OlympiaAnna und Emma – doppelter Einsatz in Down Under

Tatjana Pokorny

 · 04.02.2026

Anna Barth (r.) und Emma Kohlhoff bei Oracle Perth Sail Grand Prix.
Foto: Anna Barth/Germany SailGP Team
​Auch kreativ muss man sein, wenn man ehrgeizige Ziele im Segelsport verfolgt: Die 49erFX-Seglerinnen Anna Barth und Emma Kohlhoff trainieren dank Crowd-Funding und privater Unterstützung gerade mit der australischen Nationalmannschaft in Sydney. Das Zeitfenster zwischen Barths Einsatz bei den SailGP-Events in Fremantle und Auckland nutzten die deutsche Strategin und ihre Vorschoterin für ihr Olympia-Ziel optimal.

Anna Barth und Emma Kohlhoff geben Vollgas im Segelsport. Ob im SailGP als Strategin und Neuteammitglied oder als gut eingespielte 49erFX-Crew im olympischen Skiff: Die beiden jungen Seglerinnen vom Kieler Yacht-Club hängen sich rein für ihre Karriere und die olympischen Ziele.

Barth und Kohlhoff: Olympia in LA28 im Visier

Die 21-jährige Steuerfrau Anna Barth ist seit dem Einstieg von Team Germany in den SailGP 2023 als Profi im Einsatz. Als Strategin kämpft sie in der rasanten Weltliga an der Seite von Steuermann Erik Kosegarten-Heil um den Aufstieg für Schwarz-Rot-Gold, inzwischen in der gerade begonnenen dritten Saison des deutschen Rennstalls. Ihre erst 19 Jahre alte Vorschoterin Emma Kohlhoff, Schwester des olympischen Nacra-17-Bronzemedaillengewinners Paul Kohlhoff, geht noch zur Schule. Zusammen sind Anna und Emma Perspektivkader-Nationalseglerinnen im German Sailing Team und haben die Olympischen Spiele in LA28 im Visier.

Aktuell nutzen sie in Sydney das vierwöchige Zeitfenster zwischen dem SailGP-Saisonauftakt in Fremantle Mitte Januar und dem am 14./15. Februar folgenden zweiten SailGP-Saisonevent in Auckland für ihre Horizonterweiterung im olympischen 49erFX. Die beiden Perspektivkaderseglerinnen des German Sailing Teams haben die Chance zum Training mit der australischen Nationamannschaft ergriffen. Dafür hatten sie finanzielle Unterstützung mit Hilfe eines Crowd-Fundings eingeworben.

Schon Ende Januar waren die jungen Frauen nach dem SailGP-Powerplay im Fremantle Doctor in Sydney angekommen. Emma Kohlhoff ist als Nachwuchstalent ebenfalls Mitglied im Germany SailGP Team. In der Olympia-Metropole der Jahrtausendwende warteten nach der Landung drei Wochen Intensiv-Training mit Australiens besten Skiff-Seglerinnen, die aktuell noch laufen. Schon nach dem ersten Tag wusste Emma Kohlhoff: „Die Bedingungen hier sind anspruchsvoll, aber sehr geil.“

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Mit Haien und Leistungshunger: “richtig gutes Training” im australischen Schwell

Anna Barth berichtete zwei Tage später: „Wir hatten ein paar tolle Tage mit Seebrise und konnten gut an unserem Boathandling arbeiten. Sobald wir aus dem Hafen rausfahren, ist da viel Schwell. Solche Wellen haben wir zuhause nicht. Das ist richtig gutes Training. Diese Woche gab es außergewöhnlich viele Hai-Attacken rund um Sydney. Wir haben bisher keinen gesehen und sind mit unserem 49er sehr sicher - unser Boot ist das größere Tier:“

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Schon nach einer Woche wussten die Seglerinnen, dass sich ihre Anstrengungen im Kampf um das exklusive Training gelohnt haben. Da berichtete Anna Barth von einer „sehr guten Trainingswoche mit unterschiedlichen Windbedingungen, guten Einheiten und Auswertungen und vielen Learnings“. „Außerdem haben wir auf dem Wasser heute tatsächlich einen Hai gesehen, aber der hat uns im Ganzen gelassen.“

In Down Under können die U21-Weltmeisterinnen von 2024 aktuell auch tun, was zuhause oft nur eingeschränkt möglich ist: Weil Emma noch zur Schule geht, sind nur selten volle Trainingstage möglich. Im australischen Trainingscamp aber sind lange Tage auf dem Wasser plus ausführliche Briefings und Debriefings an Land das tägliche Programm. Auch bei den Trainingsinhalten sieht Anna Barth beim Vergleich zwischen Australiern und Heimteam leichte Unterschiede: „Wir haben das Gefühl, dass die Australier mit etwas höherer Intensität trainieren. Wir sind hier meistens drei Stunden oder mehr auf dem Wasser und beginnen die Sessions mit intensiven Warm-ups.”

Für die Olympia-Qualifikation: mit Boot, Wind und Wellen zur Einheit werden

Zu den weiteren Trainingsinhalten sagte Anna Barth: „Danach trainieren wir entweder bestimmte Skills auf einem Kurs mit Tonnen oder fahren aus dem “Hafen” raus, um die Off-shore Bedingungen in den Wellen zu trainieren. Ganz interessant ist, dass der australische Trainer über ein Funkgerät mit uns redet, das nehmen wir auf jeden Fall mit nach Hause.“ Ein weiterer Unterschied zu Deutschland seien die starke Sonne und Hitze. „Für uns Norddeutsche, die aus dem Schnee kamen, war das eine ganz schöne Umstellung.“

Schon zur Halbzeit fühlten sich Anna und Emma vom Training in Australien befügelt, nehmen viel Inspiration mit nach Hause. „Das Training hier bringt uns voran, besonders in Kombination mit dem Schwell, der etwas weiter südlich kommt als der Wind. Im Laufe des Nachmittags baut sich darüber eine Windwelle aus Osten auf. Unser Ziel ist es, das Boot möglichst gerade zu segeln. Das ist bei Wellen aus verschiedenen Richtungen ziemlich anspruchsvoll.“

Das Ziel ist klar: Wenn man es gut hinbekommt, wir also mit dem Boot, dem Wind und den Wellen eine harmonische Einheit werden, dann ist das ein gigantisches Gefühl.“ Anna Barth

Anna und Emma haben sich aus guten Gründen zum Sondertraining in Sydney entschieden. Anna erklärt: „Besonders mit Blick in die Zukunft ist das Training mit Ozeanwelle für uns relevant - 2027 soll die Europameisterschaft in Cádiz und 2028 die Weltmeisterschaft in Marokko stattfinden. Beide Events werden wahrscheinlich Teil unserer Olympia-Qualifikation sein. Und diese Reviere sind bekannt für ordentlichen Schwell.“

Starker deutscher 49erFX-Nationalkader für Olympia 2028

Mit den WM-Fünften und Olympiakaderseglerinnen Sophie Steinlein und Catherine Bartelheimer (NRV/BYC/SCIA) sowie den Olympia-Sechsten Marla Bergmann/Hanna Wille (MSC), Women’s-America’s-Cup-Steuerfrau Maru Scheel und Freya Feilcke (KYC) und Katharina Schwachhofer/Elena Stoltz (WYC/SKL) bilden Anna Barth und Emma Kohlhoff auf Kurs LA28 einen vielversprechenden 49erFX-Nationalkader. Alle fünf Frauen-Crews kämpfen um ihren olympischen Traum, den in zweieinhalb Jahren aber nur ein Duo wird realisieren können.

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