Sie waren die Favoriten und haben es geschafft: Team Emirates GBR hat die fünfte Rolex SailGP-Saison gewonnen. Die britische Krönung in Abu Dhabi folgte einer stark bestrittenen Saison. „Die Briten waren vor dem SailGP-Finale einer der Favoriten für mich. Sie sind mit Abstand die beste Saison gesegelt und haben superverdient gewonnen”, sagte nach dem Finale in den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht nur Team Germanys Steuermann Erik Kosegarten-Heil. Hier geht es zu den Endergebnissen der Saisonmeisterschaft.
Tatsächlich krönt der Sieg ein außergewöhnliches Jahr für das von Sir Ben Ainslie an Land geführte Team. Alles hatte mit der Rückkehr des 49er-Olympiasiegers Dylan Fletcher im vergangenen November in Dubai begonnen – und wurde nun vollendet. Die Briten gewannen in dieser fünften SailGP-Saison als einzige Mannschaft drei Events und holten elf Siege in den Fleetraces.
Bei der Siegerparty in Abu Dhabi sagte Fletcher mit einigem Humor: „Es war unglaublich stressig – als würden wir gegen die besten Segler der Welt antreten… Als es dann darauf ankam, hat man gesehen, wie knapp es an der Spitze zugeht. Jeder von uns hätte dieses Finalrennen gewinnen können. Ich bin sehr froh, dass wir es waren.“
Tatsächlich hatte jedes der drei Finalteams seine Zeit im entscheidenden Dreikampf um das Siegerpreisgeld in Höhe von zwei Millionen US-Dollar. Die australischen Bonds Flying Roos um Tom Slingsby eröffneten stark, übernahmen zunächst die Führung. Die jagten ihnen dann die Kiwis ab. Peter Burling gab auch mit verletztem rechtem Zeigefinger und Ersatzruder eine gute Figur ab, als seine Black Foils in Führung gingen.
Einmal kurz ging es zwischen Neuseeländern und Briten hin und her, dann enteilten die Kiwis und hielten eine teilweise sehr souveräne Führung bis zum dritten Gate. Dort entschieden sich die als Dritte eben noch hinterherfahrenden Briten zum Split. Während sich die Kiwis um die linke Marke quälten und die Australier folgten, wählten die Briten die rechte Marke.
Das war ihr Gewinnbringer, den auf ihrer Kursseite fanden Dylan Fletcher und sein Team in der Folge erheblich mehr Druck. Binnen kürzester Zeit hatten sie fast 200 Meter Vorsprung auf Rennabschnitt vier. Danach ließen sie nichts mehr anbrennen. Australier udn Neuseeländer folgten mit einigem Abstand ins Ziel.
Insgesamt hat Team Emirates GBR allein an diesem Wochenende 2,4 Millionen Dollar Preisgeld eingestrichen! Zwei Millionen Dollar für den Sieg im Grand Final und zusätzlich 400.000 Dollar für die meisten Saisonpunkte. Über die gesamte Saison hinweg haben die Briten unglaubliche 4,4 Millionen US-Dollar gewonnen, während die Black Foils 1,76 Millionen und Australien 1,2 Millionen US-Dollar kassierten.
Das Team war brillant.” Sir Ben Ainslie
Der britische Teamchef und CEO Sir Ben Ainslie sagte: „Ich bin so stolz auf das Team, sowohl auf dem Wasser als auch an Land. Es war eine lange Saison mit vielen Höhen und Tiefen, aber mit einem so starken Finish – dem Gewinn der Impact League, dem Gesamtsieg in der Saison und dann dem Sieg im Grand Final – ist das eine enorme Leistung.”
Vor dem großen Finale der drei Saisonbesten war dem dänischen Team Rockwool Racing der erste Event-Sieg vor Red Bull Italy mit Comeback-Steuermann Phil Robertson und den Franzosen gelungen. Die Dänen sind schon die achten Sieger in dieser bislang umkämpftesten aller fünf Saisons der SailGP-Geschichte. Hier geht es zu den Event-Endergebnissen im Mubadala Abu Dhabi Sail Grand Prix.
Der dänische Fahrer Nicolai Sehested sagte: “Wir waren schon oft im Finale und sind so oft knapp gescheitert, dass es gut ist, diesen Druck endlich loszuwerden – er lastete schon eine ganze Weile auf uns. In der Teamzentrale konnte man ihn schon lange spüren. Hoffentlich ist dies ein Neuanfang für uns, bei dem wir unseren Kopf frei bekommen, neu starten und einfach nur Rennen fahren können.”
Liga-Boss Russell Coutts sagte nach seinen Glückwünschen an alle Sieger an diesem Wochenende: „Die Saison 2025 war die bisher spannendste Saison im SailGP, in der sich neue Teams profilieren konnten und etablierte Kräfte wie nie zuvor gefordert wurden. Emirates GBR hat während der gesamten Saison eine der überzeugendsten Leistungen gezeigt – daher ist es nur angemessen, dass sie das Jahr an der Spitze beenden und die Besten der Welt schlagen.“
Das Germany SailGP Team by Deutsche Bank beendete sein erst zweites SailGP-Jahr auf Platz neun der Saisonwertung. In Abu Dhabi lief es für Fahrer Erik Kosegarten-Heil und seine Crew wie ein Spiegelbild der gesamten Saison. Furiosen Erfolgen wie dem Rennsieg zum Auftakt folgten im arabischen Leichtwindrevier Abstürze wie der letzte Platz im zweiten Rennen. Die weiteren Ränge 6, 10, 3 und 12 führten Team Germany in der Event-Wertung auf Platz sieben.
“Wir haben Momente und gute Chancen, uns ganz vorne zu platzieren, aber es ist noch nicht konstant genug. Da liegt der Fokus für die Zukunft. Wir haben eine etwas andere Konfiguration im kommenden Jahr, aber da will ich noch nicht zu viel verraten“, sagte Erik Kosegarten-Heil. Im deutschen Rennstall werden nach dem Karriereende von Jonathan Knottnerus-Meyer noch weitere Crew-Wechsel erwartet.
Team-CEO Tim Krieglstein hatte kurz vor dem Finale schon eine erste Bilanz gezogen. Seine Einschätzung: „Wir blicken auf eine Saison der zwei Gesichter zurück: Niederlage und Auferstehung.” Gemeint hat Krieglstein damit die schwere erste Saisonhälfte, in der das mit zwölf Minuspunkten historisch höchste Liga-Strafmaß sein Team in Folge von Trainingskollisionen in Sydney lange belastet hatte.
Auch gemeint hat Krieglstein das Comeback von Team Germany in der zweiten Saisonhalbzeit. Es begann mit dem ersten Rennsieg bei der umjubelten Heimpremiere in Sassnitz. Höhepunkt war der erste deutsche Event-Sieg auf dem Genfersee. Die Mannschaft plant nach atemlosem Jahr eine zweiwöchige Weihnachtspause, bevor die sechste SailGP-Saison bereits am 17. und 18. Januar im australischen Starkwindrevier von Perth beginnt. Dann werden inklusive des neuen schwedischen Teams Artemis Racing 13 Teams die neue sechste SailGP-Saison eröffnen.