WM Ilca 7Brutale Stromstarts, gute Winde – Buhl kämpft, schwarzer Tag für Willim

Tatjana Pokorny

 · 29.01.2024

Deutschlands bester Ilca-7-Steuermann Philipp Buhl und DSV-Coach Alex Schlonski in Adelaide
Foto: Jack Fletcher/Down Under Sail
Im australischen Revier vor Adelaide geht die Ilca-7-WM in die Entscheidung. Vor den letzten beiden Rennen am Dienstag und dem Medaillenfinale am Mittwoch liegt Philipp Buhl auf Platz sieben. Ein Strafkringel hatte den Allgäuer am Sonntag im sechsten Rennen zurückgeworfen, bevor zu Wochenbeginn ein “sehr solides” Comeback erfolgte. Für seinen nationalen Rivalen im Kampf ums Olympiaticket dagegen war der WM-Montag ein schwarzer: Nik Willim fiel auf Platz 21 zurück

Für die beiden letzten Tage der Ilca-7-WM ist im Saint-Vincent-Golf vor Adelaide noch einmal schöner Wind um die 20 Knoten angesagt. Im Prinzip ist das eine frohe Kunde für den Powerplayer Philipp Buhl bei seinem Endspurt. Doch die fordernden Gewässer bergen auch Stolperfallen. Die Starts sind vor Adelaide maximal anspruchsvoll, weil sie in der Regel ab 13 Uhr Ortszeit mit Schiebestrom erfolgen.

Wir waren auf das Szenario vorbereitet, das dann auch kam: drei Black-Flag-Starts in der Goldfleet!” (Alex Schlonski)

DSV-Coach Alex Schlonski sagte am Montag in Adelaide: “Wir waren heute auf das Szenario vorbereitet, das dann auch kam: drei Black-Flag-Starts in der Goldfleet! Im letzten hat es dann leider Nik Willim erwischt.” Der 27-jährige Steuermann vom Norddeutschen Regatta Verein fing sich damit einen Frühstart-Streicher von 52 Punkten ein. Weil er auch im zweiten Rennen des Tages von einem zwischenzeitlichen 13. noch auf den 27. Rang zurückfiel, startet Nik Willim am Dienstag als 21. in die letzten beiden Rennen der Goldflotte. “Das hat ihm viel kaputtgemacht”, weiß nicht nur Alex Schlonski.

Besser lief es am Montag nach einem Strafkringel infolge einer verunglückten Tonnenrundung am Vortag für Philipp Buhl. Der Weltmeister von 2020 konnte seine Position im WM-Feld als Siebter (44 Punkte) am Dienstag mit den Rängen 10 und 9 konsolidieren. Drei Punkte nur trennen den 34-jährigen Allgäuer vom vierten Platz, den Jonatan Vadnai aus Ungarn nach acht Rennen mit 41 Punkten besetzte.

Für morgen und übermorgen ist jeweils guter Wind angesagt. Die Frage ist nur, ob er schon pünktlich zum ersten Start da sein wird” (Philipp Buhl)

Als Top Drei bilden der australische Olympiasieger und WM-Titelverteidiger Matt Wearn (16 Punkte), sein britischer Dauerrivale Michael Beckett (17 Punkte) und der Norweger Hermann Tomasgaard (20 Punkte) vor den letzten beiden Rennen bis zum Medaillenfinale aber schon eine Gruppe, die sich vom Feld abgesetzt hat. Ob ihre Verfolger noch einmal in den Kampf um die Medaillen eingreifen können, müssen die letzten zwei Goldflottenwettfahrten am Dienstag zeigen. Bislang sind die Top-Segler ohne schwerwiegenden Fehltritt geblieben.

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Philipp Buhl attestierte: “Sie sind auch heute stark gefahren. Aber ich bin zufrieden. Klar wären weniger Punkte besser gewesen, aber ich war heute bei stärkerem Wind nicht unnötig aggressiv an der Startlinie. Vielleicht ein My zu zurückhaltend, was dann eventuell die Ursache für keine ganz vorderen Platzierungen gewesen ist. Für morgen und übermorgen ist jeweils guter Wind angesagt. Die Frage ist nur, ob er schon pünktlich zum ersten Start da sein wird …”

Starke Starts erhofft

Seine Marschroute für die letzten beiden Rennen vor dem Finale hat Philipp Buhl klar vor Augen: “Meine Prio für morgen ist es, möglichst das im Training der letzten Monate Erlernte umzusetzen. Vor allem am Start und bei der Positionierung. Das lief im Training und bei den Testregatten super, bei der WM bisher aber eher mäßig. Wenn ich das in den Wettkampf transferiert bekäme, kann ich auf Augenhöhe mit den Top Drei segeln.”

So sieht es auch Trainer Alex Schlonski: “Wir werden morgen erneut schwierige Startsituationen zu meistern haben. Das erste der beiden Rennen am Dienstag könnte vielleicht noch in leichteren Winden um sieben bis zehn Knoten starten, bevor der stärkere Wind einsetzt. Man muss aber auch festhalten, dass Philipp sogar nach einem nicht so guten Start wieder nach vorn fahren kann.”

Wenn Philipp seinen Superspeed auspacken kann, ist noch viel drin” (Alex Schlonski)

Buhls Abstand zum Führungstrio erkläre sich, so Schlonski, durch die konstantere Serie der Top Drei: “Im 1:1-Vergleich ist Philipp bei diesen Bedingungen hier genauso gut. Die drei, die vorn liegen, segeln einfach sehr solide, hatten bislang weniger ‘Downs’.” Einer von ihnen ist Buhls langjähriger Trainingspartner Hermann Tomasgaard. Auch der Norweger beschreibt das Segeln in Down Under als anspruchsvoll: “Es ist kompliziert mit den vielen Drehern, dem Strom und viel Seegras.”

Seinem Top-Athleten Philipp Buhl traut Alex Schlonski im Endspurt der Ilca-7-WM aber noch einiges zu: “Philipp ist heute die viertbeste Serie des Feldes gefahren. Wir erwarten morgen noch einmal einen fordernden Tag. Aber wenn Philipp seinen Superspeed auspacken kann, dann ist noch viel drin.”

Eine WM, viele Aufgaben

Zwar würde Buhl nur zu gern um WM-Medaillen kämpfen, doch höhere Ziele sind bei dieser Ilca-7-WM andere: das Einfahren maximal vieler Punkte in der laufenden nationalen Olympiaausscheidung, die Erfüllung der Kriterien des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für seinen dritten Olympiastart und die Sicherung des individuellen Olympiatickets.

Dazu muss sich Philipp Buhl, der für den Norddeutschen Regatta Verein und seinen heimischen Segelclub Alpsee-Immenstadt startet, nicht nur gegen seinen nationalen Rivalen und Vereinskameraden Nik Willim durchsetzen, sondern am Ende der dreiteiligen Ausscheidungsserie, die beim Mallorca-Klassiker Trofeo Princesa Sofía im April ihren Abschluss findet, auch rechnerisch einen Top-Ten-Platz im internationalen Vergleich erkämpft haben. Diesen Zielen kann Philipp Buhl mit einem starken WM-Abschluss sehr nahe kommen.

Das australische Traumrevier von Adelaide fordert auch die Besten – die Höhepunkte vom 4. Tag der Ilca-7-WM:

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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