RORC Transatlantic RaceSupersegler, Scow und Semi-Foiler bereit für die Querung

Sören Gehlhaus

 · 09.01.2026

Die Baltic 111 „Raven“ nimmt erstmals am RORC Transatlantic Race von Lanzarote nach Antigua teil und hat mit Foils bereits die 30-Knoten-Marke geknackt.
Foto: Tom van Oossanen
Zum 12. RORC Transatlantic Race machen sich 21 Starter bereit, die diverser nicht sein könnten. Die 3.000-Seemeilen-Herausforderung von Lanzarote in die Karibik nehmen ein starkes IRC-Feld, MOD70-Tris, eine Swan 128 und „Walross 4“ aus Deutschland an. Auf die Line Honours hat es die semi-foilende Baltic 111 „Raven“ abgesehen.

Am Sonntag, den 11. Januar 2026, wird das 12. ​RORC Transatlantic Race vor Lanzarote angeschossen. Das Offshore-Rennen des Royal Ocean Racing Club ist seit der Premiere im Jahr 2014 stets auch eine Bühne für die Schnellsten aus der 100-Fuß-Kategorie. Die Hatz über den großen Teich dominierten etwa „Commanche“, „Lucky“ oder „Leopard 3“. Diesmal sind alle Augen auf „Raven“ gerichtet, die um die ​IMA Transatlantic Trophy für den ersten Maxi in Antiugua segeln wird. Der 34 Meter lange Carbon-Bau mit seinen seitlich absenkbaren T-Foils verließ 2023 die Hallen der finnischen Baltic-Werft, segelte bereits zweimal über den Atlantik überquert und hat mehr als 18.000 Seemeilen im Kielwasser.

Härtetest für Semi-Foiler „Raven“

Das RORC Transatlantic Race wird die erste Transatlantik-Regatta des Teams sein, das viel vor Lanzarote trainiert hat. Projektmanager Klabbe Nylof hat diesen Moment lang herbeigesehnt: „Dies ist wirklich das erste Mal, dass wir ,Raven' in eine richtige Offshore-Rennumgebung bringen. Wir haben lange Passagen absolviert, wir haben das Boot hart gepusht, aber ein Rennen wie dieses stellt uns vor andere Herausforderungen. Es geht um Konstanz, Resilienz und darum zu lernen, wie das ganze System unter Druck über viele Tage hinweg funktioniert.“

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Die von Botin Partners berechnete und von Jarkko Jämsén entworfene „Raven“ nutzt meist jeweils den Lee-Flügel, um den Auftrieb zu erhöhen und über die See zu skimmen. Ein vollständiges Abheben war nie geplant, dafür wäre unter anderen Maßnahmen ein Foil am Ruder nötig. Kombiniert mit rund zehn Tonnen Wasserballast ist das Konzept darauf ausgerichtet, mehr Wert auf die Durchschnittsgeschwindigkeit als auf die maximalen Spitzengeschwindigkeit zu legen.

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„Raven“ mit Etmalen von 600 Seemeilen

„Raven“ habe bereits 30 Knoten überschritten und könne über lange Zeiträume konstant mit Werten zwischen 25 und 27 Knoten Meilen machen, was Etmale von 600 Seemeilen unter den richtigen Bedingungen ermöglicht. Nylof betont, dass es bei dem Projekt niemals darum gegangen sei, um jeden Preis Rekorde zu brechen. „Die ursprüngliche Idee des Eigners war es, kein reines Rennboot zu bauen“, erklärt er. „Es sollte eine schnelle, moderne Superyacht entstehen, die Grenzen überschreitet, aber dennoch robust und nutzbar bleibt. Was uns überrascht hat, war, wie effizient die Plattform wurde, sobald wir sie richtig in Betrieb genommen haben.“

Zwei Starter um 40 Meter Länge

Von der Länge her wird „Raven“ von „Be Cool” um fünf Meter getoppt. Die 2025 erstgewasserte Swan 128 teilt sich mit ​„Linnea Aurora“, einer Truly Classic 128, den Titel der größten Teilnehmerin am RORC Transatlantic Race. ​Mit einer Verdrängung von etwa 136 Tonnen ist „Be Cool” primär auf Cruising ausgerichtet und erreicht etwa 17 bis 18 Knoten, loggt auf hoher See aber Durchschnittsgeschwindigkeiten von etwa 12 Knoten. Nach IRC muss „Raven“ der Swan 128 mehr als 700 Sekunden pro Stunde vergüten.

Für „Be Cool”-Kapitän Luca Serra ist das Transatlantikrennen ein natürlicher nächster Schritt: „Wir sind bereits mehr als 5.000 Seemeilen gesegelt, darunter von Finnland ins Mittelmeer. Jetzt ist es an der Zeit, das Boot richtig in einem ernsthaften Offshore-Rennen zu testen.” Serra hatte zuvor dieselbe Rolle auf der gleichnamigen Swan 98 inne, und macht deutlich, dass die 128 eine grundlegende Weiterentwicklung darstellt. Ziel war es, die Yacht einfacher, sicherer und angenehmer zu segeln, auch für den Eigner.

„Wir wollen den freundschaftlichen Geist bewahren. Es werden vier oder fünf Top-Profisegler dabei sein, aber wir bauen kein Superstar-Team auf. Bei diesem Boot geht es um Zusammenhalt, Erfahrung und Respekt dafür, wie wir es segeln wollen”, so Serra. Die Crew wird in drei Wachen zu je fünf Personen segeln, mit klaren Wachführern und einem starken Fokus auf Routine. „Gute Wachen, gute Kommunikation und gute Gewohnheiten zählen mehr als rohe Aggression über 3.000 Meilen. Genau da werden Rennen wie dieses wirklich gewonnen oder verloren.”

„Walross 4“ auf großer Atlantik-Mission

​Mit einer ähnlichen Philosophie tritt „Walross 4“ für den Akademischen Segler-Verein (ASV) aus Berlin an. Die Verantwortung für den 56-Fuß-Einzelbau nach Plänen von Georg Nissen und seine Crew trägt ​Schiffer Matthias Kahnt: ​„Die Überquerung des Atlantiks war ein Traum für alle jungen Crewmitglieder an Bord des Vereinsboots. Neun von zehn Personen an Bord sind Studenten an Berliner Universitäten, und wir alle wissen, wie wichtig Zeit für Abenteuer ist. Deshalb freuen wir uns sehr, die Fahrt ein wenig länger genießen zu können als die schnelleren Boote!”

Die Teilnahme an der Transat 2026 ist Teil eines größeren Projekts namens Atlantic Connections, mit dem das 250-jährige Jubiläum der Vereinigten Staaten gefeiert und mit „Walross 4“ an den Feierlichkeiten im Hafen von New York am 4. Juli 2026 (Sail4th 250) teilgenommen werden soll. „Damit würdigen wir die besondere, langjährige Beziehung zwischen unserer Stadt und den Vereinigten Staaten. Dieses Segelprojekt steht unter der Schirmherrschaft von Kai Wegner, dem Regierenden Bürgermeister von Berlin”, so Kahnt.

​Die Stärken der „Walross 4“: „Wir haben ein robustes Boot, das für lange Hochseesegeltörns gebaut wurde und bereits sehr schwere Bedingungen überstanden hat. Die Dimensionierung des Riggs, die Kielkonstruktion und der 35 mm dicke, 7-lagige Rumpf aus Khaya-Holz werden jedem Wetter während des Rennens standhalten. Sicher hat das auch einen kleinen Nachteil: Wir wiegen etwa 18 Tonnen und kommen viel später ins Gleiten als einige Racer aus Kohlefaser. Aber wir werden in unserer Pantry vollwertige Mahlzeiten Kochen und in unseren Kojen sehr gut und trocken schlafen.”

IRC-Feld mit zwei „Plattnasen“

Auf die IRC-Wertung nach berechneter Zeit haben es einige Teams mit spannenden Neubauten abgesehen, allen voran ​​„Palanad 4“. Das brandneue 50-Fuß-Design von Sam Manuard zieht es mit Scow-Bug über den Atlantik. „Palanad 3“ gewann das Rennen 2021 und stellte dabei den IRC-Rekord für die Strecke von Lanzarote nach Antigua auf. „Wir wollen so schnell wie möglich segeln“, sagt Skipper Antoine Magre. „Eine hochkonzentrierte Crew, eine starke Wetterstrategie und das Ausnutzen der Stärken des Bootes, das ist es, worauf es ankommt.“

Frisch aus der Werfthalle kommt ​​„Maxitude“ des Vater-Sohn-Gespanns Xavier und Alexandre Bellouard bringt. Der Lift 45 verpassten die Konstrukteure von Marc Lombard ein ähnlich fülliges Vorschiff und moderne Linien. Xavier Bellouard über ihre Chancen: „Uns ist klar, dass wir genau beobachtet werden, denn das Boot hat während dem Rolex Fastnet viele überrascht.“ Mit ihrem Bug hoffen die Bellouards zu zeigen, dass ein breites Vordeck nicht nur ein Trick der Class40 ist. „Es ist eine Richtung, die die Offshore-Welt insgesamt irgendwann einschlagen wird. ,Maxitude’ ist eine Weiterentwicklung des Vorgängermodells, einer Pogo 12.50“, fährt Xavier fort. „Meine Frau wird uns in der Karibik begleiten, was einer der Vorteile einer großen vorderen Kabine ist. Die Maxitude ist wirklich ein Boot für zwei Zwecke, zum Racen und zum Cruisen.“

„Ino Noir“: Schnell langsam segeln

​​​Auf „Ino Noir“ kehrt James Neville mit dem Boot zurück, das beim letzten Mal den dritten Platz belegte. Die Carkeek 45 wurde nach einer Saison geprägt von Zuverlässigkeitsproblemen weiterentwickelt. „Wir möchten besser abschneiden als beim letzten Mal“, sagt Neville vor dem Start. „Die langsamste Geschwindigkeit ist eigentlich wichtiger als die schnellste. Es geht darum, das Boot zu steuern, die Scheuerstellen zu kontrollieren und die Segel zu pflegen. Es geht um Beständigkeit.“ Ino Noir wird mit fast derselben britischen Crew des Vorjahrs antreten, ergänzt durch den spanischen Navigator Juan Vila „Wenn das Boot schneller als die Wellen ist, können wir in die vor uns liegende Welle hineinfahren, was zu einer enormen Abnutzung der Segel und der Ausrüstung führt.“

Ausblick der Crews

„Ravens“ Projektmanager Klabbe Nylof blickt zuversichtlich auf das Rennen: „Das Boot ist auch ohne Foil-Unterstützung stark und kontrollierbar. Das ist auf hoher See sehr wichtig. Man braucht das Vertrauen, dass die Yacht auf einen aufpassen kann, wenn etwas beschädigt wird oder sich die Bedingungen ändern.“ Mit Damien Duchon als Skipper, Will Oxley als Navigator kommt das „Raven“-Team mit Selbstvertrauen, bleibt aber realistisch: „Dieses Rennen dreht sich ums Lernen, um Zuverlässigkeit zu beweisen und die nächste Phase dessen zu erschließen, was ,Raven’ leisten kann. Dieses Rennen reduziert alles auf das Wesentliche. Es geht darum, wie gut man das Boot, die Systeme und die Menschen managt. Das ist der wahre Test.“

​„Be Cool”-Kapitän Luca Serra stimmt zu: „Den Atlantik in Gesellschaft zu überqueren, als Teil eines richtigen Rennens, macht Sinn. Es ist sicherer, interessanter und viel bedeutungsvoller, als es allein zu tun. Hier lernt man ein Boot wirklich kennen.” ​​Matthias Kahnt sagt für „Walross 4“ voraus: ​„Da wir ein recht schweres Boot mit symmetrischem Spinnaker-Setup haben, sind unsere VMG-Winkel bei raumen Winden ziemlich tief. Daher kommen uns Wind und Wellenbedingungen der klassischen Passatwindzone gelegen. Unser Potenzial schätzen wir ähnlich wie das der ,Spirit of Helsinki’ ein.” Die Swan 651 segelte im letzten Jahr in ihrer Gruppe auf Platz drei.

Transat-Start und Tracking

Das RORC Transatlantic Race startet am 11. Januar 2026 vor der Marina Lanzarote, für Multihulls um 12:30 UTC und Monohulls um 12:40 UTC. ​

Da die Flotte sehr sehr vielfältig ist, werden die schnellsten Mehrrumpfer je nach Wetterbedingungen voraussichtlich zwischen 5 und 6 Tagen benötigen. Der Großteil wird in 12 bis 14 Tagen ankommen, während Nachzügler etwa 17 Tage auf See sind. ​

Den Monohull-Rekord stellte „Lucky“ (Ex-„Rambler 88“) 2025 mit 7 Tagen 20 Stunden, 34 Minuten und 41 Sekunden auf.

Zum Tracking geht es hier (bitte anklicken).


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