SailGPCrash-Wochenende mit Folgen, Team Germany steigert sich

Tatjana Pokorny

 · 15.02.2026

Spaniens Los Gallos jagen Australiens Bonds Flying Roos vor den XL-Tribünen in Auckland.
Foto: Simon Bruty for SailGP
Dieser Auckland-SailGP wird lange in den Köpfen von Athleten, Teams und Fans bleiben. Das Drama entfaltete sich über zwei Renntage in drei Akten: Dem katastrophalen Crash an Tag eins folgten der historisch erste Split der Flotte an Tag zwei und ein furioser Sieglauf der australischen All-Time-Champions in der neuseeländischen Segelhochburg Auckland. Team Germany zeigte am Sonntag starke Starts.

Der SailGP-Gipfel in Auckland blieb bis zum Schluss überschattet von der schweren Kollision zwischen Neuseelands Black Foils und dem DS Automobiles Team France. Zwei verletzte Athleten im Krankenhaus, zwei stark demolierte F50-Foiler und erschütterte Segler wie Fans zeigten an diesem Wochenende das Gefahrenpotenzial der führenden Weltliga des Segelsports.

Wie in der Formel 1: ein “Halo-System” für den SailGP?

Es ist nicht neu, dass der SailGP als Formel 1 des Segelsports Risiken birgt. Und trotzdem bewegt der Crash zwischen Neuseelands Black Foils und dem DS Automobiles Team France die Gemüter weit über den Unfalltag hinaus. Die katastrophale Kollision wirft Fragen und Überlegungen auf, wie die Athleten künftig noch besser zu schützen sein könnten.

Beobachter brachten beispielsweise die Einführung einer Art “Halo-System” wie in der Formel 1 ins Spiel. Im Automobilrennsport schützt seit 2018 eine Titanstruktur über dem Cockpit die Fahrer vor umherfliegenden Trümmerteilen oder gegnerischen Autos. Das weniger als zehn Kilo schwere System hält auch extremen Belastungen stand.

Beim Unfall im Waitematā Harbour Dabei war der Rennkatamaran der Kiwis bei knapp 90 km/h in einer starken Böe bei zusätzlicher Beschleunigung außer Kontrolle geraten und um 90 Grad nach rechts ausgebrochen. Die von hinten mit ähnlich hoher Geschwindigkeit heranrauschenden Franzosen hatten keine Ausweichchance.

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Zwei verletzte SailGP-Athleten im Krankenhaus

Fahrer Quentin Delapierre hatte mit einer Blitzreaktion womöglich noch Schlimmeres verhindert, doch der französische Backbordrumpf stieß übers Deck des Kiwi-Katamarans, ihr Foil crashte den schwarz-blauen Rumpf der Neuseeländer. Zwei Athleten wurden dabei verletzt: Die französische Strategin Manon Audinet wurde in ihrem Cockpit nach vorne geschleudert. Dabei zerbrach das Steuerrad.

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Die auch im Women’s America’s Cup 2024 aktive und erfahrene französische Seglerin wurde wie der stark verletzte neuseeländische Grinder Louis Sinclair umgehend ins Krankenhaus gebracht. Manon Audinet wurde insbesondere auf Verletzungen im Rumpfbereich untersucht. Sinclair ist nach schweren Knochenbrüchen inzwischen am Bein operiert worden.

Das war eine schwere Kollision, die schwerste, die wir im SailGP erlebt haben.“ Quentin Delapierre

Die Jury bestrafte die Black Foils als Kollisionsverursacher mit acht Minuspunkten fürs Event, doch diese Strafe erschien angesichts der dramatischen Ereignisse fast nebensächlich. Beide beteiligten Boote wurden so stark beschädigt, dass ihr weiterer Einsatz unmöglich war. Delapierre sagte: „Ich hoffe, dass wir Lösungen finden, damit wir das nie wieder erleben müssen.“

Pro Sicherheit auf dem Kurs: SailGP-Flotte am Sonntag geteilt

Das neuseeländische Boot „Amokura“ wirkte mit abgebrochenem Rumpf und zerstörter Struktur zunächst wie ein Totalschaden. Auch der französische F50-Foiler musste mit Bruch und strukturellen Schäden in den Hafen geschleppt werden. In beiden Fällen erschienen die Starts beim dritten Saison-Event am 28. Februar und 1. März in Sydney zunächst unmöglich. Eine Prognose dazu, wann die Unfall-Teams wieder einsatzbereit sein könnten, gab es noch nicht.

In Auckland machten nach der Kollision elf Teams an diesem Sonntag den Kampf um den Finaleinzug und wertvolle Punkte für die Saisonwertung unter sich aus. Dabei konnte sich das Team um Steuermann Erik-Kosegarten-Heil nach schwachen Starts am Vortag mit den Rängen drei und zwei steigern.

Die geteilte Flotte war gut und richtig an diesem Tag. Man kann bei weniger Booten am Start auch seinen Plan besser durchziehen.“ Erik Kosegarten-Heil

Gleichzeitig sagte Kosegarten-Heil aber auch: “Das Segeln in der großen Flotte gefällt mir im Prinzip besser, weil es mehr Chancen bietet.” Ein noch besseres Ergebnis als Platz sechs in Auckland verpassten Schwarz-Rot-Gold nach herausragendem Start in Rennen drei am Sonntag durch eine Beinahe-Kenterung. Doch die Crew konnte das Boot wieder einfangen.

Team NorthStar rauscht knapp am SailGP-Speedrekord vorbei

Erik Kosegarten-Heil hielt nach den Rängen 3 und 2 am “Super-Sonntag” fest: „Es war nicht das beste Wochenende mit Blick auf die Fortschritte, die wir machen wollen. Aber wir haben Fortschritte gemacht. Das ist positiv.“ Im selben dritten Sonntagsrennen verpassten Steuermann und Doppel-Olympiasieger Giles Scott und Kanadas Team NorthStar bei mehr als 102 km/h nur knapp den SailGP-Speedrekord, den das dänsche Team Rockwool Racing bei der SailGP-Premiere in Sassnitz im Sommer 2025 mit 103,93 km/h aufgestellt hatte.

Rund 20.000 Zuschauer verfolgten die Rennen an diesem Wochenende im Waitematā Harbour, ließen sich auch von knackigen und drehenden Winden, Böen bis 33 Knoten und Regen am Sonntag kaum von ihrer Lust auf Segelrennsport abhalten. Als unmittelbare Reaktion auf die Kollision teilte die Liga dann am Finaltag zum ersten Mal in ihrer Geschichte das auf elf Boote reduzierte Feld in zwei Gruppen ein.

Das Finale machten die SailGP-Champions schließlich unter sich aus: Die dreimaligen Rekordsieger der australischen Bonds Flying Roos trafen auf die amtierenden Meister vom Team Emirates GBR und mit Los Gallos auf die spanischen Saisonsieger von 2024. Die Führung wechselte nach herausragendem Start der Spanier um 49er-Olympiasieger Diego Botin mehrfach. Am Ende setzten sich die australischen Starkwind-Lover zum zweiten Mal in Folge in Neuseelands Segelhochburg Auckland vor Briten und Spaniern durch. Hier geht es zu den Ergebnissen vom ITM New Zealand Sail Grand Prix.

Team Germany rückt in der Saisonmeisterschaft vor

In der Saisonmeisterschaft liegen nun Australier und Briten bei jeweils 19 Punkten gleichauf vor den Franzosen, die trotz Unfall-Aus bei ihrer Führung in Auckland mit 15 Punkten nach zwei von 13 Events dieser sechsten SailGP-Saison Dritte sind. Das Germany SailGP Team rückte im Rolex SailGP mit sieben Punkten auf Platz sieben vor. Alle Rennen und die wichtigsten Ereignisse vom SailGP-Wochenende in Auckland sind beim ZDF in der Wiederholung hier zu sehen.

“Das war super beängstigend” – was die Fahrer nach dem SailGP in Auckland sagten:

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