Noch 50 Tage bis zur olympischen Eröffnungsfeier
Die Medaillen-Könner

Die Berliner Skiffsegler Erik Heil und Thomas Plößel wollen bei ihrem zweiten Olympia-Start die zweite Medaille nach Bronze 2016 gewinnen

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 03.06.2021
Deutschlands Olympia-Segler im 49er: Erik Heil und Thomas Plößel beim Besuch ihres Heimatvereins NRV Deutschlands Olympia-Segler im 49er: Erik Heil und Thomas Plößel beim Besuch ihres Heimatvereins NRV Deutschlands Olympia-Segler im 49er: Erik Heil und Thomas Plößel beim Besuch ihres Heimatvereins NRV

tati Deutschlands Olympia-Segler im 49er: Erik Heil und Thomas Plößel beim Besuch ihres Heimatvereins NRV

Die 32. Olympischen Spiele rücken jetzt schnell näher. Die Eröffnungsfeier findet in 50 Tagen am 23. Juli statt. Zwei Tage später schon fallen am 25. Juli die ersten Startschüsse zur olympischen Segelregatta in Enoshima. Deutschlands beste Skiffsegler im German Sailing Team steigen am 27. Juli in ihren Wettkampf ein. Für Erik Heil und Thomas Plößel, die in Rio de Janeiro 2016 mit Bronze und Freuden-Salto in die Guanabara-Bucht begeisterten, sind es die zweiten Olympischen Spiele ihrer Karriere. Während ihre intensive Vorbereitung die finale Phase erreicht hat, besuchten der 31-jährige Steuermann und sein 33 Jahre alter Vorschoter am Donnerstag ihren Heimatclub in Hamburg.

German Sailing Team/Lars Wehrmann Der 49er ist das Boot ihrer Wahl: Im Skiff sind technische Finesse, taktisches Können, Mut und viel Balancegefühl gefordert. Erik Heil und Thomas Plößel mögen auch komplizierte Bedingungen und zählen bei Olympia zu den Top-Teams

tati Was geht für diese beiden im Olympiarevier von Enoshima? Erik Heil und Thomas Plößel kämpfen im Skiff um ihre zweite Medaille

Daumen hoch von Kuhweide und Schümann

Im Norddeutschen Regatta Verein an der Außenalster trafen Erik Heil und Thomas Plößel Freunde, Unterstützer, Journalisten und Fans. Im Interview mit der YACHT ließen die Medaillen-Könner keinen Zweifel daran, dass sie erneut um eine Medaille kämpfen wollen. "Am liebsten eine in noch schönerer Farbe als beim letzten Mal", beschreibt Erik Heil den Wunsch charmant. Das wären Silber oder Gold. Die Chance dazu wird ihnen auch von jenen attestiert, die es wissen müssen. Willy Kuhweide, der 1964 im selben Revier sein legendäres Olympia-Gold im Finn-Dinghy gewann, sagt: "Erik Heil und Thomas Plößel haben sehr gute Medaillenchancen." Das glaubt auch Jochen Schümann, der vor 25 Jahren im amerikanischen Revier von Savannah die bis heute letzte Goldmedaille für den deutschen Segelsport holte. Für ihn war es 1996 der dritte Olympiasieg. Kurz vor den Olympischen Spielen in diesem Sommer sagt auch der zweimalige America's-Cup-Sieger: "Die Skiff-Crew hat sehr gute Chancen, ihre Leistungen zu veredeln. Dazu trägt die gute technische Unterstützung von Marc Pickel bei." Der Coach aus Kiel gilt als brillanter Bootsbauer und Techniker. Gemeinsam mit Team-Manager Frithjof Schade bilden Segler und Betreuer ein Quartett, das schon lange auf höchstem internationalem Niveau operiert.

tati Erik Heil (r.) und Thomas Plößel (l.) mit ihrem Team-Manager Frithjof Schade

Messlatte des 49er-Segelsports sind immer noch die neuseeländischen Ausnahmesegler Peter Burling und Blair Tuke, die diese Klasse seit ihrem ersten WM-Gold 2013 mit insgesamt sechs WM-Titeln im 49er geprägt haben. In Trainingsgemeinschaft mit den starken spanischen Vize-Weltmeistern Diego Botín und Iago López haben sich die deutschen WM-Dritten von 2020 und WM-Zweiten von 2019 in den vergangenen Jahren immer näher an die Überflieger-Kiwis herangearbeitet. "Wir sind dichter dran denn je", sagt Erik Heil. Nicht ohne Grund haben die Neuseeländer, die nach längerer Skiff-Pause und erfolgreichem America's-Cup-Einsatz erst im Frühjahr wieder voll ins olympische 49er-Segeln einsteigen konnten, den deutschen 49er bei der letzten Testregatta in Santander auffällig intensiv studiert. "Technisch haben Erik und Thomas beim Test auf Augenhöhe mit Burling und Tuke agiert – wenn nicht mehr. Wir feilen jetzt vor allem an taktischen Feinheiten", attestiert auch Marc Pickel. Details zu den technischen Entwicklungsschritten will der deutsche Skiff-Rennstall aktuell nicht preisgeben; Olympia naht. Heil sagt so viel: "Wir können recht sicher sein, dass unser Speed-Potenzial korrekt da ist, wenn wir alles korrekt einstellen. Wir haben uns in der Welle gut entwickelt. Das hatte Burling zuletzt nicht so wie wir. Da ist er keinen Kilometer weit mehr weg wie sonst."

Lars Wehrmann / German Sailing Team Synchron im Doppel-Trapez-Einsatz: Deutschlands erfolgreichstes Team in der noch jungen olympischen Skiff-Geschichte, die Erik Heil und Thomas Plößel aktiv mitgestalten

Eine einzigartige Partnerschaft: 20 Jahre in einem Boot

"Es wird vier, fünf Teams geben, die um die Medaillen kämpfen. Wir auch. Dabei ist es für uns wie natürlich auch einige andere ein Vorteil, dass wir Olympia schon kennen und zum zweiten Mal dabei sind", hält Thomas Plößel auf Kurs Enoshima fest. Mit seinem Steuermann verbinden ihn nicht nur eine erfolgreiche gemeinsame Karriere, sondern auch eine rekordverdächtig lange Partnerschaft. Das Duo feierte gerade erst am 19. Mai zwei Jahrzehnte in einem Boot. Damit ist das Team HP Sailing eine Ausnahme-Erscheinung im internationalen olympischen Sport – über alle Sportarten hinweg. Kennengelernt haben sie sich im Tegeler Segel-Club, wo der hochgeschätzte Jugendtrainer Michael Kosta sie zusammenbrachte. Bei ihrer ersten Regatta, einer Teeny-Meisterschaft auf dem Tegeler See im Mai 2001, wurden sie auf Anhieb Zweite. Seitdem ist viel passiert. Das nächste gemeinsame Kapitel wollen Erik Heil und Thomas Plößel in diesem Sommer in Japan schreiben. Spannend wird es sicher.

tati Zwei unterschiedliche Typen, ein erfolgreiches Team: Steuermann Erik Heil (r.) und Thomas Plößel auf dem Steg des Norddeutschen Regatta Vereins in Hamburg

privat/HP Sailing Ein Schnappschuss aus den Anfangszeiten, auf dem man beide Weltklassesegler schon gut erkennt: Erik Heil und Thomas Plößel in ihrer Jugendzeit im Tegeler Segel-Club


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