Trofeo Princesa SofíaGewinne und Verluste im Flautenpoker vor Palma

Tatjana Pokorny

 · 04.04.2024

Da huscht Philipp Buhl auf dem Wasser ein Lächeln übers Gesicht. Der Allgäuer rückte an einem fordernden Leichtwind-Tag auf Platz zwei vor
Foto: Sailing Energy/Trofeo Princesa Sofía Mallorca
Der Auftakt zur zweiten Halbzeit des Spanien-Klassikers Trofeo Princesa Sofía war am Donnerstag ein zähes Geschäft in der Bucht von Palma. Während einige der Top-Akteure vom German Sailing Team gut über die löchrigen Leichtwind-Kurse kamen, mussten andere mehr als nur ein paar Federn lassen. Und manche kamen gar nicht zum Zug …

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Schöne Gewinne und herbe Verluste ließen sich an diesem vierten Renntag der Trofeo Princesa Sofía gut an zwei bekannten deutschen Erfolgsteams festmachen: Philipp Buhl im Ilca 7 und Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer im Nacra 17. Philipp Buhl kam in den auch von ihm nicht überaus geliebten leichten drehenden Winden mit den Rängen 13 und 3 so gut durch, dass er auf Platz zwei vorrückte.

Buhl kämpft mit Beckett und Wearn

Das hart umkämpfte größte olympische Feld der Ilca-7-Segler führt weiter der Brite Michael Beckett an, der sich am Donnerstag nach zwei allgemeinen Rückrufen jedoch einen Frühstart leistete. Hinter Buhl lauert Olympiasieger Matt Wearn, auf den sich Buhl inzwischen aber 14 Punkte Vorsprung erarbeiten konnte. Zwei Rennen haben die Olympia-Solisten bis zum Medaillenfinale noch zu absolvieren.

Philipp Buhl beschrieb die Herausforderungen des Tages so: “Die Winde waren leicht und ziemlich drehend, die Windstärke pulsierend, mal mehr, mal weniger, nicht rhythmisch, schwer vorhersehbar. Deswegen bin ich mit meinen Ergebnissen sehr zufrieden.” Der 34-Jährige erklärte weiter: “An einem Tag wie heute gibt es etwa 30 bis 40 Prozent Unvorhersehbarkeit. An normalen Tagen sind es eher zehn Prozent. Wenn du es dann schaffst, wachsam zu sein, kannst du die anderen 60 bis 70 Prozent beeinflussen.” Das ist dem Steuermann, der für den Norddeutschen Regatta Verein und seinen heimischen Segelclub Alpsee-Immenstadt startet, an diesem Tag gut gelungen.

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Erwähnenswert ist auch die Leistung seines zehn Jahre jüngeren Teamkameraden Niko Naujock vom Verein Seglerhaus am Wannsee. Der Berliner lag im Weltklassefeld nach acht Rennen auf Platz acht, konnte sich bereits dreimal auf Top-Drei-Rängen behaupten. Nik Aaron Willim war vor den letzten beiden Goldflottenrennen Zwölfter.

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Flaue Winde stoppen Kohlhoff/Stuhlemmer

Ganz anders als Philipp Buhl erlebten Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer den Donnerstag in der Bucht von Palma, die sich in türkisglitzernder Sommerlaune präsentierte, aber zu wenig Wind für die Crew vom Kieler Yacht-Club zu bieten hatte. Die norddeutschen Nacra-17-Asse waren als Spitzenreiter in ihre vier Rennen des Tages gestartet. Sie kehrten als Neunte des Klassements in den Hafen von S’Arenal zurück. Dazwischen kassierten sie mit den Rängen 35, 12 und 33 zweimal “Höchststrafen” in genau dem einzigen kleinen Windfenster von vier bis sieben Knoten, das dem Duo vom Kieler Yacht-Club weniger liegt.

Wir waren zu langsam. Es fehlte Speed am Wind” (Paul Kohlhoff)

“Es war für uns keine Riesenüberraschung, dass wir uns in diesem speziellen Bereich schwerer tun, auch wenn wir hart daran arbeiten und das Fenster schon verkleinert haben”, zog Paul Kohlhoff Bilanz. Er zählt bei 1,87 Meter Größe zu den schwersten Steuermännern der Flotte. Das Speed-Problem, dass die Kieler an diesem speziellen Tag hatten, löst sich in der Regel schon bei ein, zwei Knoten mehr Wind in Wohlgefallen auf. Am Donnerstag aber kannten die flauen Winde kein Erbarmen. “Wir waren zu langsam, es fehlte Speed am Wind”, lautete deshalb Paul Kohlhoffs ungeschöntes Fazit.

Bei den Ilca-6-Solistinnen konnte Julia Büsselberg vom Verein Seglerhaus am Wannsee mit einem Rennsieg und dem folgenden 26. Rang vor den ausstehenden zwei Rennen bis zum Finale auf Platz neun vorrücken. Sie wird am Freitag um ihren Platz im Medaillenrennen der Top Ten kämpfen, den die so stark in die Serie eingestiegene Hannah Anderssohn vom Warnemünder Segel-Club als 41. kaum mehr erreichen kann. Auffällig ist vor Mallorca, dass sowohl die amtierende Olympiasiegerin Anne-Marie Rindom (14.) aus Dänemark als auch die dreimalige olympische Medaillengewinnerin Marit Bouwmeester (12.) nach mauen Ergebnissen am flauen Donnerstag am Freitag um den Einzug ins Finale kämpfen müssen.

Bergmann/Wille mit einer Hand am Olympia-Ticket

Im 49er FX verteidigten Marla Bergmann und Hanna Wille ihren dritten Platz mit den Rängen 8, 9, 9 und 14. Das junge Aufsteiger-Duo vom Mühlenberger Segel-Club, das in der internen Olympia-Ausscheidung von ihren nationalen Konkurrentinnen bei ihrer letzten Ausscheidungsregatta nicht mehr einholbar ist, hat eine Hand am Olympia-Ticket. Was der 22-jährigen Steuerfrau und ihrer 23-jährigen Vorschoterin zur Olympia-Premiere noch fehlt, ist der Nationenstartplatz.

Drei letzte Nationenstartplätze werden bei der Last Chance Regatta vom 20. bis 27. April in Hyères im 49er FX vergeben. Einen wollen die Hamburgerinnen. Ob sie ihn selbst holen oder Schützenhilfe von Teamkameradinnen aus dem Germany Sailing Team bekommen, macht keinen Unterschied. Es muss nur eine GER-Crew gut genug abschneiden im Kampf mit weiteren 49er-FX-Ländern, die noch keinen Nationenstarplatz für die Olympia-Regatta sichern konnten. Es ist möglich und in der Vergangenheit passiert, dass eine andere deutsche Crew den Nationenstartplatz holte, aber Bergmann/Wille ihn als Ausscheidungssiegerinnen besetzten.

Der Nationenstartplatz fehlt auch den 49er-Männern noch, die bei der Trofeo Princesa Sofía am Freitag um den Einzug ins Medaillenrennen ringen. Sie haben bei ihrer schon letzten Ausscheidungsregatta außerdem noch die geforderte individuelle Top-Zwölf-Platzierung und die noch schwieriger zu erreichende Top-Ten-Nationenplatzierung in der Endabrechnung aller drei Ausscheidungsregatten zu erreichen. Nach zweimal Olympia-Bronze in Folge für die 49er-Asse Erik Heil und Thomas Plößel drohen Olympische Spiele ohne männliche deutsche Skiffbeteiligung.

Kiter auf Kurs Olympia-Premiere

Besser sieht es für die deutschen Kiter aus, die ihrer Olympia-Premiere guten Mutes entgegenfahren. Bei der zweiten von drei Ausscheidungsregatten lag Leonie Meyer (Norddeutscher Regatta Verein) zwei Tage vor Trofeo-Ende auf Platz drei. Bei ihren Teamkollegen Jannis Maus (8., Cuxkiters e. V.) und Flo Gruber (10., NRV) geht es im olympischen Qualifikationsendspurt vor allem darum, wer von beiden im Sommer in der Bucht von Marseille um olympisches Edelmetall kämpfen darf.

Keine national ebenbürtigen Konkurrenten haben in der ebenfalls neuolympischen Windsurf-Disziplin iQFoil Theresa Steinlein und Sebastian Kördel zu fürchten. Beide surfen ihrer Olympia-Premiere entgegen, wobei der 2022er-Weltmeister und 2023er-Vizeweltmeister Sebastian Kördel nach seiner verpatzten WM zum Saisonauftakt bei der Trofeo Princesa Sofía aktuell darauf zu achten hat, dass er vor Palma die Top-Elf erreicht, um auch die letzte DOSB-Qualifikationshürde nehmen zu können. Am Donnerstag aber kamen die Windsurfer nicht zum Einsatz, weil die Rennen der iQFoil-Flotten der Männer und Frauen in den flauen Bedingungen abgesagt wurden.

Last, but not least ein Blick auf die umkämpfteste nationale Olympia-Ausscheidung im 470er-Mixed: Da tauschten heute im einzigen flauen Rennen des Tages die in der Ausscheidung führenden Simon Diesch/Anna Markfort (Württembergischer Yacht-Club/Verein Seglerhaus am Wannsee) und Malte und Anastasiya Winkel (Schweriner Yacht-Club/NRV) ihre Plätze im Zwischenklassement. Diesch/Markfort liegen in Spanien nach insgesamt sieben Wettfahrten mit 31 Punkten auf Platz vier, die Winkels mit 34 Zählern auf Platz fünf.

Diesch/Markfort bleiben stark im 470er-Mixed

Die 2022er-Weltmeister Luise Wanser/Philipp Autenrieth rutschten bei der zweiten der drei Ausscheidungsregatten im 470er-Mixed mit Rang 22 am Donnerstag und insgesamt 52 Punkten auf Platz 16 zurück. Da aber alle Crews noch eng beieinanderliegen, fehlen Wanser/Autenrieth vor den letzten drei Rennen bis zum Finale nur acht Punkte zu Platz zehn. Damit ist auch für sie das Medaillenrennen noch erreichbar.

In der komfortabelsten Situation aber blieben vorerst Diesch/Markfort, die als WM-Vierte im Kampf um nur eine deutsche 470er-Mixed-Olympiafahrkarte acht Punkte Vorsprung auf Winkel/Winkel und neun Punkte Vorsprung auf Wanser/Autenrieth mit nach Spanien gebracht hatten – und bislang auch nicht wackeln.

Der flaue Donnerstag in der Zusammenfassung:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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