Das Germany SailGP Team hat das Saisonfinale in Abu Dhabi an diesem Samstag mit einem Rennsieg fulminant und überzeugend eröffnet. Am Ende von vier Rennen stand aber nach einigen Rückschlägen im flauen Non-Foiling-Gefecht zunächst Platz sieben. In den stark umstrittenen und von diversen Frühstarts und Penalties geprägten Rennen hat das deutsche Team auf der einen Seite mit der “schnellsten” Geschwindigkeit geglänzt, auf der anderen Seite aber auch mit 44 die höchste Zahl an Manövern vor der Schweiz (41 Manöver) und Großbritannien (40) gefahren.
Mit nur 35 Manövern kam Team Red Bull Italy am wenigsten bewegt über den Kurs. Bei den Azzurri zelebrierte der Neuseeländer Phil Robertson seine Rückkehr am Steuer eines SailGP-Teams nach einjähriger Pause mit Platz drei nach vier Rennen vielversprechend. Die Italiener kamen aber mit 28,2 km/h nur auf den fünftschnellsten “Top-Speed”.
Die höchste Geschwindigkeit an diesem Tag des Zeitlupensegelns erreichte Team Germany mit gerade einmal 31,1 km/h. Über diese “Spitzengeschwindigkeit” musste auch Erik Kosegarten-Heil nach dem Wettkriechen der F50er lachen, die nur hin und wieder einmal einen Rumpf aus dem Wasser bekamen. Mit etwas mehr als einem Prozent Foiling-Anteil war Team Germany an diesem Samstag schon Spitze!
Was die gesammelten Leistungen der zwölf Teams auf dem kurzen und engen Kurs von Abu Dhabi wert waren, zeigte zwar das bei der Live-Übertragung eingeblendete Zwischenklassement nach vier Rennen zunächst falsch. Doch waren die richtigen Resultate und Platzierungen schnell online zu finden. Nach vier der Fleetraces bis zum großen Saisonfinale lag am Sanstagnachmittag in Abu Dhabi Team Rockwool Racing (37 Punkte) mit Steuermann Nicolai Sehested vorne.
Die Bilanz der Dänen war dabei mit den Rängen 3, 1, 1 und 2 fast makellos. Auch auf den Plätzen zwei und drei haben sich am ersten der beiden Renntage beim Mubadala Abu Dhabi Sail Grand Prix nicht die Saisonbesten, sondern mit der Schweiz (5, 7, 2, 1; 29 Punkte) und Brasilien (4, 8, 7, 3; 22 Punkte) zwei aufstrebende Teams platzieren können.
Weil die Ergebnisse auf dem Leichtwind-Parcours bei fast allen Teams durcheinanderwürfelten, lag das Germany SailGP-Team (16 Punkte) nach seinem eindrucksvollen Auftaktsieg und den Rängen 12, 6 und 10 zunächst punktgleich hinter dem kanadischen Team NorthStar auf Platz sieben. Ungewöhnlich schwach dagegen agierten die spanischen Titelverteidiger, die in Abu Dhabi eigentlich ihre Last-Minute-Chance auf den Einzug ins Saisonfinale nutzen wollten. Doch es kam anders.
Los Gallos sind nach vier Rennen in Abu Dhabi Letzte, liegen einen Platz hinter den ebenfalls stolpernden australischen Rivalen und Doppel-Frühstartern um Fahrer Tom Slingsby. Weil dessen Bonds Flying Roos als Dritte in der Saisonwertung vier Punkte Vorsprung vor den Spaniern haben, würde es ihnen zum Einzug ins Zwei-Millionen-Dollar-Finale der besten drei Saison-Teams auch bei dünner Leistung in Abu Dhabi reichen, die Spanier hinter sich zu lassen – egal, auf welchem Platz. Hier geht es zu den Event-Zwischenständen beim Mubadala Abu Dhabi Sail Grand Prix
Für das deutsche SailGP-Segelteam zog in Abu Dhabi am Samstag Erik Kosegarten-Heil eine Zwischenbilanz, sagte im Interview mit dem ZDF: “Es hat sich heute intensiv angefühlt. Natürlich sind Foiling-Bedingungen das, was Spaß macht. Aber es war trotzdem ein cooles taktisches Spiel. Man ist echt überrascht, wie viel Anspannung hier in den Rennen so mitschwingt, obwohl wir in Zeitluper über den Kurs dümpeln.”
Zur durchwachsenen Leistung seines Teams, das wie alle anderen Crews mit der Drei-Personen-Minimalbesetzung (”3 POB”) im Einsatz war, sagte der zweimalige Olympia-Dritte: “Wir hatten einen guten ersten Start und dann im zweiten und dritten Rennen immer mal hier und da ein paar Fehler. Ich glaube, wenn wir gut in die Analyse gehen, dann kommen wir morgen mit ein paar Learnings raus.”
Die Fleetraces mit allen zwölf SailGP-Teams werden am Sonntag bis zum großen Finale der Saisonbesten fortgesetzt. Ein eigenes Event-Finale der besten drei Teams in Abu Dhabi gibt es nicht. Die Event-Platzierungen für die zwölfte und letzte Regatta der fünften SailGP-Saison werden ausschließlich anhand der Fleetrace-Leistungen ermittelt. Warum das Segeln im bekannten Leichtwindrevier von Abu Dhabi trotz Einsatz der neuen 27,5-Meter-Wings und der T-Foils so schwer ist, erklärte Team Germany Grinder Linov Scheel: “In diesem sehr, sehr leichten Wind sorgen diese Riesensegel natürlich für enorme Windverwirbelungen.”
Man kann sich das so vorstellen, als wenn man hinter einen riesengroßen Hochhaus steht und da ist erstmal gar kein Wind.” Linov Scheel
Wer schon am Start ein zwei Sekunden zu langsam, zu träge in diesen Bedingungen sei und in diesen Kegel des Windschattens heinkomme, der habe verloren. So war es für Team Germany im zweiten Rennen, an dessen Ende der zwölfte und letzte Rang in der Flotte stand. Eine Sekunde weiter vorne oder hinten, so Linov Scheel, könne schon diesen Unterschied verursachen.
Dazu passte die Aussage des Halbzeit-Spitzenreiters Nicolai Sehested, der sagte: “Wir nehmen hohe Risiken beim Start und hoffen, dass sich das auszahlt.” Am ersten der beiden Renntage in Abu Dhabi hat sich diese Strategie für die Dänen sehr gelohnt. Der zweite Renntag beginnt am Sonntag wieder um 11 Uhr. Das ZDF wird die Rennen hier ab kurz vor 11 Uhr live übertragen. Kommentatorin ist Kristin Recke.