Foiling AwardsVon der Motte zum SailGP – Victoria Schultheis steigt auf

Tatjana Pokorny

 · 22.03.2026

Victoria Schultheis erhielt den Foiling Award in Genua.
Foto: Giovanni Mitolo/We are foiling

Die Foiling Awards sind die wichtigste Auszeichnung der neuen Foiling-Generation. Bei der Ehrung in Genua wurde Victoria Schultheis zur erfolgreichsten Foiling-Seglerin des Jahres 2025 gekürt. Dabei hat der steile Aufstieg der Deutsch-Malteserin im professionellen Segelsport gerade erst begonnen.

​Der Name Schultheis klingt bekannt? Das hat einen guten Grund namens Richard Schultheis. Der vier Jahre jüngere Bruder von Victoria Schultheis hat mit zwei fünften Plätzen bei den Motten-WMs der vergangenen Jahre und seinem Wechsel vom maltesischen zum Deutschen Segler-Verband für einige Aufmerksamkeit gesorgt.

Victoria Schultheis: Weltmeisterin nach drei Monaten in der Motte

Mit seinem neuen Vorschoter Fabian Rieger ersegelte Richard Schultheis 2025 auf Anhieb herausragende Ergebnisse. Das Duo gilt als 49er-Top-Crew des German Sailing Teams auf Kurs LA2028. Dabei ist Richard Schultheis erst 20 Jahre alt, zählt aber schon zu den herausragenden Akteuren im olympischen Segelsport. Seine Schwester Victoria steht ihm kaum nach.

Am 21. März 25 Jahre alt geworden, wurde die KI- und BWL-Studentin im vergangenen Jahr nach nur drei Monaten in der Motte Weltmeisterin. Zuvor hatte auch sie mit Schwester Antonia Schultheis für Malta einen Olympia-Anlauf für die Spiele 2024 genommen. Doch fehlten den „Schultheis-Sisters“ 15 Kilogramm Crew-Gewicht. Sie waren zu leicht, verpassten die Nationenqualifikation für Malta um einen Platz. Ein 49erFX-Comeback für die Zukunft schließt Victoria Schultheis aber nicht aus.

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Was ihr im Skiff vorerst nicht gelang, klappte im Foiling umso besser. Schon seit sechs Jahren auf Foils unterwegs – anfangs in der Wazp, dann intensiv in der Switch und seit Frühjahr 2025 in der Motte – war sie im Juli 2025 nach nur drei Monaten in der anspruchsvollen Klasse zum Motten-WM-Titel bei den Frauen gerast. Sie weiß: „Ich habe in der Switch eine richtig gute Basis aufbauen können, ohne die ich nicht so weit gekommen wäre. In der Motte ist das Bootshandling so wichtig.“

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Die Auszeichnung für eine Foiling-Könnerin

2025 war ihr Jahr. Sie gewann zum WM-Gold auch die Switch Global Championship, war auf höchster Ebene von den Konkurrentinnen nicht zu schlagen. Es ist nur folgerichtig, dass die im Alter von zehn Jahren mit ihrer Familie von Berlin nach Malta umgezogene leidenschaftliche Seglerin jetzt bei den Awards zur Foiling-Weltseglerin des Jahres gewählt wurde.

Bei der Publikumswahl setzte sich Victoria Schultheis gegen zehn weitere nominierte Top-Athletinnen auf foilenden Booten oder Boards durch. Unter ihnen waren so prominente Kandidatinnen wie die britische Olympia-Windsurferin Emma Wilson, die amerikanische Wazp-Games-Gewinnerin Pearl Lattanzi oder die niederländische Formula-Kite-Weltmeisterin Jessie Kampman.

Das Talent von Victoria Schultheis haben längst auch andere entdeckt: Seit Jahresbeginn ist die 1,72 große Athletin, die in Frankfurt KI und BWL studiert und häufig am Gardasee mit Basis in Malcesine trainiert, Reservestrategin im Germany SailGP Team. Hier ein heiterer Clip vom gemeinsamen Training mit Teamkollegin und Strategin Anna Barth.

Victoria Schultheis ist seit dem Saisonstart in Perth bei der Mannschaft, hat bereits kurze Trainingseinheiten auf dem F50-Foiler absolviert. Während der Rennen hat sie das Coach-Team um Lennart Briesenick und Jacopo Plazzi auch mit Input unterstützt.

Inspiriert vom Austausch mit den SailGP-Athleten

Ihr Auslandssemester in Sydney lag zeitlich goldrichtig, um die SailGP-Saisoneröffnung in Down Under einzubinden. Auch in ihrem Studium widmet sich Victoria Schultheis anteilig dem Segelsport, hat mit einem Freund und weiterer Unterstützung kluger junger Köpfe eine Segelanalyse-App entwickelt.

„Die Idee hinter Vantag Sailing ist, dass Leistungsdaten nicht länger nur Profiteams mit großen Analyseabteilungen und Datenanalysten vorbehalten sind“, erklärt die Mitgesellschafterin von Vantage Sailing das Grundprinzip, von dessen Analyse-Möglichkeiten schon rund 2000 Sportsegler vom „Weekend Warrior bis Highperformance-Akteur“ profitieren.

Ebenso interessiert wie auf diese Technologien blickt Victoria Schultheis auch auf die Entwicklungen in ihrem Sport auf dem Wasser. Seit dem vergangenen Jahr sieht sie auch für sich neue Perspektiven, die Chance auf eine professionelle Karriere als Seglerin. „Der SailGP ist als Liga inspirierend. Die vielen Athleten, die da auf Top-Level unterwegs sind, mit denen man sich austauschen kann…“, sagt Victoria Schultheis.

Foiling als beste Fortbildung für die Segelsportkarriere

Dank zwar langsamer, aber doch zunehmender Beteiligung von Seglerinnen an der Weltliga des Segelsports hofft Victoria Schultheis, dass Frauen im SailGP langfristig auch häufiger Positionen am Steuer, als Flight Controllerinnen oder Flügeltrimmerinnen einnehmen können. Aktuell ist die brasilianische Doppel-Olympiasiegerin Martine Grael die einzige Steuerfrau im SailGP.

Bei mir hat sich im letzten Jahr der Gedanke verfestigt, dass sich eine Chance zu einer Profikarriere im Segelsport eröffnen kann.“ Victoria Schultheis

Bei ihren bislang sechs Foiling-Jahren wird es nicht bleiben. Victoria Schultheis ist gekommen, um zu bleiben. „Ich habe mich fürs Foiling entschieden, weil ich so viel wie möglich lernen und mich als Seglerin weiterentwickeln will.“ Diese Einstellung und ihr Talent hat sie nun auf die Bühne der Foiling Awards und zur Auszeichnung geführt, die bei den Männern Motten-Weltmeister Enzo Belanger erhielt.

Der Franzose hatte am 17. März ein strammes Programm zu absolvieren: Erst wurde er am Vormittag als Crew-Mitglied des La Roche-Posay Racing Teams für Frankreichs America’s-Cup-Jäger an der Seite von Quentin Delapierre, Diego Botin, Flo Trittel, Amélie Grassi und weiteren Mitstreitern vorgestellt. Danach flog Enzo Belanger nach Genua, um persönlich an der Zeremonie der Foiling Awards teilzunehmen.

Noch am selben Abend ging es wieder zurück nach Lorient. Dort stand am nächsten Morgen für Belanger das erste Training mit dem Cup-Team auf dem Programm. Etwas gemein für ihn war, dass dieses erste Training auf AC40ern dann aufgrund zu starker Winde um einen Tag verschoben werden musste. Dafür aber traf Belanger in Genua auch seinen Landsmann Charles Caudrelier, der für das Gitana-Team und die Entwicklung der Ultim-Gigantin “Gitana 18” den Future Impact Award entgegennahm.

Spaß statt Druck: frühes Intensivtraining in Opti und 29er

Für Victoria Schultheis geht es am 11. und 12. April in Rio de Janeiro und am 9. und 10. Mai vor Bermuda mit dem deutschen SailGP-Team weiter, für das sie als Reservestrategin vorerst an Land alles gibt und dabei die eigene Lernkurve weiter nach oben treibt. Das Wettkampfgen ist immer dabei. Da hatte sie schon in der Kindheit und Jugend, als sie mit ihren Geschwistern erst im Opti, dann im 29er trainierte und um die Wette segelte.

Das Schultheis-Trio segelte und trainierte in maltesischen Bedingungen schon früh vier Tage die Woche – weil es Spaß machte. „Wir hatten nie Druck, haben uns aber immer gebattelt“, erzählt Victoria. Auf Kurs Motten-WM war es dann im Sommer 2025 Victoria, die vom Knowhow ihre Bruder bei der Vorbereitung am Gardasee profitierte.

Einen Unterschied gäbe es aber auch zwischen dem Bruder und ihr: „Wir lernen anders. Er sieht etwas und kann es sofort umsetzen. Ich muss etwas erst verstehen, setze es dann um. Ich habe ihn früher gefragt, wie er das macht. Er hat so viel rohes Talent in sich.“ Für Victoria Schultheis scheint das allerdings kaum weniger zu gelten.

Hier stellt die Weltmeisterin Victoria Schultheis ihre Motte von Mackay Bieker vor:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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