WM Ilca 7Rennsieg unter Druck – Philipp Buhl glänzt in Down Under auch ohne Medaille

Tatjana Pokorny

 · 30.01.2024

Spektakulär schönes Segeln erlebte Philipp Buhl am Vorschlusstag der Ilca-7-WM vor Adelaide
Foto: Ilca 2024 Adelaide/Down Under Sail
Die WM-Medaillen sind für Philipp Buhl bei der Ilca-7-WM nicht mehr erreichbar. Dennoch hat der Allgäuer – am Montag noch Siebter – am vorletzten Tag des vorolympischen Segelgipfels in Adelaide einen gewaltigen Satz nach vorn gemacht. Mit seinem Sieg im letzten Rennen vor dem Finale am Mittwoch tankte der Allgäuer maximales Selbstbewusstsein

Zwei Tage lang hat der so herausragend in die Ilca-7-WM gestartete Philipp Buhl in Adelaide massiv unter Druck gestanden. Der am Sonntag infolge eines Strafkringels eingefangene Streicher von 38 Punkten hat Buhl im WM-Endspurt stark belastet. Deutschlands bester Lasersegler wusste, dass er sich im Kampf um ein WM-Top-Ergebnis und maximal viele Punkte für sein Olympia-Ausscheidungskonto kein weiteres schwaches Ergebnis leisten durfte.

Entsprechend konzentriert und “vielleicht ein My vorsichtig” war der Weltmeister von 2020 am Montag in die Rennen sieben und acht gestartet. Mit den Rängen 9 und 6 kam er sauber über den Kurs. Danach lag er auf Platz sieben. Auf dieser Basis startete der 34-Jährige am Dienstag in die letzten beiden Rennen der Goldflotte vor dem Finale.

Unter Druck gepunktet: Buhl-Gala im Saint-Vincent-Golf

Mit Rang sechs und einem herausragenden Tagessieg katapultierte sich der für den Norddeutschen Regatta Verein und seinen heimischen Segelclub Alpsee-Immenstadt startende Ilca-7-Steuermann am Dienstag noch auf Platz vier im WM-Klassement der 153(!) Starter aus 52 Nationen.

“Er hatte viel Druck die letzten beiden Tage, vor allem im Vermeiden, sich einen weiteren Streicher einzufangen. Ich bin sehr zufrieden mit Philipps Leistung heute. Das hat er wirklich stark gemacht”, zollte DSV-Coach Alex Schlonski seinem Top-Athleten in Adelaide am Dienstag nach den Rennen 9 und 10 viel Respekt.

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Heute war ein Tag, wie ich ihn im Lasersegeln über ein Jahrzehnt nicht mehr hatte” (Philipp Buhl)

Alex Schlonski erklärte: “Philipp musste im Vergleich zu den Top-Jungs seit Sonntag mit Handicap fahren. Das hat er heute sehr gut gemacht. Er hat sehr gut agiert, ist zwei starke Rennen gefahren. Es zeichnet ihn aus, dass er das so gut bestanden hat.” Zwar kann Philipp Buhl trotz seiner Endspurt-Qualitäten am Mittwoch nicht mehr in den Kampf um die Medaillen eingreifen, weil ihn auf Platz vier mit 51 Nettopunkten 20 Zähler vom drittplatzierten Briten Micky Beckett (31 Punkte) trennen.

Dennoch hat Buhl an diesem Dienstag viel Selbstbewusstsein tanken können. Der viermalige WM-Medaillengewinner sagte bei seiner 15. Weltmeisterschaft: “Heute war ein Tag, wie ich ihn im Lasersegeln über ein Jahrzehnt nicht mehr hatte. Sonne, 20 bis 28 Knoten und eineinhalb bis drei Meter hohe Wellen bei angenehmen Temperaturen. Und bei diesen Bedingungen zwei lange, knapp 60 Minuten dauernde Wettfahrten!”

Es war hart, anstrengend und geil” (Philipp Buhl)

Buhl genoss die Champagner-Bedingungen aus vollem Herzen und sagte: “Im Zuge der Medialisierung von World Sailing gehen wir meist nur auf komische Reviere, nah ans Ufer, und segeln Medaillenrennen an Vormittagen, wenn kein Wind ist. Das heute war seit Langem mal wieder Lasersegeln vom Feinsten. Es war hart, anstrengend und geil.”

Der Vorschlusstag hat Philipp Buhl maximal fürs Finale motiviert. Auch wenn die Top Drei mit Olympiasieger und Titelverteidiger Matt Wearn (22 Punkte), dem Norweger Hermann Tomasgaar (30 Punkte) und Micky Beckett die Medaillen unter sich ausmachen werden. Buhl kann mit einem gelungenen Medaillenrennen WM-Platz vier sichern und nicht mehr schlechter als Sechster werden. Damit hat er seinen Status im Olympiakader souverän bestätigt und sich eine gute Ausgangsbasis für den Kampf ums Olympia-Ticket verschafft.

Ilca-7-WM: Nik Willim rückt im Endspurt wieder vor

Wie es im Ausscheidungsduell zwischen Buhl und seinem Team-Kameraden und Olympia-Rivalen Nik Willim vom Norddeutschen Regatta Verein am WM-Ende stehen wird, entscheiden Buhls Ergebnis im Medaillenrennen und Nik Willims letztes Goldfleet-Resultat am Mittwoch. Auch Willim hat sich am Vorschlusstag steigern können, rückte mit den Rängen 4 und 17 von Platz 21 auf Platz 14 vor.

Alex Schlonski sagte: “Nik ist heute im Schnitt einen zehnten Platz gefahren. Ich bin auch mit ihm sehr zufrieden. Das ist im Goldfleet für ihn eine gute Leistung bei den Bedingungen – für Nik persönlich ein Schritt nach vorn. Auch wenn es nicht ganz gereicht hat, um hier ins Medaillenrennen zu kommen und Philipp zu gefährden.”

Buhl erhöht Vorsprung in der Olympia-Ausscheidung

Rechenspiele zur detaillierten Bedeutung der WM-Ergebnisse wollen alle Beteiligten erst nach den Finalrennen anstellen. Klar ist aber jetzt schon, dass Buhl seinen Vorsprung von vier Punkten in der dreiteiligen Ausscheidungsserie im Kampf um die Olympia-Fahrkarte nach zwei von drei Regatten ausbauen wird. Die finale Entscheidung über die Besetzung des bereits gesicherten Ilca-7-Nationenstartplatzes bei den Olympischen Spielen in Marseille fällt beim Mallorca-Klassiker Trofeo Princesa Sofía im April.

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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