SailGPHungrig ins neue Jahr – Sebastian Vettels Team Germany erst hopp, dann Flop

Tatjana Pokorny

 · 13.01.2024

Steuermann Erik Heil und sein Germany SailGP Team am Samstag in Abu Dhabi
Foto: Simon Bruty for SailGP
Sebastian Vettels und Thomas Riedels Germany SailGP Team ist vielversprechend ins neue Jahr gestartet. In Abu Dhabi konnten sich Fahrer Erik Heil und sein Team nach den ersten beiden Rennen zum Auftakt auf Platz sechs im Mittelfeld positionieren. Dann aber warf ein schwacher Start die Mannschaft vor Tag zei auf Platz neun zurück

Es ist Halbzeit beim SailGP in Abu Dhabi. Und Halbzeit der Saison 2023/2024. Beim siebten von 13 Regattagipfeln der Profiserie auf rasanten F50-Katamaranen ist mit dem Germany SailGP Team der jüngste Neuzugang im Konzert der Segelsupermächte gut eingestiegen. Nach zwei Rennen mit den Rängen 6 und 5 lagen Erik Heil und die Crew auf dem deutschen Boot zunächst vielversprechend auf Platz sechs.

Damit bestätigte die Mannschaft im Kräftemessen mit den riesigen 29-Meter-Flügeln ihre auffallend guten Trainingsergebnisse vom Vortag. Doch im dritten Tagen des Rennens folgte die Ernüchterung: Erst als zehntes Team in Ziel, rutschte das Germany SailGP Team im Zwischenklassement von Abu Dhabi auf Platz neun zurück.

Es fühlt sich an wie olympische Rennen hier draußen” (Erik Heil)

Doch der Reihe nach: In Rennen eins ließ das deutsche Team einem Penalty-Start und schneller Bereinigung eine gelungene Aufholjagd folgen, die bis auf Platz sechs führte – ein starkes Resultat in der Premierensaison der Deutschen. In Rennen zwei beeindruckten Erik Heil, Wingtrimmer Stuart Bithell und ihre Crew als Fünfte sogar mit einem Top-Start, guter Taktik und viel Kampfgeist. “Es fühlt sich an wie olympische Rennen hier draußen”, kommentierte Erik Heil die umkämpften kurzen Wettfahrten in flauen Winden.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Dem Höhenflug des deutschen Teams, das plötzlich in der Nähe der Top-Ränge agierte, folgte ein Dämpfer im dritten Rennen an diesem ersten von zwei Renntagen beim Mubadala Abu Dhabi Sail Grand Prix. Möglicherweise von den guten Ergebnissen in den ersten beiden Rennen verleitet, wollten Erik Heil und seine Mannschaft beim Start ins dritte Rennen ihr Glück aus der zweiten Reihe suchen. “Der dritte Start war noch einmal ein Risiko”, sagte Erik Heil kurz nach dem Rennen, “der hätte natürlich auch gut gehen können, aber es hat sich keine Lücke aufgemacht. Da waren wir eingeloggt und konnten uns der Flotte nicht anschließen.”

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Team Germany riskiert am Start zu viel

Die erhoffte Lücke tat sich für den mit höherem Tempo angedachten Durchstoß nicht auf. Von Beginn an in der Defensive, konnte das Germany SailGP Team im dritten Durchgang zwar zwischenzeitlich noch einmal bis auf Rang sieben vordringen, fiel dann aber wieder zurück und wurde auf den letzten Metern ins Ziel im Duell um Rang neun auch noch von Frankreich überholt.

So ergab sich für Team Germany trotz einiger Glanzleistungen in der Endabrechnung für den ersten Tag in Abu Dhabi nur Platz neun im Zwischenklassement. Dort rangiert der Rennstall von Sebastian Vettel und Thomas Riedel vor dem Finaltag am 14. Januar punktgleich hinter den Briten mit ihrem neuen Steuermann Giles Scott.

Sir Ainslies Stiefel sind groß …

Damit hat der zweimalige Finn-Olympiasieger aus Großbritannien die Nachfolge von Superstar Sir Ben Ainslie am Steuer für das Team Emirates GBR zunächst nur mit mäßigem Erfolg angetreten. Giles Scotts erste Tagesbilanz als SailGP-Fahrer war in den sehr leichten Winden um zehn Stundenkilometer mit drei siebten Rängen zwar konstant, aber noch nicht spitze.

Die Führung haben nach drei von fünf Fleetraces bis zum Finale der Top Drei am Sonntag die am Samstag vor Abu Dhabi herausragend agierenden Spanier übernommen. Ihren letzten Rang zum Auftakt hatten Steuermann Diego Botín, sein Wingtrimmer Florian Trittel und ihr Team mit zwei überzeugenden Rennsiegen blitzschnell vergessen lassen.

Es hat ziemlich viel Spaß gemacht, die Boote in diesen Bedingungen zu segeln. Vamos!” (Florian Trittel)

Florian Trittel sagte: “Wir sind natürlich glücklich mit zwei Siegen. Wir haben für dieses Ergebnis hart gearbeitet. Grundlage für den Erfolg waren gute Starts in den letzten beiden Rennen. Die Dinge kommen ins Rollen. Es hat ziemlichen Spaß gemacht, die Boote in diesen Bedingungen zu segeln. Vamos!”

Solche Fahrstuhlfahrten durchs Klassement erlebten auch America’s-Cup-Verteidiger Peter Burling und seine Kiwis. Sie hatten den ersten SailGP-Regattatag des neuen Jahres mit einem Rennsieg eröffnet, bevor sie anschließend mit den Rängen 10 und 7 zufrieden sein mussten. In der Gesamtwertung reichte es zu Platz zwei im Zwischenklassement vor Amerikanern, Kanadiern und Franzosen.

Papa Slingsby muss sich strecken, wenn er beim Comeback noch das Finale erreichen will

SailGP-Dominator Tom Slingsby und die Australier kamen beim Comeback ihres Stammfahrers aus der Babypause im Flautenpoker am Samstag zunächst nicht über Platz sechs nach drei Rennen hinaus. Die dreimaligen SailGP-Saisonsieger aus Down Under müssen sich in den verbleibenden zwei Fleetraces am Sonntag stark strecken, wenn sie das Finale der besten drei Teams noch erreichen wollen, das für Team Deutschland bereits in sehr weite Ferne gerückt ist.


Tag 1 beim SailGP in Abu Dhabi im Re-Live:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

Meistgelesen in der Rubrik Regatta