Die Segelnationalmannschaft ist für Olympia eingekleidet
"Jetzt fühlt es sich real an!"

Nach eintägigem Bekleidungsmarathon in Hamburg sind die deutschen Segel-Olympioniken bereit für die Spiele ihres Lebens. Die Vorfreude: riesig!

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 19.06.2021
Die Nacra-17-Segler Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer mit einer Team-D-Flagge bei der Einkleidung der Olympioniken. Hamburg zählte zu den Tour-Stopps der Roadshow von Team Deutschland für Tokio 2021, die der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) für die Athleten organisiert hat Die Nacra-17-Segler Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer mit einer Team-D-Flagge bei der Einkleidung der Olympioniken. Hamburg zählte zu den Tour-Stopps der Roadshow von Team Deutschland für Tokio 2021, die der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) für die Athleten organisiert hat Die Nacra-17-Segler Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer mit einer Team-D-Flagge bei der Einkleidung der Olympioniken. Hamburg zählte zu den Tour-Stopps der Roadshow von Team Deutschland für Tokio 2021, die der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) für die Athleten organisiert hat

T. Pokorny Die Nacra-17-Segler Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer mit einer Team-D-Flagge bei der Einkleidung der Olympioniken. Hamburg zählte zu den Tour-Stopps der Roadshow von Team Deutschland für Tokio 2021, die der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) für die Athleten organisiert hat

Wer jemals Sorgen hatte, dass die deutsche Segelnationalmannschaft mit der Hitze im japanischen Olympiarevier vor Enoshima Probleme bekommen könnte, der weiß es seit der offiziellen Einkleidung am 18. Juni besser. Die sechs Seglerinnen und vier Segler des German Sailing Teams, ihre Trainer, die Olympia-Betreuer und Teamchefin Nadine Stegenwalner begegneten dem Hitzemarathon dieses besonderen Gipfeltreffens am 18. Juni in Hamburg-Dulsberg gelassen, locker und voller Vorfreude auf die Spiele ihres Lebens. Bei 35 Grad Außentemperaturen, die sich auf dem heißen Asphaltplatz des Tour-Stopps der DOSB-Einkleidungs-Roadshow mit vielen Olympiapartnern in Hamburg-Dulsberg eher wie 50 Grad anfühlten, büßten die zehn Segel-Athleten bis zum Abend nichts von ihrem Spaß an diesem Vorab-Höhepunkt ein.

T. Pokorny Trugen bei der Einkleidung in Bestlaune stark zum "Wir-Gefühl" im German Sailing Team bei: die 49erFX-Europameisterinnen Tina Lutz und Susann Beucke

T. Pokorny Die Nacra-17-Crew Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer in den neuen roten Germany-T-Shirts der Olympia-Mannschaft

"Jetzt fühlt es sich real an", brachte Nacra-17-Vorschoterin Alica Stuhlemmer vom Kieler Yacht-Club die Stimmung im Team an diesem Tag auf den Punkt. Dass neben den Beachvolleyballerinnen, Reitern und weiteren Sportstars tatsächlich alle deutschen Segler und Seglerinnen an diesem Tag noch ein letztes Mal vor Beginn der olympischen Regatta ab 25. Juli zusammenkamen, war vor allem jenen zu verdanken, die dafür einen weiten Weg auf sich nahmen oder sich extra beeilten: Laser-Weltmeister Philipp Buhl und sein Trainer Alex Schlonski unterbrachen ein Trainingslager bei Göteborg in Schweden, nahmen die Fähre über Nacht und fuhren noch am Abend wieder zurück. Die 49er-WM-Dritten Erik Heil und Thomas Plößel eilten mit Coach Marc Pickel von der letzten Testregatta im spanischen Santander nach Hamburg, kamen direkt vom Flughafen zur Einkleidung.

T. Pokorny Einmal Schweden-Hamburg und zurück: Laser-Weltmeister Philipp Buhl und sein Coach Alex Schlonski

T. Pokorny Die WM-Ditten von 2020 und Rio-Bronzemedaillengewinner im 49er: Erik Heil und Thomas Plößel kämpfen bei ihren zweiten Olympischen Spielen um das zweite Edelmetall

Die Stimmung im Team signalisierte an diesem heißesten Sommertag in Hamburg viel Gutes. 37 Tage vor dem ersten olympischen Startschuss, der am 25. Juli für Weltmeister Philipp Buhl im Laser und Laser-Radial-Steuerfrau Svenja Weger fällt, bevor danach Tag für Tag die weiteren Crews in die Olympia-Regatta einsteigen, nutzten die Aktiven die Gelegenheit zu Gesprächen untereinander und genossen die Auswahl aus der olympischen Ausrüstungs-Kollektion mit Podiums-, Präsentations und Trainingsbekleidung. Das farbliche Konzept kommt bei den Sportlern gut an. Ob rote Ton-in-Ton-Designs, leuchtende Gelbtöne, Baggy-Style-Jacke als Reminiszenz an die achtziger Jahre, unterschiedliche Stoffe und transparente Elemente – die Designs sorgen insgesamt für einen frischen Look. Die Olympioniken genossen diesen Tag auch deshalb, weil sie wissen, dass vor ihnen ganz andere Olympische Spiele liegen als sonst: Aufgrund der extrem reglementierten Einsätze werden es vor allem Wettkampf-Spiele, nicht aber Spiele der Begegnung sein. Es wird nicht möglich sein, das Erlebte mit Fans vor Ort zu teilen – internationale Besucher wurden längst von diesen maskierten Olympischen Spielen ausgeschlossen. Die Sportler bewegen sich wie Offizielle und Journalisten ausschließlich in "Blasen" vom Olympischen Dorf oder vom Hotel per Shuttle zu ihren Wettkampfstätten und zurück.

T. Pokorny Das Team um Sportdirektorin Nadine Stegenwalner (l.). Hier sind auch die 470er-Seglerinnen Luise Wanser (9. v. r.) und ihre Vorschoterin Anastasiya Winkel (5. v. r.) zu sehen

T. Pokorny Auf dem Wasser ist Nacra-17-Vorschoterin Alica Stuhlemmer auf zwei Rümpfen und Foils mit ihrem Steuermann Paul Kohlhoff rasant schnell unterwegs. An Land probierte sie sich bei der Einkleidung im Geduldsspiel mit dem Zauberwürfel, den alle Athleten an diesem Tag vom Olympiastützpunkt Hamburg bekamen

"Bei unseren ersten Olympischen Spielen 2016 zählte die Fokussierung auf den Wettkampf zu unseren Stärken", erinnert sich 49er-Vorschoter Thomas Plößel lächelnd, "dieses Mal wird es aufgrund der Umstände schon automatisch so sein, dass wir uns ganz auf die Regatta konzentrieren. Der Sport allein steht im Mittelpunkt." Dafür, dass die Olympischen Spiele für den deutschen Segelsport erfolgreich verlaufen, steht ein 34-köpfiges Team bereit: 10 Athleten (6 Frauen, 4 Männer) kämpfen in sechs Booten um Olympia-Medaillen. Sechs Trainer stehen ihnen mit Alex Schlonski (Laser Standard), Marc Pickel (49er), Jonasz Stelmaszyk (Laser Radial), Ian Barker (49erFX), Olympic Performance Manager David Lynch (Nacra 17)und Riccardo de Felice (470er Frauen) in Enoshima ebenso zur Seite wie Physio-Therapeutin Johanna "Jojo" Wichelmann, Kunststofftechniker, Bootsbauer und FES-Mann Daniel "Blacky" Schwarze, Oliver Freiheit als Bundestrainer Technologie im Deutschen Segler-Verband (DSV). Regie beim olympischen Einsatz führt DSV-Sportdirektorin und Teamchefin Nadine Stegenwalner bei ihren dritten Olympischen Spielen. Ihre Einschätzung zu den Medaillenchancen: "Das ist dieses Mal nicht leicht einzuschätzen. Aber ich kann sagen, dass ich einigen Disziplinen Medaillen zutraue. Das ist Plural …"

T. Pokorny Riccardo de Felice kam als letzter Trainer für Olympia ins Team. Der Italiener coachte die 470er-Seglerinnen Luise Wanser und Anstasiya Winkel zur Last-Minute-Qualifikation für Olympia und wurde in das German Sailing Team aufgenommen. Er war schon in Japan und traut seiner jungen Crew wie auch dem German Sailing Team einiges zu

T. Pokorny 49erFX-Vorschoterin Sanni Beucke mit dem offiziellen Team-Olympia-Rucksack

T. Pokorny Laser-Radial-Steuerfrau Svenja Weger blickt den Olympischen Spielen gutgelaunt entgegen: "Wir haben lange gewartet. Jetzt kann es endlich losgehen."


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Themen: Olympische Spiele

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