Zwei Podiumsplätze für das German Sailing Team in FrankreichTop-Steuerfrau Wanser: "Wir waren richtig schnell"

Tatjana Pokorny

 · 30.04.2022

Zwei Podiumsplätze für das German Sailing Team in Frankreich: Top-Steuerfrau Wanser: "Wir waren richtig schnell"Foto: SAILING ENERGY/Semaine Olympique Française 2022

Mit starken Leistungen haben die Nationalsegler gezeigt, wo sie bei Olympia 2024 hinwollen. Ein heimlicher "Sieger" strahlte darüber mehr als alle anderen …

Er war auch ohne Sieg oder Podiumsplatz der heimliche Gewinner vor Hyères: ILCA-7-Steuermann Nik Aaron Willim erzielte nach langer Durststrecke und vielen Verletzungen in den vergangenen Jahren mit Platz acht im Weltklassefeld von 129 Booten das beste Ergebnis seiner Karriere. Sein Trainingspartner, Vorreiter und Antreiber Philipp Buhl, selbst überragend in Form und erst im Finale etwas unglücklich auf Platz vier zurückgefallen, hatte schon seit Monaten prophezeit, dass der jüngere Sparringspartner in Top-Form ist. Nun hat Willim die im Training so oft gezeigten Leistungen endlich auch bei einer hochkarätigen Regatta umsetzen können. Die Explosion folgt dem im vergangenen Jahr nach verpatzter WM verlorenen Kaderplatz.

  Seine bislang beste große internationale Regatta bestritt Nik Aaron Willim in ILCA 7 (ehemals Laser Standard)Foto: Sailing Energy/Semaine Olympique Française 2022
Seine bislang beste große internationale Regatta bestritt Nik Aaron Willim in ILCA 7 (ehemals Laser Standard)

"Segeln hat mir nie mehr Spaß gemacht!"

Entsprechend groß war die Freude des Steuermanns vom Norddeutschen Regatta Verein: "Ich wusste, dass ich nach der WM, die ich komplett in den Sand gesetzt habe, etwas ändern musste. Ich musste meine Komfortzone verlassen. Die Saison lief von Beginn an schon bei den kleineren Regatten gut an. Entscheidend war hier vor Hyères, dass ich mich zu hundert Prozent aktivieren und meine Trainingsleistung voll abrufen konnte. Da war endlich diese Erkenntnis: So muss es sich anfühlen! Zwei Sachen sind dabei richtig gut: Ich habe mir gezeigt, dass ich es kann. Und das in ehrlichen Bedingungen. Dazu kommt, dass ich in den letzten Jahren viele Verletzungen hatte, jetzt aber durchgezogen habe. Mit Stehkraft. Segeln hat mir nie mehr Spaß gemacht! Ich kann nun mit mehr Freude, Power und Gelassenheit in die WM gehen und denke, dass dort für Philipp und mich im jetzigen Zustand einiges gehen kann. Philipp ist ein großartiger Trainingspartner, der in Mexiko sicher in Titelnähe segeln wird."

  Seine überragende französische Woche musste der Leistungsträger mit einem kleinen Dämpfer abschließen. Dennoch zählt Laser-Weltmeister Philipp Buhl nach den erneut gezeigten Top-Ergebnissen, darunter allein fünf Rennsiege, zum Favoritenkreis für die WM im kommenden Monat in Mexiko. Er selbst tippt, dass etwa acht Steuerleute für den Titel in Frage kommenFoto: Sailing Energy/Semaine Olympique Française 2022
Seine überragende französische Woche musste der Leistungsträger mit einem kleinen Dämpfer abschließen. Dennoch zählt Laser-Weltmeister Philipp Buhl nach den erneut gezeigten Top-Ergebnissen, darunter allein fünf Rennsiege, zum Favoritenkreis für die WM im kommenden Monat in Mexiko. Er selbst tippt, dass etwa acht Steuerleute für den Titel in Frage kommen

Der Gelobte selbst musste nach grandiosen zwei Dritteln der französischen Woche am Ende kleine Rückschläge hinnehmen. Ein komplizierter Leichtwind-Vorschlusstag, ein wenig zu zögerliche Starts und Rang acht im arg leichtwindigen Finale mit Winden zwischen anfangs fünf und schließlich nur noch drei Knoten ließen den 32-jährigen Allgäuer noch vom Podium fallen. Die kleine Enttäuschung darüber verschmerzte der Laser-Weltmeister von 2020 aber schnell. "Das Ende dieser sonnigen Woche in Hyères war ein wenig enttäuschend, aber ich bin trotzdem sehr zufrieden mit meiner Leistung insgesamt. In dieser Woche lief einiges überragend gut. Heute war vielleicht ein guter Wachrüttler. Ich habe an den letzten zwei Tagen ganz offensichtlich ein paar Fehler zu viel gemacht, konnte aber trotzdem auf dem Weg zur nächsten Regatta ein paar Haken setzen. Für die WM in einem Monat in Mexiko nehme ich viel Gutes und auch eine Ladung Selbstbewusstsein mit." Seiner Freude über Willims Leistung gab Buhl (Segelclub Alpsee-Immenstadt/NRV) begeistert Ausdruck: "Es ist schön zu sehen, dass mein Teamkamerad Nik Aaron Willim seine Trainingsleistung auch bei einer großen Regatta zeigen kann: Er hat das erste große Medaillenrennen seiner Karriere bestritten!"

  Das 470er-Duo Luise Wanser/Philipp Autenrieth beeindruckte vor Hyères vor allem mit SpeedFoto: Sailing Energy/Semaine Olympique Française 2022
Das 470er-Duo Luise Wanser/Philipp Autenrieth beeindruckte vor Hyères vor allem mit Speed

Die beiden Top-Ergebnisse für das German Sailing Team lieferten das 470er-Duo Luise Wanser/Philipp Autenrieth (Norddeutscher Regatta Verein/Bayerischer Yacht-Club) und iQFoiler Sebastian Kördel (Norddeutscher Regatta Verein). Im Feld der neuen olympischen 470er-Mixed-Crews war wieder Luise Wanser mit ihrem Vorschoter Philipp Autenrieth die beste Steuerfrau. Die Österreicherin Lara Vadlau war mit Lukas Mähr nah dran, ihr diese Position abzujagen, brachte ihr Team aber mit einem Frühstart im Finale um den erhofften Podiumsplatz. Luise Wanser, 24-jährige Olympia-Sechste von Enoshima, sagte: "Wir waren richtig schnell, haben einen Geschwindigkeitsvorteil, sobald Gleitbedingungen herrschen. Natürlich machen wir noch Fehler. Ich bin noch jung, und wir sind ein neues Team. Im Medaillenfinale mussten wir auf der Zielgeraden kringeln. Aber insgesamt sind wir sehr glücklich über unsere Leistungen – eine gute Basis für den weiteren Weg." Theres Dahnke und Matti Cipra (Plauer Wassersportverein) sowie Malte und Anastasiya Winkel (Schweriner Yacht-Club/NRV) machten die gute deutsche 470er-Mixed-Bilanz mit den Rängen 13 und 15 komplett.

  Die Österreicher Lara Vadlau und Lukas Mähr sind gemeinsam schnell unterwegs, konnten aber den erhofften Podiumsplatz nach ihrem Frühstart im Medaillenrennen nicht mehr erreichen und wurden FünfteFoto: Sailing Energy/Semaine Olympique Française 2022
Die Österreicher Lara Vadlau und Lukas Mähr sind gemeinsam schnell unterwegs, konnten aber den erhofften Podiumsplatz nach ihrem Frühstart im Medaillenrennen nicht mehr erreichen und wurden Fünfte
  iQFoiler Sebastian Kördel auf gutem KursFoto: Sailing Energy/Semaine Olympique Française 2022
iQFoiler Sebastian Kördel auf gutem Kurs
  Am Ende happy, auch wenn er gern das in Flaute ausgefallene Finale der neuen olympischen iQFoiler bestritten hätte: Sebastian Kördel zeigt seinen dritten Platz mit den FingernFoto: Sailing Energy/Semaine Olympique Française 2022
Am Ende happy, auch wenn er gern das in Flaute ausgefallene Finale der neuen olympischen iQFoiler bestritten hätte: Sebastian Kördel zeigt seinen dritten Platz mit den Fingern

Ohne Rennen am Finaltag, die in den sehr leichten Winden vor Hyères für die iQFoiler ausfielen, surfte Sebastian Kördel auf Platz drei. Trotz Erkrankung in der Vorwoche konnte sich der 31-Jährige vom Norddeutschen Regatta Verein bei der französischen Olympia-Woche schnell steigern und den formidablen Podiumsplatz erkämpfen. "Das ist ein Klasse-Ergebnis, über das sich auch mein Trainer Dom Tidey sehr freut. Es ist unser erster gemeinsamer Podiumsplatz." DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner zog mehr als zufrieden Bilanz: "Das war nach Palma das zweite große europäische Event mit Weltklassebesetzung und guten bis sehr guten Ergebnissen unserer Crews. Die Konstanz zeigt, dass Aktive und Trainer im Winter wirklich gut gearbeitet haben. Die Bilanz ist eine starke Motivation auf unserem Kurs zu den Olympischen Spielen 2024."

  Leonie Meyer kitete auf Platz sieben – ein starkes Ergebnis für die Athletin vom Norddeutschen  Regatta Verein auf ihrem Weg zurück an die Weltspitze. Sie hat erst im vergangenen Jahr ihr Medizinstudium abgeschlossen und ist Mutter gewordenFoto: SAILING ENERGY
Leonie Meyer kitete auf Platz sieben – ein starkes Ergebnis für die Athletin vom Norddeutschen Regatta Verein auf ihrem Weg zurück an die Weltspitze. Sie hat erst im vergangenen Jahr ihr Medizinstudium abgeschlossen und ist Mutter geworden

Dass die Nationalsegler nicht in allen Klassen, vor allem nicht in den deutschen Skiff-Paradedisziplinen glänzen konnten, lag nicht an mangelnder Leistung. Im 49er fehlen zu Saisonbeginn noch die Leistungsträger, weil sie aufgrund von Studien- oder beruflichen Verpflichtungen erst später einsteigen. Und der 29. Platz von Jakob Meggendorfer/Andreas Spranger (Bayerischer Yacht-Club) war nach imposantem Einstieg der Süddeutschen einer Erkrankung des Steuermanns und dem Aus zur Regatta-Halbzeit geschuldet. Auch im 49er FX waren aufgrund anderer Pläne keine aktuellen Kaderseglerinnen am Start. Hier geht es zu allen Gesamtergebnissen der Semaine Olympique Française (bitte anklicken!).

Meistgelesene Artikel