SailGPErster Saisonguide – Anna Barth: ”Es wird sehr spannend!”

Tatjana Pokorny

 · 06.01.2026

Team Germanys Steuermann Erik Kosegarten-Heil und Strategin Anna Barth.
Foto: Jason Ludlow for SailGP
13 Teams bereiten sich auf den Start der sechsten SailGP-Saison mit 13 Events vor. Nach vielen Crew-Wechseln sind nicht nur die Fans, sondern auch die Protagonisten selbst gespannt auf den ersten Schlagabtausch am 17./18. Januar vor Fremantle/Perth. In Down Under könnte der “Fremantle Doctor” gleich beim Auftakt für ein Starkwind-Powerplay sorgen. Strategin Anna Barth erwartet Hochspannung zum Saisonstart in Australien.

Die sechste SailGP-Saison startet in Down Under. Die ersten drei von insgesamt 13 Events finden in Perth/Fremantle, im neuseeländischen Auckland (14./15. Februar) und in der ehemaligen Olympia-Metropole Sydney (28.2./1.3.) statt. Weiter geht es mit der im vergangenen Jahr geplatzten Rio-SailGP-Premiere (11./12. April), im Bilderbuch-Segelrevier von Bermuda (9./10. Mai), in New York (30./31. Mai) und im kanadischen Halifax (20./21. Juni).

SailGP: im Sommer nach Europa

Danach beginnt die europäische Phase, in der im vergangenen Jahr nach verpatztem Saisonstart das Germany SailGP Team wie Phoenix aus der Asche aufstieg und auf dem Genfersee den historisch ersten Teamsieg holte. Die insgesamt vier Europa-Events steigen in Portsmouth (25./26. Juli), zum zweiten Mal in Sassnitz (22./23. August, hier geht es zum Ticketverkauf), in Spanien (noch ohne Austragungsort und Datum) und in Saint-Tropez (12./13., September).

Beim vorletzten Event in Dubai (21./22. November) fallen die Vorentscheidungen zum großen Finale der Rolex SailGP Meisterschaft 2026: Der Mubadala Abu Dhabi Sail Grand Prix lockt nur eine Woche später am 28. und 29. November. Über die gesamte Saison wird ein Preisgeld von mindestens 12,8 Millionen US-Dollar ausgeschüttet. Zwei Millionen US-Dollar gingen bislang alleine an die Sieger, dazu bekam das punktbeste Team bis zum Finale 400.000 US-Dollar. Ob es bei den Summen bleibt oder noch mehr ausgeschüttet wird, hat die Liga noch nicht bestätigt.

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Nach dem Einstieg des schwedischen Teams Artemis Racing mit Star-Steuermann Nathan Outteridge (Australien) und erlesener Crew werden 2026 erstmals 13 Teams zu einer SailGP-Saison aufkreuzen. Die “Neuen” sind so neu nicht, denn ihre Akteure bringen viel Erfahrung mit ins Spiel. Nathan Outteridge war schon in SailGP-Stunde Null und danach für unterschiedlichste Teams im SailGP-Einsatz. Der 49er-Olympiasieger von 2012 und Silbermedaillengewinner von 2026 hat auch zwei Motten-WM-Titel auf seiner Erfolgsliste.

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Die Favoriten für die sechste SailGP-Saison

Nathan Outteridge ist es gelungen, den schwedischen America’s-Cup-Jäger und Regattaenthusiasten Torbjörn Törnquist vom SailGP-Engagement zu überzeugen, nachdem beide schon zwei America’s-Cup-Kampagnen mit Artemis Racing bestritten haben. Für die Güte dieses Teams sorgen nicht nur die Segelathleten, sondern im Hintergrund auch die Technologieschmiede Artemis Technologies und der britische Team-CEO Iain Percy, selbst Olympiasieger im Finn Dinghy und im Starboot. Dazu sollen und wollen Top-Flügeltrimmer Chris Draper und Flight Controller Andy Maloney die Blau-Gelben schnell machen.

Zum Kreis der Favoriten zählen in Saison sechs erneut die britischen Titelverteidiger vom Team Emirates GBR, Tom Slingsbys australische Bonds Flying Roos und Peter Burlings neuseeländische Black Foils. Die drei Podiumsteams der fünften Saison sind ebenso bereit für die neue Saison wie die Meister von 2024: Spaniens Los Gallos dürften mit den amtierenden 49er-Olympiasiegern Diego Botin und Florian Trittel eine starke Macht im SailGP bleiben, auch wenn die Konkurrenz wächst und die jüngeren Teams immer besser werden.

Mit ihrem neuen Team Manager und erfahrenen America’s-Cup-Coach Philippe Presti wollen auch Frankreichs Les Bleus aufs SailGP-Podium. Die Sieger der Sassnitz-Premiere im vergangenen August bezeichnet Presti als “fantastische Gruppe”. Bekannt als Trainer des italienischen America’s-Cup-Teams Luna Rossa, hat Philippe Presti im SailGP nun Red Bull Italy verlassen, um sich des französischen Heimteams anzunehmen.

Team Germany läutet seine dritte Saison ein

Der 60 Jahre alte zweimalige Finn-Gold-Cup-Sieger und Olympiateilnehmer Presti wird den Sportbereich verantworten, während sich die beiden Co-CEOs Stephan Kandler und Bruno Dubois um Finanzen, Partner und die kommerzielle Strategie des Teams kümmern. Als neuer Nachwuchsmann ist der amtierende Motten-Weltmeister Enzo Bellanger in Reserveposition ins Team gekommen. Philippe Presti sagt: “Die Leistung wird aus den Zutaten erwachsen, die wir auf den Tisch packen. Das Ziel ist es, die Tiefs aus unserem Spiel zu bekommen. Das finde ich spannend.”

Gespannt ist auch das Germany SailGP Team auf den Saisonstart in Down Under. Die in Kiel lebende Hamburger Strategin Anna Barth sagte nach rund eineinhalb Monaten “Winterpause”, in der sie sich vor allem im Gym fit gehalten hat: “Ich fühle mich auf jeden Fall bereit für die neue Saison und freue mich sehr. Ich glaube, es wird sehr spannend. Es gab viele Wechsel in den Crews und es wird spannend zu sehen sein, wie sich die Teams in die neue Saison einfinden.”

Das gelte naturgemäß auch fürs eigene Team um Steuermann Erik Kosegarten-Heil. Anna Barth sagte: “Ich bin auch gespannt, wie es bei uns mit dem neuen Wing Trimmer Kevin wird.” Der Franzose Kevin Peponnet ist als Flügeltrimmer für Stuart Bithell in die Mannschaft gekommen. Der Brite war zuvor in sein SailGP-Heimteam Emirates GBR gewechselt.

Zum Saisonauftakt drei Trainingstage für die Teams

Anna Barth sagte: “Kevin hat ein bisschen ein anderes Skill-Set als das, was wir bisher erlebt haben. Er ist noch mehr technisch und auf das Boot selber fokussiert. Stu hatte auch in der Kommunikation relativ viel übernommen, was teilweise gar nicht so gewollt war. Aber das war seinem Naturell und auch der Tatsache geschuldet, dass er bei unserem SailGP-Einstieg das Boot schon kannte.”

Eine gute Nachricht gab es vor dem Oracle Perth Sail Grand Prix für alle Teams: die Aussicht auf Vorab-Training! “Wir haben insgesamt drei Trainingstage und dann noch den Freitag mit Practise Races, wie immer. Dienstag ist unser erster Segeltag. Wir sind ab 9. Januar abends schon da, haben dann noch ein paar Tage vor Ort zum Akklimatisieren und auch für Meetings und einfach etwas Teamzeit zusammen.”

Auch Anna Barth weiß: “Ich glaube, es wird schon durch das neue schwedische Team sehr spannend. Die sind einfach gut aufgestellt. Mal sehen, wie die sich in den ersten Events schlagen.” Mit Blick auf die oftmals knackigen Winde im Revier von Fremantle/Perth sagte Anna Barth: “Ich glaube, es wird eine windige Woche. Ich glaube, dass wir wahrscheinlich mit den kleinen Wings und den kleinen Foils segeln werden. Es wird sehr schnell. Und ich habe mir auch sagen lassen, es sind sind viele Haie in Perth.”

Wir können uns auf einige Action-Bilder gefasst machen.” Anna Barth

Das Germany SailGP Team blickt nach den zwei krass unterschiedlichen Saisonhalbzeiten 2025 der neuen Saison optimistisch und mit viel Vorfreude entgegen. Anna Barth erinnert sich: “Die letzte Saison ging mit oft sehr leichten Winden zu Ende. Da war ich teilweise gar nicht an Bord. Wenn ich an Bord war, musste ich immer grinden. Das macht mir auch viel Spaß. Ich mag die Rolle sehr gerne, weil ich dann auch die Fock trimme und etwas mehr ins technische Segeln des Bootes involviert bin. Aber jetzt freue ich mich auch sehr, wieder hinten im Boot hinter Erik zu sein und mehr strategisch den Überblick zu haben, meine klassische Rolle wieder zu übernehmen.”

Anna Barth: doppelt aktiv in Down Under

Sie sei gespannt, wie auch sie selbst wieder reinkomme in den Stammjob der Strategin und sagte: “Ich habe das lange nicht gemacht, mich aber gut vorbereitet und freue mich sehr. Ich fühle mich gut vorbereitet.” In Down Under verfolgt Anna Barth zu Jahresbeginn noch eine zweite Mission, die sich direkt an das erste SailGP-Event des Jahres anschließen soll: Gemeinsam mit Emma Kohlhoff, die ebenfalls dem deutschen Rennstall angehört, will die 49erFX-Steuerfrau auch mit den olympischen Ambitionen ihrer Crew vorankommen.

Die beiden U21-Weltmeisterinnen von 2024, die im vergangenen Jahr im olympischen Seniorenfeld mit WM-Platz zehn den Sprung in die internationale Spitze schafften, haben die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles im Visier. Sie haben die Chance, mit der australischen Nationalmannschaft in Sydney zu trainieren, bevor dort das zweite SailGP-Event des Jahres im Februar steigt.

Anna Barth erklärt: “Die australischen 49erFX Teams sind mit die stärksten der Welt. Mit ihnen zu trainieren ist eine einzigartige Möglichkeit für unsere sportliche Weiterentwicklung. Der Plan ist, dass wir vom 19. Januar bis zum 8. Februar in Australien segeln. Um dieses Projekt zu finanzieren, haben wir ein Crowdfunding initiiert. Unser Ziel ist es, die finanziellen Anforderungen von rund 8.000 Euro auf möglichst viele Schultern aufzuteilen. Das schaffen wir, indem wir 28 mal 280€ akquirieren. Jeder Beitrag bringt uns dieser wertvollen Maßnahme ein bisschen näher.”

SailGP: Clips zum “Vorglühen”

Während sich der Rennstall von Unternehmer Thomas Riedel, dem viermaligen Formel-1-Weltmeister Sebastian und Vettel und weiteren Investoren für die neue Saison warmläuft, veröffentlicht die Mannschaft auch kleine Clips zum “Vorglühen”. Etwa diesen mit dem zu vervollständigenden Satz “SailGP ist…”. Oder “Die drei Tipps für die nächste Saison”. Und hier geht es zum Team-Überblick für die neue Saison.

Die beiden Hollywood-Filmstars Hugh Jackman und Ryan Reynolds erlebten 2025 ihre erste SailGP-Saison als Investoren, Kommentatoren und Fans der Bonds Flying Roos. Ihr Clip läutet die 13. Folge von “Racing on the Edge – Segeln am Limit” ein:

Kenterungen, Flügelbrüche und explodiertes Material – die Crash-Momente der fünften SailGP-Saison:

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