SailGPDie Weltliga wächst, Team Germany auch

Tatjana Pokorny

 · 31.01.2026

Sir Russell Coutts weist dem SailGP den Weg in die Zukunft.
Foto: Kately Mulcahy for SailGP
Sir Russell Coutts ist nicht nur Olympiasieger und fünfmaliger America’s-Cup-Gewinner. Er prägt seinen Sport als SailGP-Dirigent weiter stark. Als Erfinder, Mitgründer und CEO blickte der Neuseeländer jetzt auf die Lage der Weltliga. Dem deutschen Team macht er dabei ein Kompliment. Den Schwarz-Rot-Goldenen sind nach holprigem Saisoneinstieg in neuer Crew-Konstellation jetzt Erfolge an der Investorenfront gelungen.

2018 war Russell Coutts mit Co-Gründer, Förderer und Oracle-Macher Larry Ellison ausgezogen, die Segelwelt mit dem SailGP zu revolutionieren. Inzwischen ist die Weltliga des Segelsports weit gekommen. Aus einst sechs von der Liga betriebenen und bezahlten Teams im Premierenjahr 2019 sind 13 geworden. Tendenz: steigend.

Zwölf Teams bis Mitte Februar selbstfinanziert

Von diesen 13 Teams, zu denen in seiner jetzt dritten Saison auch das Germany SailGP Team zählt, sind laut Coutts inzwischen fast alle selbstfinanziert. “Ich denke, dass wir bis Mitte Februar noch ein Team in Liga-Besitz haben werden. Das ist Neuseeland. Es war also ein unglaublicher Prozess. Und es würde mich nicht wundern, wenn auch das neuseeländische Team in naher Zukunft verkauft wird. Es gibt definitiv Interesse daran.”

Team 14, so Russell Coutts, sei bereits im Anmarsch. “Es ist noch nicht vorgestellt, aber verkauft und bereitet sich auf die Saison 2027 vor. Und dann sind wir dabei, mit den Teams 15 und 16 auf den Markt zu gehen”, gibt der SailGP-Dirigent das anhaltende hohe Wachstumstempo vor. Mit Valencia wurde zudem gerade ein neuer Austragungsort vorgestellt. Die Gastgeberstadt des 32. America’s Cup 2007 wird ihr SailGP-Debüt im Rahmen der europäischen Saisonphase am 5. und 6. September geben.

Die weiteren drei europäischen SailGP-Reviere sind in diesem Jahr wieder Portsmouth (25./26. Juli), zum zweiten Mal nach der Premiere im vergangenen Jahr Sassnitz auf Rügen am 22. und 23. August und Genf als Heimat von Titelsponsor Rolex am 19. und 20. September. Danach geht das Jahr mit einem Doppelschlag in Dubai (21./22. November) und mit dem großen Finale in Abu Dhabi (28./29. November) zu Ende. Hier finden sich alle Events der sechsten SailGP-Saison im Überblick.

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Die SailGP-Zukunft soll Ersatzboote haben

Im ausführlichen Interview sprach Russell Coutts auch über Events mit viel Bruch wie zuletzt beim Perth Oracle Sail Grand Prix, wo mehrere Teams ganz oder teilweise zusehen mussten. Der Coutts-Plan: “Langfristig werden wir ein, möglicherweise auch zwei Ersatzboote bei Events bereithalten, weil es entscheidend für die Crews ist, dass sie racen können.”

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Der 63 Jahre alte Liga-Dirigent erklärte: “Während die Liga wächst, wäre es ein Riesenvorteil, wenn wir das schaffen könnten. Dann würde man das Boot über Nacht mit dem richtigen Branding versehen und ein Team wie die Spanier (Red.: Los Gallos waren in Perth nach Bruch im Training zum Zuschauen gezwungen) könnte wieder segeln.” Coutts weiß: “Das ist es, was wir brauchen.”

Als gar nicht mehr so heimliche Co-Favoriten für die neue Saison bezeichnete Coutts die schwedischen Neueinsteiger vom Team Artemis, die beim Saisonstart mit Steuermann Nathan Outteridge und erlesener Crew als Vierte nur knapp den Einzug ins Finale verpasst hatten.

Die Favoriten für die sechste SailGP-Saison

Coutts sagt: “Der Fakt, dass sie so früh in ihrer Entwicklung so stark in die Saison eingestiegen sind, sollte sie in den Augen der anderen Teams definitiv mit einem dicken Ausrufezeichen versehen. Ich glaube auch, dass die Australier (Red.: mit dem dreimaligen SailGP-Rekordsieger Tom Slingsby am Steuer) dieses Jahr sehr stark sein werden.”

Wir wissen, dass Tom Slingsby das Verlieren hasst. Alle tun das, aber er vielleicht mehr als die meisten. Sie wollen diesen Titel wirklich mit allen Mitteln zurückhaben.” Sir Russell Coutts

Neben den Titelverteidigern vom Team Emirates GBR haben auch Les Bleus den SailGP-CEO zuletzt stark beeindruckt. Die Neuorganisation des französischen Teams mache aus Sicht von Russell Coutts “totalen Sinn”. Weiter sagte er: “Dazu sind die Franzosen (Red.: mit ihrem neuen Titelpartner DS Automobiles) nun auch kommerziell eines der stärksten Teams der Liga. Sie sind ein profitables Team, haben Langzeitpartner. Sie können die Dinge frühzeitig planen und beispielsweise in künftige Athleten investieren. Diese kommerzielle Seite gibt dir einen Vorteil. ”, so Coutts.

Team Germany punktet an der Investoren-Front

Als “profitable” Teams nannte Coutts auch Team Emirates GBR, die Franzosen, die Brasilianer und die Australier. Coutts sieht gewinnbringende Züge an der kommerziellen Front der Teams als “Schlüsselfokus” für die Arbeit Rennställe. Gerade sind auch dem Germany SailGP Team, dem Russell Coutts “großartige Fortschritte” bescheinigt, weitere Erfolge in diesem Bereich gelungen.

Die WirtschatsWoche berichtet aktuell, dass Investor Max Viessmann in den 2023 gegründeten deutschen Rennstall des Telekommunikationsunternehmers Thomas Riedel eingestiegen ist, an dem auch der viermalige Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel sowie Wacken-Festival-Initiator Holger Hübner und mit Ralf Reichert der Gründer der E-Sport-Liga ESL beteiligt sind. Laut WirtschaftsWoche investieren außerdem die internationalen Profi-Sport-Anleger David Blitzer und Joe Tsai in Schwarz-Rot-Gold im SailGP.

Bei seinem Einstieg in den SailGP hatte der Kaufpreis für die deutsche Teamlizenz 20 Millionen Euro betragen. Seitdem haben sich die Preise in Abhängigkeit von Güte, Image, Vermarktbarkeit und den Zukunftschancen der Teams teilweise verdreifacht. Russell Coutts sieht diese Entwicklungen nicht nur als Meilensteine für den professionellen Segelsport, sondern auch als Zukunftschancen für kommende Generationen.

Der SailGP als Berufsheimat für kommende Generationen

Coutts sagte: “​In der Vergangenheit haben junge Segler vielleicht gehofft, dass irgendjemand ein Team gründet. Jetzt haben sie andere Chancen, andere Ziele, die sie sich setzen können. Sogar der Gewinn einer olympischen Goldmedaille für Dein Land macht Dich nicht automatisch zu einem Segelprofi. Wenn wir also die Anzahl der Teams erhöhen – Ihr wisst, dass wir beabsichtigen bis zu 20 aufzubauen – wird das diesen jungen Athleten, wenn sie gut genug sind, viele gute Chancen mehr geben, aufs Boot zu kommen.”

Im Hier und Jetzt des SailGP scheute sich Russell Coutts auch nicht, seinen Siegertipp für den Kampf um die Meisterschaft in Saison sechs zu verkünden. Auf die Frage dazu sagte der Neuseeländer ohne große Denkpause: “Bonds Flying Roos.”

Mit dem Boss im Gespräch – Sir Russell Coutts zur Lage der Liga:

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