Trofeo Princesa SofíaVier Olympia-Tickets vergeben, vier offen, zwei verpasst

Tatjana Pokorny

 · 06.04.2024

Ilca-7-Steuermann Philipp Buhl löste sein Olympia-Ticket souverän
Foto: Sailing Energy/Trofeo Princesa Sofía Mallorca
Die Besten aus dem German Sailing Team haben sich bei der Trofeo Princesa Sofía in Spanien die ersten Olympia-Fahrkarten gesichert: Philipp Buhl (Ilca 7, NRV/SCAI), Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer (Nacra 17, Kieler Yacht-Club), Theresa Marie Steinlein (iQFoil Frauen, NRV) und Windsurfer Sebastian Kördel (iQFoil Männer, NRV) haben alle Nominierungsbedingungen auf Kurs Marseille erfüllt.

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Es stand viel auf dem Spiel für Deutschlands beste Olympiasegler in dieser spanischen Woche bei der Trofeo Princesa Sofía vor Mallorca. In der Bucht von Palma ging es für Kandidaten vom German Sailing Team um die Olympiafahrkarten. Für sieben Disziplinen markierte der Spanien-Klassiker schon die letzte von drei Ausscheidungsregatten.

In vier Klassen konnten Philipp Buhl (Ilca 7), Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer (Nacra 17), Sebastian Kördel (iQFoil Männer) und Theresa Marie Steinlein (iQFoil Frauen) alle Nominierungsbedingungen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) erfüllen. Sie dürfen voraussichtlich im Juni mit ihrer Nominierung für den Einsatz bei den Olympischen Spielen rechnen. Dabei einte die Olympia-Dritten Kohlhoff/Stuhlemmer (8. in Spanien) und den 2022er-Windsurf-Weltmeister Basti Kördel (18. in Spanien), dass sich in die Freude über die gelungene Olympia-AUsscheidung ein wenig Enttäuschung über ihre Leistung in der Bucht von Palma mischte.

Schließlich aber überwog die Freude. Paul Kohlhoff sagte: “Wir wollen mehr als wir hier in dieser Woche zeigen konnten. Und wir können auch mehr. Wir sind aber stolz darauf, zum zweiten Mal gemeinsam bei Olympischen Spielen antreten zu können.” Für Steuermann Kohlhoff werden es sogar die dritten Spiele sein. Sebastian Kördel steuert seine Premiere ebenso an wie Theresa Marie Setinlein, die erst 2020 in den Windsurfsport eingestiegen war und eine steile Aufwärtskurve absolviert hat.

Ilca 6 und 49er: Nominierungshürden nicht genommen

Für die Klassen Ilca 6 und 49er dagegen waren die Nominierungshürden auf Kurs zu den Spielen der XXXIII. Olympiade zu hoch. Die Berliner Ilca-6-Steuerfrau Julia Büsselberg konnte zwar in Spanien mit Platz sechs noch einmal glänzen, doch reichte es für sie in der Addition von WM-Platz 31, EM-Platz 23 und der Trofeo-Leistung nicht zur geforderten Platzierung in den Top-Ten-Nationen.

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Dieses Ziel verfehlten auch die deutschen 49er-Männer. Ihnen fehlt zusätzlich das individuelle Top-Zwölf-Ergebnis, dass sie bei mindestens einer ihrer drei Ausscheidungsregatten hätten erreichen müssen. Nun finden voraussichtlich erstmals seit der Jahrtausendwende und der 49er-Premiere in Sydney 2000 Olympische Spiele ohne die traditionell starken deutschen 49er-Crews statt, für die zuletzt 2016 und 2021 Erik Heil und Thomas Plößel in Rio de Janeiro und Enoshima zweimal in Folge olympisches Bronze gewonnen hatten.

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49erFX-Kader kämpft um den Nationenstartplatz

Eine offene Aufgabe haben die deutschen Skiffseglerinnen im 49erFX noch zu lösen. Hier haben Marla Bergmann und Hanna Wille vom Mühlenberger Segel-Club mit Platz fünf bei der Trofeo Princesa Sofía die Ausscheidung souverän gewinnen können. Ihnen fehlt aber noch der Nationenstartplatz. Um den werden – pro Bergmann/Wille – bei der Last Chance Regatta im April vor Hyères alle deutschen FX-Crews kämpfen, auch wenn der Platz nur von den beiden jungen Hamburgerinnen besetzt werden kann. “Wir haben uns diese gegenseitige Unterstützung vor Ausscheidungsbeginn versprochen”, sagte Marla Bergmann. Und weiter: “Wir sind optimistisch, dass wir den Nationenstartplatz schaffen können.”

Offen bleibt bis zur WM im Mai der Ausgang der Olympia-Ausscheidung der Kiter. Bei den Frauen ist Leonie Meyer jedoch hierzulande unangefochten auf Erfolgskurs. Die Top-Akteurin vom Norddeutschen Regatta Verein hat bei bislang zwei Ausscheidungsregatten gut vorgelegt und steuert ihr Olympiaziel nach Platz drei bei der Trofeo in starker Position an. Bei den Kite-Männern dauert das Duell zwischen Jannis Maus (Cuxkiters e.V.) und Flo Gruber (NRV) bis zur WM an. Hier führt nach der am Samstag zu Ende gegangenen Trofeo Princesa Sofía Jannis Maus (6. in Spanien) mit 28:15 Punkten vor Flo Gruber (10. in Spanien).

Der 470er-Ausscheidungskrimi dauert an

Spannend bis zum Schluss bleibt der deutsche 470er-Mixed-Ausscheidungskrimi. Dazu trug am Finaltag der Trofeo Princesa Sofía bei, dass ausgerechnet das Medaillenrennen für die gemischten Zweihand-Crews in arg flauen Winden entfiel. Insbesondere den Ausscheidungsspitzenreitern Simon Diesch und Anna Markfort (Württembergischer Yacht-Club) erschien das Pech als ärgerliches Déjà-vu. Sie hatten schon bei der WM in Bestform zu schlucken, dass sie als Vierte durch das entfallene Medaillenfinale keine Chance mehr bekamen, noch um einen Podiumsplatz zu kämpfen. Nun ist ihnen das zum zweiten Mal in Folge passiert.

„Wir sind mit einem guten Punktepolster hier gestartet. Jetzt ist es kleiner, aber immer noch nicht weg“, hielt Anna Markfort am Samstagnachmittag am Strand in S’Arenal fest. Die national stärksten Olympia-Rivalen Malte und Anastasiya Winkel (Schweriner Yacht-Club/NRV) dagegen behielten ihren über fünf Tage bei vielen Qualifikations- und wenigen Goldflottenrennen erkämpften dritten Platz. Damit konnte das segelnde Ehepaar aus Kiel seinen Rückstand auf Diesch/Markfort nach zwei von drei Ausscheidungsregatten von acht auf fünf Punkte reduzieren.

Vor der dritten und entscheidenden Ausscheidungsregatta im Rahmen der 470er-Mixed-EM im Mai in Cannes führen in der heftig umkämpften deutschen Weltklasse-Gruppe im Kampf um nur eine Olympia-Fahrkarte weiter Simon Diesch/Anna Markfort (34 Punkte) vor den näher gerückten Malte Winkel/Anastasiya Winkel (29 Punkte), Theresa Löffler/Christopher Hoerr (Deutscher Touring Yacht-Club/Segelclub Breitbrunn Chiemsee, 19 Punkte), Luise Wanser/Philipp Autenrieth (NRV/Bayerischer Yacht-Club, 18 Punkte) und Theres Dahnke/Matti Cipra (Plauer Wassersportverein, 10 Punkte).

Platz zehn in der Nationenwertung und drei Medaillen

Die Bilanz des German Sailing Teams fiel bei der unter olympischem Ausscheidungsdruck bestrittenen Trofeo Princesa Sofía überwiegend positiv aus. Die Nationalsegler schlossen die Regatta mit 1100 Aktiven auf knapp 850 Booten und Boards aus 76 Ländern als Zehnte der Länderwertung ab, die Italien vor Norwegen, Frankreich und Spanien gewann. Die deutschen Segler zählten ohne einige in der Finaltag-Flaute entfallenen Medaillenrennen aber zu den nur fünf Nationenteams, die mit einmal Silber und zweimal Bronze mehr als zwei Medaillen holen konnten.

Bester Einzelstarter war vor Mallorca Philipp Buhl, der in den von ihm nicht übermäßig geliebten leichten Winden der letzten Tage fokussiert agierte. Im Medaillenfinale setzte er sich als Sechster im Duell um Silber gegen Sparring-Partner Jean-Baptiste Bernaz durch. Der 34-Jährige Buhl konnte in der Gesamtwertung auch den amtierenden Weltmeister und Olympiasieger Matt Wearn hinter sich lassen, musste sich als Zweiter im größten olympischen Feld der 193 Ilca-7-Steuermänner nur dem Briten Michael Beckett geschlagen geben.

Es sind neben einer Handvoll weiterer starker Konkurrenten vor allem diese beiden Ausnahmesegler – Beckett und Wearn – die Buhl mit Blick auf seine vorausliegende dritte Olympiateilnahme im Visier hat. Beckett und Wearn haben sich in den vergangenen eineinhalb Jahren in der Ilca-7-Klasse leicht absetzen können. Buhl ist auf gutem Weg, sie wieder einzufangen.

Die Höhepunkte vom Finaltag:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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