Trofeo Princesa SofíaIn fünf Klassen in den Top-Drei – Kohlhoff/Stuhlemmer mit Auftaktgala

Tatjana Pokorny

 · 02.04.2024

Tag zwei der Trofeo Princesa Sofía servierte leichtere Winde und traumschöne Segelbilder
Foto: Sailing Energy/Trofeo Princesa Sofía Mallorca
Das German Sailing Team hat auch am zweiten Tag des Spanien-Klassikers Trofeo Princesa Sofía auffällig gut agiert. Deutsche Segler und Kiter sind in fünf der zehn olympischen Disziplinen in den Top-Drei platziert. Die Olympia-Dritten Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer stiegen als Spitzenreiter nach den ersten vier Nacra-17-Rennen mit einer Galavorstellung in die sechstägige Serie ein, bei der es für viele der besten GER-Starter um wichtige Punkte für ihre Olympia-Qualifikation geht

Themen in diesem Artikel

Nach dem Starkwind-Auftakt am Ostermontag ging es bei der Trofeo Princesa Sofía am Dienstag moderater zu. Weil am Vortag in Winden bis 28 Knoten nur fünf der zehn olympischen Flotten zum Einsatz kamen, mussten die nicht geforderten Disziplinen am Dienstag ein umfangreiches Nachholprogramm absolvieren. So auch das Feld der 48 foilenden Nacra-17-Katamarane mit den Kielern Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer. Das Duo stieg mit einer Gala in leichten bis mittleren Winden in den Spanien-Klassiker ein, führt die Flotte nach vier Rennen und den Rängen 2, 3, 4 und 2 an.

Kohlhoff/Stuhlemmer stark in leichten Winden

Die Freude darüber war Steuermann Paul Kohlhoff am späten Nachmittag im Bootspark in S’Arenal anzusehen. Die olympische Segelsaison in oft ungeliebten milderen Bedingungen nach langem und hartem Wintertraining so eröffnen zu können, bedeutet seinem Nacra-17-Duo viel, auch wenn Steuermann Kohlhoff sagte: “Das war natürlich nur ein Tag, den wir nicht überbewerten wollen. Aber wir hatten heute vier gute Starts in vier Rennen in Winden um zehn Knoten. Viermal Top Ten wäre schon gut gewesen. Jetzt ist es halt noch ein bisschen besser ...”

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Wellenliebhaberin Alica Stuhlemmer hatte am Vortag bedauert, dass die Nacra-17-Flotte zu jenen fünf Klassen zählte, die nicht in die Powerplay-Bedingungen geschickt worden waren. Am Dienstag ging es auf den Kursen moderater zu, doch, so Stuhlemmer mit Augenzwinkern, “da war auch noch Restwelle”. Die Olympia-Dritten vom Kieler Yacht-Club waren in ihrem Element und zeigten auf Anhieb, dass sie nach dem überraschenden Abgang ihres Trainers Marcus Lynch zu Beginn des Jahres ihre Hausaufgaben gemacht haben.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Ilca-7-Steuermann Philipp Buhl büßte seine am Vortag mit zwei Rennsiegen erfochtene Führung zwar mit den Rängen 5 und 14 ein, behauptet sich aber als Gesamt-Zweiter in der mit 193 Einhandjollen größten Flotte weiterhin herausragend. Sein Tagesfazit: “Heute waren es typische Palma-Bedingungen: die übliche Startverschiebung am Anfang, schönes warmes Wetter, wenig Wind. Etwas später kam eine hübsche kleine Seebrise, bevor auch die wieder einschlief. Es waren die üblichen komplizierten Entscheidungen zu treffen.”

Buhl als Zweiter in die Goldflotte

Als einzige kleine Schwäche des Tages machte Philipp Buhl bei sich selbst verlorenen Boden auf einem Vorwind-Abschnitt aus. Dazu lächelte er und sagte: “Die Bedingungen in den kommenden Tagen werden voraussichtlich ähnlich sein. Da kann ich noch reichlich üben.” Für die Ilca-7-Steuermänner markiert die Trofeo Princesa Sofía bereits die letzte ihrer drei Ausscheidungsregatten im Kampf um nur eine Olympia-Fahrkarte. Im Duell mit Nik Aaron Willim führte Buhl vor dem Start nach den ersten beiden Regatten mit 26:12. Beide starten für den Norddeutschen Regatta Verein, Buhl auch für seinen heimischen Segelclub Alpsee-Immenstadt.

Nik Willim segelte an Tag zwei der spanischen Woche mit den Rängen 8 und 3 als 19. im Aufwind. Für eine positive Überraschung sorgte in Palma auch Nico Naujock vom Verein Seglerhaus am Wannsee, der nach vier Wettfahrten als Neunter in dem mit allen Weltklasseseglern gespickten Feld in den Top Ten agierte. Bei den Ilca-6-Frauen verteidigte Hannah Anderssohn nach ihrem fulminanten Auftakt am Vortag mit den Rängen 6 und 37 Platz fünf mit vier Punkten Vorsprung vor der dänischen Olympiasiegerin Anne-Marie Rindom.

Ehepaar Winkel verteidigt 470er-Mixed-Führung

Für Deutschlands führende 470er-Mixed-Crews ist die Trofeo in der Bucht von Palma die zweite von drei Ausscheidungsregatten. Im spannenden Ringen ums Olympia-Ticket führten nach dem ersten Kräftemessen die WM-Vierten Simon Diesch/Anna Markfort. Vor Palma sind nach drei Wettfahrten weiter Malte und Anastasiya Winkel Spitzenreiter vor den WM-Zweiten Vita Heathcote und Chris Grube (Großbritannien) sowie den amtierenden spanischen Weltmeistern Jordi Xammar/Nora Brugman.

Der größte Satz nach vorn gelang am zweiten Renntag der 470er-Mixed-Crews den 2022er-Weltmeistern Luise Wanser und Philipp Autenrieth, die sich mit einem zweiten Rang im einzigen Rennen des Tages auf Platz fünf katapultierten. Theres Danhnke/Matti Cipra (Plauer Wassersport-Verein) und Simon Diesch/Anna Markfort (Württembergischer Yacht-Club/Verein Seglerhaus am Wannsee) folgten nach drei Rennen zunächst auf den Plätzen acht und zwölf.

Kiterin Leonie Meyer in den Top-Drei

Bei den neuolympischen Kiterinnen glänzte am Dienstag NRV-Athletin Leonie Meyer, die nach ihrer bisherigen Serie (6, 10, 1, 3, 2, 4, 17) am Dienstagabend auf Platz drei lag. Für die nationale konkurrenzlos gute Formula-Kiterin markiert die Trofeo Princesa Sofía bei bereits gesichertem Nationenstartplatz die zweite von drei Ausscheidungsregatten auf Kurs Olympia 2024.

Für Leonie Meyer geht es “nur” noch darum, sich am Ende der drei Ausscheidungsregatten in den Top-Ten-Nationen zu platzieren. Sie ist auf gutem Kurs dahin. Die national unangefochten gute Kiterin weiß aber auch genau, was sie dafür bei der Trofeo erreichen will: “Ich hätte gerne einen großen Puffer, wenn ich zur WM fahre. Bei uns Kitern kann immer viel passieren. Wenn sich zwei verheddern, kann es auch schnell mal vorbei. sein.” Die finale Entscheidung über Leonie Meyers angestrebte Olympia-Premiere fällt wie bei den Kite-Männern bei der WM im Mai. Leonie Meyers Teamkollegen Jannis Maus (Cuxkiters e. V.) und Florian Gruber (NRV) greifen bei der Trofeo Princesa Sofía am Mittwoch von den Plätzen neun und elf an.

Im iQFoil brauchte Sebastian Kördel etwas Anlauf, bis er sich über einen Sieg im vierten Rennen freuen konnte. Der Weltmeister von 2022 und Vize-Weltmeister von 2023 war mit verpatzter WM überraschend unglücklich in die Saison eingestiegen und kämpft bei der Trofeo nun um seinen Olympia-Start. Er wird am Mittwoch als 18. nach vier Läufen hungrig in die Folgerennen gehen. Teamkameradin Theresa Steinlein (NRV) lag nach drei Läufen bei den iQFoil-Windsurferinnen auf Platz elf.

Hohe Olympia-Hürden für deutsche Skiffsegler

Ein besonderes Augenmerk gilt bei der Trofeo Princesa Sofía den deutschen Skiffseglern und -seglerinnen. Beiden noch vor drei Jahren in Enoshima mit olympischem Bronze und olympischem Silber hochdekorierten Disziplinen fehlt noch der Nationenstartplatz für die Olympia-Regatta, den alle anderen acht Disziplinen bereits gesichert haben. Diesen Nationenstartplatz könnten die besten 49er- und 49er-FX-Crews bei der Last Chance Regatta Ende April in Hyères holen.

Davor aber steht auch bei ihnen die notwendige Platzierung in den Top-Ten-Nationen am Ende der drei Ausscheidungsregatten, was für die 49er-Segler nach bislang eher mauen Ergebnissen längst zur Riesenherausforderung geworden ist. Und: Für die Skiffsegler markiert die Trofeo bereits die letzte Ausscheidungsregatta, also ihre letzte Chance. Die Männer haben auch noch die zweite Qualifikationshürde des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) zu nehmen, müssen in Spanien individuell Platz zwölf oder besser belegen, wollen sie sich als Olympia-Kandidaten ins Spiel bringen.

Zum Auftakt der 49er-Serie überraschten am Dienstag in Spanien Fabian Rieger und Tom Heinrich mit zwei Tagessiegen und den Rängen 2 und 11 als Gesamtzweite nach vier Wettfahrten. Jakob Meggendorfer/Andreas Spranger und Max Stingele/Linov Scheel starten am Mittwoch als Zehnte und Elfte in ihren zweiten Renntag. Beste deutsche 49er-FX-Crews waren am Dienstag Anna Barth/Emma Kohlhoff (Kieler Yacht-Club) und Marla Bergmann/Hanna Wille (Mühlenberger Segel-Club) auf den Plätzen zehn und zwölf.

Ballermann! Der Rückblick auf die Auftaktrennen am Ostermontag in furiosen Bedingungen:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

Meistgelesen in der Rubrik Regatta