist, dass Taylor Canfields US-Team und die Mannschaft um Rockwool-Fahrer Nicolai Sehested sich am Wochenende nicht als beste Freunde auf dem Kurs begegnen werden.

Spanisches SailGP-Team verkauft

Frisch beflügelt werden die Spanier in Rio aufkreuzen. Sie sind als Team von der Quantum Pacific Group gekauft worden. Mit dieser Übernahme, so vermeldete es die Liga, erweitere die Investmentgruppe ihr wachsendes Sportportfolio, zu dem bereits Atlético Madrid, der F.C. Famalicão und das Movistar Team gehören. Davon profitieren sportlich Fahrer Diego Botin, Flügeltrimmer Flot Trittel, Strategin Nicole Van der Velden und ihr Team.

​Mit dieser Transaktion sind „Los Gallos“ das zwölfte von 13 Teams im Rolex SailGP, das sich nun in Privatbesitz befindet. Spanien bleibe mit seiner lebendigen Fangemeinde und einer bewährten Erfolgsbilanz als Gastgeberland ein Schlüsselmarkt, verkündete die Liga, die jedoch nach vier erfolgreichen Saisons in Cádiz in diesem Jahr am 5. und 6. September 2026 erstmals dort segeln lässt, wo der America’s Cup 2007 eine seiner besten Auflagen feierte: in Valencia!

Weniger Grund zur Freude haben aktuell die neuseeländischen Black Foils im SailGP: Nach dem schweren Auckland-Crash entsteht ein neuer Foiler, der aber noch nicht fertig ist. Noch gibt es keinen festen Comeback-Termin. Peter Burling, Blair Tuke und ihr Team müssen weiter warten – und zuschauen, was die anderen in Rio machen. Wer auch zuschauen will, findet den ZDF-Live-Stream am 11. und 12. April zur Prime Time ab 20 hier. Kristin Recke kommentiert die Rennen. Der Sender wedotv zeigt die Originalübertragung zur selben Zeit hier.

Zur Entspannung vor der Wochenendspannung der jüngste Clip der Bonds Flying Roos mit Ryan Reynolds und Hugh Jackman – es geht heiter um schlechte Omen auf Booten:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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