SailGPEntschleunigung in Sydney – auf Samtpfoten ins Ziel

Tatjana Pokorny

 · 28.02.2026

Aufholen war nach schwierigen Starts für Team Germany das Gebot der Stunde auf dem Rennkurs im Sydney Harbour.
Foto: Felix Diemer for SailGP
Nach zwei druckvollen ersten Events und dem schrecklichen Crash in Auckland, geht es beim SailGP in Sydney an diesem Wochenende sehr viel langsamer zu. Das Beste machten aus den leichten und drehenden Winden zum Auftakt am Samstag die Favoriten. Team Germany rettete einen schwierigen Tag mit Rang zwei im letzten der vier Rennen.

Es waren Spaniens Los Gallos, die dem australischen Heimteam am ersten der beiden Renntage beim KPMG Sydney Sail Grand Prix an der Geburtsstätte der Liga die Schau streitig machten. Mit den Rängen 5, 1, 1, 5 und 32 Punkten setzten sich Diego Botin und sein Team nach den ersten vier Samstagrennen an die Spitze der 11-Boote-Flotte. Die Ergebnisse der australischen Top-Favoriten waren ähnlich gut, spiegelten mit den Rängen 1, 8, 6 und 1 aber noch etwas stärker die so schwer berechenbaren und teilweise sehr leichten Winde im Sydney Harbour wider.

Startprobleme für das Germany SailGP Team

Mit 28 Punkten lagen Tom Slingsby und die Bonds Flying Roos nach vier Läufen zunächst auf Platz zwei vor dem schwedischen Newcomer-Team Artemis (26 Punkte). Schwächer als zuletzt in druckvolleren Winden, kamen die amtierenden SailGP-Meister am Samstagabend vom kompliziert-leichtwindigen SailGP-Kurs. Die Ränge 3, 7, 5 und 6 reichten den Briten zunächst nur zu 23 Punkten und Platz vier im Favoritengerangel um den Einzug ins Finale mit den Top-Drei am Sonntag.

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Einen Platz im Keller vermied zur Halbzeit das Germany SailGP Team, das mit den Rängen 8, 9 und 9 schwach in diesen zweiten Down-Under-Gipfel gestartet war, dann aber im Tagesendspurt mit Rang zwei im vierten Durchgang einigen Boden gutmachen konnte. In Rennen eins sah zunächst alles nach einem guten Start aus, bevor Schwarz-Rot-Gold vom Feld überrollt wurde. Beim Segelschach unter wolkenverhangenem Himmel reichte es nach Aufs und Abs im Kärftemessen der an diesem Tag fünfköpfigen Crews auf den großen Foils im Ziel zu Rang acht.

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Auch im zweiten Lauf kamen Steuermann Erik Kosegarten-Heil und seine Crew nur mit dem Mittelfeld über die Startlinie. Die Teams hatten auf dem Kurs 30-Grad-Dreher zu parieren. Die co-favorisierten Australier und Briten kassierten Penalties. Eine gute Vorstellung lieferte Martine Grael und ihr Team Mubadala Brazil in diesem Rennen. Die einzige Steuerfrau in der SailGP-Flotte musste kurzfristig mit neuem Flügeltrimmer und neuem Strategen antreten, verteigte in Rennen zwei aber sehenswert ihren sechsten Rang trotz harscher Attacken der Briten auf der Zielgeraden. Team Germany musste mit Rang neun zufrieden sein, war es aber nicht.

Gut oder schlecht lagen nahe beeinander

Auch im dritten Lauf des Tages blieb dem deutschen Rennstall trotz vielversprechender Positionierung in der Vorstartphase nur Rang neun. Ein knapper Frühstart und die teure Bestrafung der Schiedrichter, die auch die Bonds Flying Roos und das dänische Team Rockwool Racing traf, machte die Hoffnungen auf ein besseres deutsches Ergebnis zunichte. Der Knoten platzte in Rennen vier, obwohl Schwarz-Rot-Gold einen weiteren Penalty einzustecken hatte und zunächst auf Rang sieben zurückfiel.

Mit gelungener Positionierung auf dem Kurs gelang im weiteren Verlauf des Rennens endlich der Durchbruch nach vorne, während Favoriten wie die Briten von den Foils fielen oder die Australier einen Penalty für das Überfahren der Kursbegrenzung einzustecken hatten. Letztere gewannen das vierte Rennen trotzdem.

“Man konnte heute richtig gut und richtig schlecht aussehen. Ich weiß nicht wo wir am Ende dieses Tages stehen. Wir hatten zwei gute und zwei schlechte Rennen”, zog Australiens dreimaliger SailGP-Rekordmeister Tom Slingsby am Samstagabend in Sydney seine Halbzeitbilanz. Er erinnerte auch an die Frustration der vergangenen Saison, sagte: “Im letzten Jahr haben wir sieben oder acht Male ein Finale erreicht, aber kein Event gewinnen können. Das war ziemlich frustrierend.” Den Bann hatten die Australier mit ihrem Sieg in Auckland bereits gebrochen.

Schmerzhafter Tag: Team Germany “poppt” zu früh

Noch wichtiger aber wäre den Bonds Flying Roos ein Sieg an diesem Wochenende beim Heimspiel. Ob das gelingen kann, muss Tag zwei zeigen, für den ähnlich schwierige Leichtwindbedingungen vorhergesagt sind. Als Tagesbeste ihrer Domänen wurden am Samstagabend Steuermann Nicolai Sehested (Rockwool Denmark), Strategin Julia Gross (Artemis Racing), Flügeltrimmer Iain “Goobs” Jensen (Artemis Racing) bei seinem Comebeck aus der Verletzungspause und der spanische Flight Controller Joel Rodriguez (Los Gallos) gekürt.

Team Germany startet von Position sieben aus mit 16 Punkten auf dem Sydney-Konto und damit nur halb so vielen Zählern wie die spanischen Spitzenreiter am Sonntag in Renntag zwei, konnte aber zum Auftakt Dänen, Brasilianer und Kanadier hinter sich lassen. Zu den Zwischenständen nach den ersten vier Rennen geht es hier.

Es waren schwierige Bedingungen. Wir hatten viele Ups und Downs.” Erik Kosegarten-Heil

Der Punkt, an dem das Germany SailGP Team by Deutsche Bank “viel mehr Punkte hätte machen können”, so Steuermann Erik Kosegarten-Heil, “war der erste Pop auf die Foils. Wir haben es immer ein bisschen zu früh versucht. Wenn man bei dem Versuch scheitert, fährt einer vorbei und man ist ein bisschen in den Abwinden der ganzen Flotte. Das war heute ein bisschen der Punkt, der am meisten geschmerzt hat.”

Unter den Wolken von Sydney: drehig, böig, hektisch

Dazu haben sich laut Fahrer noch “einige Kleinigkeiten” gesellt: Mal sei es am Start schwer gewesen, mal seien die “Comms” ausgefallen. Die Zwischenbilanz von Erik Kosegarten-Heil: “Wir sind nicht ganz zufrieden, aber wir haben mit dem letzten Rennen immer noch dafür gesorgt, dass wir im Spiel bleiben. Morgen geht es weiter.” Zehn Punkte Rückstand müsste Team Germany am Sonntag auf das nach Tag eins auf Platz drei liegende Team Artemis gutmachen, um noch das Finale zu erreichen.

Startegin Anna Barth berichtete von einem “hektischen Tag”. Auf dem Kurs sei es “sehr, sehr drehig, sehr böig” gewesen. Ihre Einschätzung: “Es war auf jeden Fall ein offenes Spiel. Es war nicht so, dass, wenn man einmal vorneweg ist, dann auch weg war. Die Türen blieben offen, wie man bei uns im letzten Rennen gesehen hat. Am wichtigsten war es, auf die Foils zu kommen und auf den Foils zu bleiben, die Böen und Lanes zu erkennen. Dazu kam ein bisschen Wettereinfluss durch die Wolken. Es war nicht so der typische Sydney-Tag, aber wir haben am Ende das Beste draus gemacht. Dadurch haben wir auch die Türen offen, noch einmal anzugreifen.”

“Es ist immer gut, einen Tag auf dem Höhepunkt zu beenden.” Anna Barth

Nicht im Sydney-SailGP-Einsatz sind nach der Schockkollision von Auckland Neuseeländer und Franzosen, deren demolierte Boote noch repariert werden. Frankreichs Steuermann Quentin Delapierre konnte sich aber als SailGP-Beobachter in Sydney darüber freuen, dass sein DS Automobiles Team France beim nächsten Rolex SailGP – der Premiere in Rio de Janeiro am 11. und 12. April – laut Liga-Boss Sir Russell Coutts wieder an den Start gehen kann. Der französische F50-Foiler ist bei Southern Spars in Auckland repariert worden, wird an diesem Wochenende noch frisch lackiert.

SailGP prüft neue Sicherheitsmaßnahmen

Coutts lobte noch einmal die Reaktionen beider an dem Crash beteiligten Teams. Es sei gut zu hören, dass sich beide bei der Kollision verletzte Athleten auf dem Weg der Besserung befinden. Er wisse, dass die Genesung von Louis Sinclair, der nach Beinbrüchen operiert worden war, voranschreite, habe darüber mit dem Landsmann persönlich gesprochen. “Das sind die besten Nachrichten”, sagte Coutts. Frankreichs Strategin Manon Audinet war nach Auskunft von Quentin Delapierre zwei Wochen im Krankenhaus, war aber an diesem Wochenende bereits wieder als Kommentatorin im Einsatz.

Mit Blick auf die stark beschädigten Boote, die verletzten Segler und mögliche Sicherheits-Upgrades sagte Gründer und SailGP-Lenker Coutts: “Es gibt Design-Elemente, die wir implantieren können, um die Boote sicherer zu machen. Da gehen die Ingenieure gerade durch.” Das sei aber ein “komplexerer Vorgang, als sich manche Menschen vorstellen können”, so Coutts, der entsprechende Modifikationen für die Zukunft in Aussicht stellte. Diese Veränderungsmöglichkeiten könnten laut Coutts Modifikationen der Boote, ihrer Kontrollsysteme, dem Schutz der Atleten in Aufprallsituationen oder auch der Bekleidung der Athleten betreffen.

“Ich bin sicher, dass wir da sehr gute Leute involviert haben”, sagte Coutts. Darüber hinaus bekräftigte er nochmals die SailGP-Absicht, die Flotte in der kommenden Saison zu teilen. Mit der Gemometrie und Ausrichtung der Kurse habe die Wettfahrtleitung im Bereich Risiko schon gegengesteuert. Coutts nannte weitere Maßnahmen pro Sicherheit der Athleten, sagte aber auch: “Werden sie alle Risikien wegnehmen? Nein, natürlich nicht. Aber es sind entscheidende Schritte, den Sport sicherer zu machen.”

Beim ZDF ist die Wiederholung von Tag eins mit Kommentaren von Nils Kaben ab mittags hier zu sehen. Zum englischsprachigen Original vom frühen Samstagmorgen geht es hier:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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