Tatjana Pokorny
· 01.04.2024
So möchte man am Ostermontag als Olympia-Segler in eine sehr wichtige Regatta einsteigen: Mit zwei Tagessiegen eröffnete Philipp Buhl den Spanien-Klassiker im mit 184 Booten größten Trofeo-Feld der Ilca-7-Jollen. In knackigen Bedingungen zwischen 17 und 25 Knoten Wind war der Steuermann, der für den Segelclub Alpsee-Immenstadt und den Norddeutschen Regatta Verein startet, in seinem Element. So sehr, dass er im zweiten Rennen des Tages sogar eine Kenterung auf dem Reach wegstecken und das Rennen dennoch mit Abstand gewinnen konnte.
Philipp Buhl sagte in Can Pastilla: “Solide Starts und ein sehr guter Bootsspeed haben mir das Leben heute etwas einfacher gemacht. Es waren wirklich schöne und sehr herausfordernde Bedingungen. Für den schönen Auftakt zur Regatta haben ein anspruchsvolles Wellenbild bei 17 bis 25 Knoten Wind und Sonnenschein gesorgt. Ab morgen sehen die Bedingungen allerdings sehr anders aus …” Buhls Trainingspartner Nik Aaron Willim musste sich zunächst als 37. einreihen. Niko Naujok platzierte sich mit den Rängen 3 und 9 auf Platz 13.
Für die Ilca-7-Steuermänner markiert die Regatta in der Bucht zwischen Can Pastilla und S’Arenal wie auch für die Frauen im Ilca 6, die iQFoil-Surfer und Surferinnen, die Skiffsegler im 49er und 49er FX sowie das Nacra-17-Duo Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer bereits die letzte ihrer drei Ausscheidungsregatten im nationalen Ringen um die Olympia-Fahrkarte. Philipp Buhl führt im Ilca 7 die interne Wertung nach WM-Platz vier im Duell mit Nik Aaron Willim mit 26:12 Punkten an, hat vor der Entscheidung in Spanien 14 Zähler Vorsprung.
Bei den Ilca-6-Seglerinnen sieht es ganz anders auch. Zwar konnten auch sie frühzeitig den Nationenstartplatz bereits bei der WM 2023 sichern, doch seitdem quälen sie sich mit dem Nehmen der weiteren Qualifikationshürden mit schwindenden Chancen. Die Trofeo Princesa Sofía bietet die letzte Möglichkeit, die Qualifikationsbedingungen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für einen Olympia-Start doch noch zu erfüllen. Mindestens ein zwölfter Platz bei einer der drei Ausscheidungsregatten muss erreicht werden. Er fehlt noch.
Sollten er bei der Trofeo gelingen, so ist noch eine weitere inzwischen höher gewordene Hürde zu überspringen: Die Kandidatin muss in der DSV-internen Endabrechnung der drei Ausscheidungsregatten (WM 2024, EM 2024, Trofeo Princesa Sofía) unter den Top-Ten-Nationen platziert sein. Seglerinnen wie Hannah Anderssohn, die in Spanien an Tag eins mit einem dritten Rang und einem Tagessieg zum Auftakt aufhorchen ließ, oder Julia Büsselberg, die mit den Rängen 13 und 7 im Feld der 114 Starterinnen als 18. in die Serie einstieg, kämpfen in Spanien noch ein letztes Mal um das nur noch schwer zu erreichende Olympia-Ticket.
Der Starkwindtag ließ zum ausklingenden Osterfest die “Schokoladenseiten” einiger deutscher Spitzensegler glänzen. In der national heftig umkämpften olympischen 470er-Mixed-Klasse ist zu spüren, dass Deutschlands Beste der Entscheidung bei ihrer Ausscheidung entgegensegeln. Hier lagen nach der ersten der drei Ausscheidungsregatten vor Trofeo-Beginn Simon Diesch und Anna Markfort als WM-Vierte mit 17 Punkten in Führung vor Malte und Anastasiya Winkel (9 Punkte) und den 2022er-Weltmeistern Luise Wanser/Philipp Autenrieth (8 Punkte).
Das Eröffnungs-Powerplay bei der Trofeo gelang an diesem Ostermontag dem Ehe- und Segelpaar Malte und Anastasiya Winkel mit einem Tagessieg und Rang zwei am besten. Der Steuermann vom Schweriner Yacht-Club und seine Vorschoterin vom Norddeutschen Regatta Verein führten das Klassement am Abend an. Ebenfalls ein Tagessieg und Rang acht gelangen Theres Dahnke und Matti Cipra (Plauer Wassersport-Verein), die ihre Serie als Fünfte stark eröffneten. Nicht weit weg von ihnen stiegen auch Simon Diesch und Anna Markfort mit Rang neun und einem Tagessieg gut in die Spanien-Regatta ein. Luise Wanser und Philipp Autenrieth lagen zunächst auf Platz 24.
Wie sehr alle Crews und auch die Formula-Kiter an diesem Montag gefordert waren, beschrieb Malte Winkel am Abend gut: “Es waren echt geile Bedingungen. Es hat mega Spaß gemacht. Es war auch super anspruchsvoll, super technisch, wirklich hart für Nachwuchsteams, die teilweise im Survival-Modus waren. Viele sind gekentert, aber das hier ist die Feuertaufe zur Trofeo. Für uns ist es super gelaufen. Wir waren heute schnell auf dem Wasser. Speed war ein Faktor. Wir sind in einem Rennen gut gestartet, im anderen nicht so gut, haben aber in beiden Rennen an der Kreuztonne geführt. Mit den Rängen 2 und 1 sind wir sehr happy. Aber es ist erst der erste Tag, und die Regatta ist noch ewig lang.”
Bei den Kitern lag Leonie Meyer (NRV) nach den ersten beiden Rennen auf Platz acht. Ihre männlichen Teamkameraden taten sich etwas schwerer mit den Bedingungen. Florian Gruber (13.), Jan Vöster (19.) und Jannis Maus (26.) wollen am Dienstag in moderateren Bedingungen wieder angreifen.
Mit insgesamt sechs Tagessiegen in fünf der zehn olympischen Segeldisziplinen ist das German Sailing Team erfolgreich in die spanische Woche eingestiegen. Sie endet am 6. April mit den Medaillenrennen und ersten Olympia-Entscheidungen für die deutschen Kandidaten. Insgesamt sind in der Bucht von Palma fast 850 Boote mit 1.100 Athleten aus 76 Ländern im Einsatz. Auch viele andere Segelnationen tragen hier einen Teil ihrer Olympia-Qualifikation aus. Der frühe Termin im Jahr macht die Trofeo Princesa Sofía regelmäßig zum Hotspot der Olympioniken.
Wie hart der erste Tag der sechstägigen Regatta die Athleten gefordert hat, brachten die Veranstalter in der Überschrift für ihren Tagesbericht am Abend auf den Punkt: “’Vollgas’, ‘…verrückt’, ‘… nuklear’, ‘… extrem’ – ’Big Monday’ eröffnet die 53. Trofeo Princesa Sofía Mallorca by Iberostar”. Für die kommenden Tage werden sanftere Bedingungen erwartet.

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