SailGPDie alten sind die neuen Meister, Dämpfer für Team Germany

Tatjana Pokorny

 · 18.01.2026

Der australische Lokalmatador Luke Parkinson darf im britischen Siegerteam als erster das Gewinnersteuer in den Event-Farben Grün-Gelb in den Himmel recken – eine schöne Geste des Teams.
Foto: Andrew Baker for SailGP
So hatte sich Team Germany den SailGP-Saisonauftakt nach der starken Schlusshalbzeit im vergangenen Jahr nicht vorgestellt: Beim Powerplay im Starkwindrevier vor Perth und Fremantle kam Schwarz-Rot-Gold nicht in Fahrt, hatte in neuer Crew-Konstellation zu kämpfen. Stattdessen rauschten die amtierenden Meister auf ihrer Erfolgswelle zum ersten Sieg.

Nicht jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Während die amtierenden britischen SailGP-Meister das erste Event der neuen Saison nach etwas stotterigem Auftakt noch zur ihrer Gala machten, hatten andere Teams zu kämpfen. Darunter war auch das Germany SailGP Team, dass sich beim Bändigen des zum Rennwochenende etwas beruhigteren, aber immer noch druckvollen Fremantle Doctor in neuer Crew-Konstellation noch schwer tat.

Die F50-Foiler erreichten am zweiten Renntag mit sechsköpfigen Crews und dem 18 Meter hohen Wing Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 95 km/h, segelten damit in der Nähe des SailGP-Speedrekords, den das dänische Team Rockwool Racing im vergangenen Sommer vor Sassnitz mit 103,93 km/h aufgestellt hatte.

Meisterliche Briten gewinnen SailGP-Saisonauftakt

​49er-Olympiasieger Dylan Fletcher, 470er-Doppel-Olympiasiegerin Hannah Mills, Stuart Bithell, Luke Parkinson, Neil Hunter und Nick Hutton nutzten diese Bedingungen für Team Emirates GBR, sicherten sich den Sieg beim ersten Event in Saison sechs. In Australien verwiesen sie Tom Slingsbys Heimteam Bonds Flying Roos und DS Automobiles France im Dreier-Finale auf die Plätze zwei und drei. Den Showdown dominierten die Briten, nachdem sie an Tag eins mit den Fleetrace-Ergebnisse 5, 3, 7 und 5 noch einige Federn gelassen hatten.

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An Tag zwei dann lief es für Fletcher und Co. mit zwei von drei Rennsiegen in den letzten Fleetraces fast perfekt. Im Finale ließen die Briten mit so überzeugender wie präziser Entschlossenheit weder Australiern noch Les Bleus eine Chance. “Es fühlt sich an wie auf Wolke sieben”, sagte Dylan Fletcher direkt nach der Entscheidung. Und weiter: “Wir hatten gestern einen enttäuschenden Tag und nicht die Ergebnisse, die wir wollten. Also sind wir heute da rausgegangen und losgefeuert.” Hier geht es zu den Endergebnissen für den Oracle Perth Sail Grand Prix.

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Der Tag heute war einfach sensationell. Fremantle und Perth haben gezeigt, wofür sie gemacht sind.” Dylan Fletcher

Bis zum Finale beim Oracle Perth Sail grand Prix hatte eine Serie von Crashes, Bruch, Ausfällen und Verletzungen Teams und Liga in Atem gehalten. Da waren auf der australischen Buckelpiste im stürmischen Fremantle Doctor zuerst die Spanier mit irreparablem Bruch ausgeschieden, konnten erst gar nicht zum ersehnten Saisonauftakt antreten. Dazu kamen Verletzungen.

SailGP-Action: Bruch, Ausfälle, Verletzungen

Im Gesicht von Chris Draper vom schwedischen Team Artemis Racing mussten im Krankenhaus Schnitte genäht werden. Der erfahrene Flügeltrimmer war im Training bei einem Manöver von enormen G-Kräften mit dem Gesicht voran aufs Trampolin zwischen den Rümpfen katapultiert worden. Bei den Bonds Flying Roos musste Top-Flügeltrimmer Iain Jensen nach einer Knieverletzung ersetzt werden. Spontan kam Foiling-Legende Glenn Ashby in die Mannschaft.

Der olympische Silbermedaillengewinner, America’s-Cup-Sieger und Meister viele schneller Klassen leistete aus dem Stand starke Dienste. „Er hat in diesen Bedingungen einen so guten Job gemacht! Heute hatten auch Leute mit fünf, sechs Jahren Erfahrung stark zu kämpfen. Er hatte nur zwei Tage. So etwas kann nur ein Glenn Ashby. Wir sind sehr glücklich mit Platz zwei“, zollte SailGP-Rekordsieger und Fahrer Tom Slingsby dem prominenten Ersatzmann viel Respekt.

Slingsby räumte aber auch ein, dass es etwas “schmerzhaft” gewesen sei, sich von den Briten im Heimatrevier schlagen lassen zu müssen. Dennoch sah er Platz zwei unter den gegebenen Umständen als starke Team-Leistung und erzählte: “Ich hatte meiner Frau am Donnerstagabend nach der Verletzung von Goobs (Red.: Iain Jensen) gesagt, dass wir uns glücklich schätzen können, wenn wir hier mit einer Top-Sechs-Platzierung davonkommen. Ich denke, dass wir mit Platz zwei überglücklich sein müssen.”

Ein Crash und seine Folgen: Kiwi-Aus und Schweizer Comeback

Die Bruchserie ging im Revier von Perth und Fremantle nach dem ersten Startschuss am Samstag weiter: Am ersten Renntag traf es Neuseeländer und Schweizer. Bei ihrem Crash trug der Kiwi-Rennkatamaran so starke Schäden davon, dass er nicht mehr einsetzbar war. Inzwischen aber sind die Black Foils zuversichtlich, zum eigenen Heimspiel in Auckland Mitte Februar mit Top-Boot aufkreuzen zu können.

Sébastian Schneiters Schweizern gelang nach der Kollision mit den Kiwis eine Blitzreparatur und immerhin das Comeback zu Tag zwei. Doch nach dem verpassten ersten Renntag blieb den Eidgenossen im Schlussklassement bei nur einem bestrittenen Renntag nicht mehr als Platz elf. Hui an Tag eins, ein paar Stolperer an Tag zwei: Das neue schwedische Team Artemis Racing mit Steuermann Nathan Outteridge und erlesener Crew beeindruckte die Flotte bei seinem Premierenevent erwartungsgemäß, auch wenn noch nicht alles glatt lief.

Mit Platz vier nach den sieben Fleetraces verpasste Artemis Racing das erste Finale beim ersten Event nur knapp, zeigte aber, dass es auch als Neueinsteiger zurecht zu den Favoriten für die neue SailGP-Saison gezählt wird. Nathan Outteridge sagte: “Der Tag heute tat ein bisschen weh. Vor allem hatten wir einen fürchterlichen letzten Start mit einigen vermeidbaren Fehlern. Ich denke, da ist hier und da einfach noch ein bisschen Rost.”

Schwerer Start für das Germany SailGP Team

Holprig stieg auch das Germany SailGP Team in Saison sechs ein. Ganz unerwartet kam das nach dem Wechsel von Flügeltrimmer Stu Bithell vom deutschen ins britische Team nicht. Während der Ex-Teamgefährte nach seinem Abgang an diesem Sonntag fröhlich mit den Briten siegte und im Meister-Team unter hohem Leistungsdruck nicht nur laut Strategin Hannah Mill “einen phänomenalen Job” ablieferte, segelte die Crew um Erik Kosegarten-Heil und den neuen Flügeltrimmer Kevin Peponnet (Frankreich) noch auf Formsuche.

Wir hatten auf ein besseres Ergebnis hier gehofft.“ Erik Kosegarten-Heil

Schwache Starts und eine Reihe von Positionsverlusten während der Rennen ließen den deutschen Rennstall beim Saisonstart nicht über Platz neun hinauskommen. „Es war fordernd für uns in neuer Konstellation“, wusste Erik Kosegarten-Heil. Mit den Rängen 10, 7, 5, 9, 8, 9 und 8 segelte Team Germany den eigenen Hoffnungen auf eine Top-Sechs-Platzierung bis zum Saisonende beim australischen Auftakt zunächst hinterher.

Für diesen Dämpfer zum Saisonstart sieht der 36 Jahre alte Fahrer mehr als eine Ursache. Das Boot habe sich an Tag eins „merkwürdig“ angefühlt. Erik Kosegarten-Heil sagte: „Wir haben nicht wirklich den Speed gefunden und waren auch in den Manövern nicht wirklich happy.“ Beide Renntage seien „ein bisschen frustrierend“ gewesen, die Saison aber noch lang, so der Mitgründer des Germany SailGP Teams. Sein Team freue sich darauf, mit den nächsten Schritten wieder weiter nach vorne zu rücken.

Die Auckland-Fortsetzung folgt am Valentinstag

Die sechste SailGP-Saison wird mit insgesamt 13 Teams und 13 Events am 14./15. Februar in Auckland fortgesetzt. Hier geht es zum Saison-Guide. Am 22./23. August gastiert die Segel-Formel 1 zum zweiten Mal in Sassnitz. Die insgesamt mit 12,8 Millionen US-Dollar dotierte Saison endet am 28./29. Oktober in Abu Dhabi.

Entschlossene Briten rasen zum Event-Sieg in Down Under – die Live-Übertragung im Replay:

Und das sagten die Steuerleute nach dem Finale:

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