Trofeo Princesa SofíaHalbzeit in Palma – Winde wie Aprilsscherze

Tatjana Pokorny

 · 01.04.2026

Verträumte Bildkunst von den Sailing-Energy-Fotografen.
Foto: Sailing Energy/Trofeo Princesa Sofía Mallorca
Zur Halbzeit der ersten Sailing Grand Slam Regatta der neuen Saison sind in den olympischen Disziplinen neun GER-Boote in den Top-Ten platziert. Im Zwischenstand der Nationenwertung liegt Deutschland bei der Trofeo Princesa Sofía Mallorca auf Platz elf. Dabei soll es bis zum Samstagfinale nicht bleiben.

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Viele der “üblichen Verdächtigen” liegen nach der ersten Halbzeit in der Bucht von Palma vorne: Spanien, die USA und Großbritannien führen bei der Trofeo die Nationenwertung an. Es folgen Schweden, Italien, Australien, Polen, die Niederlande, Irland und Frankreich. Dahinter belegt Team Germany Platz elf unter jenen 19 Nationen, die zu diesem Zeitpunkt bei der Auftaktregatta des Sailing Grand Slam 2026 mindestens einen Podiumsplatz halten.

Full House in Palma, Scheel/Feilcke zur Halbzeit Zweite

Insgesamt sind beim Spanienklassiker mehr als 1100 Segler und Seglerinnen in zehn olympischen Disziplinen im Einsatz. Sie repräsentieren 62 Länder. Damit zeichnen sie nicht nur ein stark mutlinationales Bild des Segelsports, sondern auch die anhaltend sehr hohe Anziehungskraft des spanischen Regattamagneten.

Zwei GER-Boote lagen zur Halbzeit auf Podiumsplätzen. Ihre Crews sind bereits bestens bekannt, die aktuelle Güte trotzdem eine positive Überraschung: Bei den 49erFX-Frauen haben Maru Scheel und Freya Feilcke vom Kieler Yacht-Club mit zuletzt drei dritten Rängen in Serie auf Platz zwei katapultiert. “Es war heute sehr drehig und böig da draußen. Es war wichtig, die richtigen Lanes zu finden. Maru hat da einen sehr schönen Job gemacht”, attestierte Vorschoterin Freya Feilcke ihrer Steuerfrau. Maru Scheel ist sicher: “Am Ende wird im neuen Format die Konstanz der Schlüssel sein.”

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Maru Scheel und Freya Feilcke starten im “Weltmeister-Sandwich” in den vierten der sechs Wettfahrttage, die mit den Doppel-Finals am Samstag vor Ostern zu Ende geht. Vor ihnen liegen punktgleich die amtierenden spanischen Weltmeisterinnen Paula Barcelo und Maria Cantero. Hinter ihnen die frühere Weltmeisterin Vilma Bobeck mit Ebba Berntsson aus Schweden. In die Top Ten haben sich auch die Olympia-Sechsten Marla Bergmann und Hanna Wille vom Mühlenberger Segel-Club gesegelt. Das Duo von der Elbe eröffnet Halbzeit zwei der Trofeo Princesa Sofía Mallorca by Fergus Hotels von Platz acht.

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Ole Schweckendiek stürmt den Mallorca-Gipfel

Auffällig stark agiert in der Bucht von Palma auch der erst 21 Jahre alte Kieler Ole Schweckendiek. Im August vergangenen Jahres noch U21-Weltmeister, heizt der Ilca-7-Steuermann jetzt schon den Großen im stets größten olympischen Feld der olympischen Solojollen ein. Dass ihm das in der ersten Halbzeit in vorwiegend stärkeren Winden gelungen ist, verdient ein besonderes Ausrufezeichen. “Wir hatten die letzten drei Tage echt schwierige Bedingungen, waren einmal acht und zweimal sechs Stunden auf dem Wasser”, sagte Ole Schweckendiek am Abend in Palma.

Es war tatsächlich relativ viel Wind, was nicht so ganz mein Spezialgebiet ist. Die Arbeit im Winter hat sich da gut ausgezahlt. Das ist deutlich besser geworden.” Ole Schweckendiek

Der Aufsteiger vom Kieler Yacht-Club bleibt liegt nach insgesamt sechs Rennen inklusive der ersten Goldflottenwettfahrt auf Platz drei hinter Doppel-Olympiasieger Matt Wearn aus Australien und dem viermaligen britischen Trofeo-Gewinner Michael Beckett. Hinter sich gelassen hat Schweckendieck bislang 195 (!) Verfolger. Für Schweckendiek aber kein Grund zum Abheben. Er sagt zu den Gründen für die bis hierhin herausragende Leistung: “Ich glaube, die Lockerheit ist ganz gut wieder da.”

Ich verkompliziere die Sachen nicht so sehr, fahre einfach mein Ding, deswegen läuft es ganz gut.” Ole Schweckendiek

“Ganz gut” ist gut untertrieben. Schweckendiek hat in einem von drei gemeinsamen Gruppenrennen Matt Wearn schlagen können und sagt: “Es ist auf jeden Fall ein guter Schritt, dass ich bei viel Wind mit Wearn und den anderen mithalten kann. Es ist schon etwas ganz Besonderes da vorne mitzufahren. Und das schon relativ konstant. Das ist ein guter Zwischenstand, aber ich glaube auch, dass da immer noch ein bisschen was fehlt. Ein bisschen ist mir heute zugute gekommen, dass es relativ drehig und ein bisschen tricky war. Also kein reines Speedrennen. Das war ganz gut so.”

Weniger Wind in Halbzeit zwei erwartet

Weitere gute Nachrichten gab es für den jungen Kieler noch dazu, denn die Winde sollen in den kommenden Tagen nachlassen. “Die zweite Hälfte soll leichter werden, morgen mittlere Winde, am Freitag dann leichte Winde”, sagt Ole Schweckendiek. Und dies dazu: “Da freue ich mich drauf, denn das ist ja mein Spezialgebiet.” Mit Julian Hoffmann (Segelclub Alpsee-Immenstadt) konnte sich ein zweiter Perspektivkadersegler des German Sailing Teams zur Halbzeit der Trofeo Princesa Sofía Mallorca als Siebter ebenfalls in den Top Ten behaupten.

Auch NRV-Steuermann Nik Aaron Willim und Justin Barth vom Berliner Yacht-Club sind als Elfter und Zwölfter dran an den besten Zehn. Brutal hat es indessen Philipp Buhl erwischt: Nach zwei Tagen noch bester deutscher Ilca-7-Steuermann, stürzte er mit einem “DNC” für ein verpasstes Rennen auf Platz 30 ab. Das neue Testformat für die Olympiasegler sorgt dafür, dass die in der Qualifikation ersegelten Punkte zu nur einem Wert – in Buhls Fall mit nur neun Zählern das beste deutsche Zwischenergebnis – zum sogenannten “CF PS” (steht für “Carry Forward/Preliminary Series”) zusammengeschmolzen werden.

Dazu gesellten sich beim Allgäuer dann schwerwiegende 52 Punkte für das verpasste Rennen, was ihn vorerst aus den Top Ten in die Tiefe katapultierte. Die Buhl schon seit einer Woche plagende heftige Erkältung hatte doch ihren Tribut gefordert. Dieses eine schwarze Rennergebnis ist aber im Gegensatz zum “CF PS” im weiteren Verlauf der Hauptrunde streichbar. Bei den Ilca-6 Seglerinnen zeigt bislang die Berliner Olympiastarterin Julia Büsselberg, dass mit ihr auch in dieser Saison zu rechnen ist: Die 25-jährige Mathematik-Studentin besetzte im Feld von 147 Starterinnen nach fünf Rennen Platz sieben.

Starke deutsche Duos auch im 49er und im 470er-Mixed

Auch im 470er-Mixed lagen zur Halbzeit der Trofeo Princesa Soia Mallorca mit dem Olympiateilnehmern Simon Diesch/Anna Markfort (7.) und Theresa Löffler/Christopher Hoerr (9.) zwei deutsche Crews in den Top Ten in Lauerstellung. Sogar noch besser standen die 49er-Männer vom German Sailing Team da: Moritz Dorau/Riko Rockenbach (Württembergischer Yacht-Club) und Richard Schultheis/Fabian Rieger (NRV/VSaW) greifen am Donnerstag von den Plätzen fünf und sechs aus an.

Dazu noch der Blick auf die Kiter, wo Jan Vöster vom Württembergischen Yacht-Club und der Olympia-Fünfte Jannis Maus vom Verein Cuxkiters auf den Plätzen elf und 14 weiter nach oben drängen wollen. Hier geht es zu allen Zwischenständen bei der Trofeo Princesa Sofía Mallorca. Das Schlusswort gehört an diesem Tag dem viermaligen Trofeo-Gewinner Michael Beckett aus Großbritannien. Der sagte nach Rang zwei im ersten Goldfleet-Rennen der Ilca-7-Segler am 1. April: “Aprillscherze? Der ganze Tag kam mir ein bisschen wie ein schlechter Witz vor, aber leider war es keiner.”

Dazu erklärte Beckett: “Der Wind da draußen war so unbeständig, dass manche dieser Winddreher einfach unglaublich waren. Die Anzahl der Male, die ich meine Jacke an- und ausgezogen habe, ist ein neuer Rekord. Ich war am Ende ernsthaft dehydriert, weil ich in den letzten Tagen so lange in der Sonne gebacken habe. Ich bin verdammt müde.”

Der Trailer zur 55. Trofeo Princesa Sofía Mallorca zeigt, worum es beim Saisonauftakt der Olympiasegler geht:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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