Das Germany SailGP Team war nach nur zehneinhalb Trainingstagen auf dem Wasser und im Simulator mit bescheidenen Zielen in seine SailGP-Premiere gestartet. Sicher werden, Manöverabläufe optimieren, anständig über den Kurs kommen – das war für den Auftakt der Plan von Steuermann Erik Heil und seiner Crew mit Strategin Kahena Kunze, Wing-Trimmer Stuart Bithell, Flight Controler James Wierzbowski und den Grindern Joe Sullivan und Dann Morris.
Unsere Starts hatten zum Auftakt nicht die höchste Priorität” (Erik Heil)
Im Konzert der Segelsupermächte gelang dem deutschen Team einiges schon sehr gut, anderes ist – das entspricht der eigenen Erwartungshaltung – ausbaufähig. “Unsere Starts waren noch sehr zurückhaltend und konservativ. Das war zum Auftakt nicht die höchste Priorität”, berichtete Erik Heil aus Chicago.
In allen drei Rennen war der Crew auf dem deutschen F50 anzumerken, dass sie Neueinsteiger ist und erstmals Rennen in der führenden Profiliga bestreitet. Dennoch hinterließ das Germany SailGP Team den guten Eindruck, sich nicht verstecken zu müssen. Im ersten Lauf lag die Mannschaft lange in den Top Fünf, zeitweise sogar auf Rang vier. Da waren nicht nur die SailGP-Kommentatoren beeindruckt vom neuen deutschen Team. Dass es im Ziel nur der achte Platz wurde, lag daran, dass die Schlussphase misslang.
“Da war am Ende auch ein bisschen Aufregung dabei”, räumt Erik Heil freimütig ein. Zudem war der Bord-Bildschirm ausgefallen. “Da wussten wir nicht mehr, auf welcher Einstellung wir sind. Da mussten wir freestylen (lacht) und sind auf der letzten Kreuz langsam geworden und haben viel verloren. Das war ein bisschen unangenehm, weil die anderen so aufholen konnten. Auch unser Manöver kam zu spät. Da ging es an Bord erst einmal darum, den Kommunikationsfluss aufrechtzuerhalten und nicht noch was reinzupressen.”
Auch im zweiten Rennen sorgte ein Fehler für Verluste: Auf dem fünften Kursabschnitt fiel das Germany SailGP Team in vielversprechender Position von den Foils und musste viele Konkurrenten passieren lasen. “Normalerweise ist das eine Flight-Controler-Angelegenheit, aber ich möchte keinesfalls ausschließen, dass ich daran Beteiligung hatte”, sagte Erik Heil.
Ich war froh, dass wir mit nur einem Absturz durch die Rennen gekommen sind” (Erik Heil)
Der zweimalige olympische Bronzemedaillengewinner im 49er erklärt, dass der kurze Rennkurs auf dem Michigansee seine Tücken hat: “Unten, wenn man am Rennkurs reinkommt, kommt viel Schwell rein. Und wenn der Schwell da ist, hast du auf einmal einen Meter Welle. Und der Meter am Foil, der ist eine Welt. Wenn du relativ hoch fliegst – und du hast nur noch 20 Zentimeter vom Foil übrig – und dann halst du in einem Bereich, wo es wellig ist, dann musst du viel tiefer fliegen. Ich glaube, da waren wir einfach zu weit oben für die Welle, die da kam. Ich hatte erwartet, dass solche Dinger passieren. Ich war nur froh, dass wir da mit nur einem Absturz durch die Rennen gekommen sind, weil es echten Schmerz bedeutet, wenn man nach der Vollbremsung wieder losfahren muss.”
Im zweiten Rennen hat sich das deutsche Team schon vor dem Start bei der knappen Überschreitung der Kursgrenze einen Penalty eingefangen. “Ich hatte gedacht, dass wir es schaffen, habe aber nicht präzise genug auf den Screen geachtet. Also habe ich gedreht und dachte, wir sind wahrscheinlich noch drin.” In Rennen drei konnte das deutsche Team nach Rang acht im zweiten Durchgang gegen Ende mit guten Geschwindigkeiten sogar noch auf Platz sieben vorrücken.
Wir haben das gute Gefühl, dass wir eine Chance auf einen Platz in den Top Fünf haben” (Erik Heil)
“Wir sind nach diesem ersten Tag glücklich, dass es so gut losgegangen ist. Wir haben uns nicht blamiert, sind heil über den Kurs gekommen und nicht 300 Meter hinterhergefahren. Am Ende haben wir sogar aufgeholt, das fand ich am besten. Das war der wichtigste Schritt, der uns bei den ersten Rennen gelungen ist. Es war cool, es war viel los da draußen, und wir haben das gute Gefühl, dass wir eine Chance auf einen Platz unter den ersten Fünf haben, was sehr gut ist.”
Für den zweiten Renntag rechnet Erik Heil beim Saisonauftakt vor Chicago mit leichteren Winden. “Ich denke, wir werden mit den großen Flügeln segeln, und es wird human auf dem Kurs zugehen.”
Tom Slingsby und sein Australia SailGP Team machten indessen dort weiter, wo sie beim dritten Saisonsieg in Folge in San Francisco aufgehört hatten: Mit zwei Tagessiegen und einem fünften Rang setzten sich die Grün-Gelben nach dem ersten der beiden Renntage beim Rolex United States Sail Grand Prix in Chicago direkt wieder an die Spitze des Klassements. Es folgen nach drei Rennen die Teams aus Neuseeland und Kanada.
SailGP-Dominator Tom Slingsby reagierte entsprechend bestlaunig: “Wir hatten einen großartigen Tag. Wir sind wirklich gut gesegelt, es war wunderschön heute. Der Wind wehte perfekt in einer Linie mit dem Ufer. Es ist eine spannende Startlinie, bei der man sich entscheiden muss, ob man von innen oder außen startet. Mir hat die Rennstrecke gefallen.”
Auch America’s-Cup-Verteidiger Peter Burling war mit dem Saisonauftakt seines Teams sehr zufrieden. Burling sagte: “Es war ein großartiger Tag da draußen – wirklich erfreulich für uns als Team. Wir sind das Boot auf einem anspruchsvollen Kurs konstant gesegelt, haben ein paar Dinge ausprobiert, und ich denke, das hat sich in den Ergebnissen ausgezahlt.”
Für Jimmy Spithill und das United States SailGP Team war es mit Platz neun in der Abrechnung nach drei Rennen eher ein Tag zum Vergessen. Spithill war enttäuscht, dass er den heimischen Fans nicht mehr von seinem Team zeigen konnte, und sagte: “Die Bedingungen waren großartig, die Strecke hat Spaß gemacht, und es war schön, die vielen Zuschauer zu sehen. Für uns war es ein wirklich schwieriger Tag , frustrierend. Aber so ist der Sport. Man muss einfach immer wieder zurückkommen: Wir müssen die Lehren daraus ziehen, rausgehen und versuchen, ein paar gute Ergebnisse zu erzielen.”

Freie Reporterin Sport