Es war eine der vielen gefürchteten Mülltüten im verunreinigten Olympiarevier, die Paul Kohlhoff und Carolina Werner bei der olympischen Generalprobe einen Platz auf dem Podium kostete. Nach drei Tagessiegen und ausschließlich einstelligen Ergebnissen hatte sich im Start zum siebten Rennen der neuen olympischen Mixed-Katamarana vom Typ Nacra 17 unter Wasser eine Mülltüte im deutschen Boot verfangen. "Das Boot blieb stehen, und das hat uns mehrere Plätze gekostet", berichtete Carolina Werner. Bronze verpassten die "German Wonder Kids" nach ihrer beherzt und kämpferisch gesegelten Serie am Ende um nur einen Punkt. Doch auch Platz vier zeigt, wie stark sich die Mannschaft vom Kieler Yacht-Club in diesem Jahr entwickelt hat. Sie sind im Eiltempo jetzt schon in der Weltspitze angekommen, obwohl sie ihr Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft haben.
"Paul und Carolina sind ein tolles Team mit großartiger Einstellung", lobte DSV-Cheftrainer David Howlett, der die Katamaransegler in Rio de Janeiro auch als Coach auf dem Wasser betreute. Die Crew ihrerseits war begeistert von der Zusammenarbeit mit dem erfahrenen Ainslie-Gold-Coach Howlett: "Er ist ein Gewinner-Typ, hat die richtige Mentalität", so Carolina Werner, "wir können wahnsinnig viel von ihm lernen." Ihren rasanten Aufstieg hat die jüngste Mannschaft im Sailing Team Germany aber auch Helfern im Hintergrund zu verdanken. So etwa dem zweimaligen Olympiateilnehmer Marc Pickel aus Kiel, der Kohlhoff und Werner ehrenamtlich auf Höchstniveau technisch berät und unterstützt.
Es war eine erkenntnisreiche olympische Generalprobe vor Rio de Janeiros berühmten Stränden. 326 Seglerinnen und Segler aus 50 Nationen haben die sechs unterschiedlichen und höchst anspruchsvollen Kurse eine Woche lang getestet. Ein erkrankter koreanischer Surfer befeuerte die Diskussionen um die besonders belasteten drei Binnenbahnen vor der Copacabana neu. Die drei Außenkurse forderten die Starter mit teilweise hohen Wellen und mehr Wind heraus. Athleten aus 19 Ländern teilten sich in zehn Disziplinen die insgesamt 30 Medaillen der olympischen Testregatta. Das Sailing Team Germany musste 348 Tage vor Beginn der olympischen Regatta 2016 mit einer Bronzemedaille zufrieden sein. Damit bescherten die wiedererstarkten 49er-Europameister Erik Heil und Thomas Plößel aus Berlin der deutschen Segelnationalmannschaft den 17. Platz im Medaillenspiegel. Für Laser-Vizeweltmeister Philipp Buhl (9.) und RS:X-Surfer Toni Wilhelm (10.) reichte es dieses Mal nicht zum Podiumsplatz. Dennoch zählen beide weiter zum Kreis der deutschen Hoffnungsträger, wiesen ihre Zugehörigkeit zur Weltspitze erneut nach.
Australiens Segler, schon vor drei Jahren bei der olympischen Regatta vor Weymouth erfolgreichste Nation, führen den Medaillenspiegel auch nach dieser Testregatte mit zwei Goldmedaillen und einmal Bronze wieder an. Der imposanteste Auftritt aber gelang den Franzosen, die fünf Medaillen gewinnen konnten und mit neun von zehn möglichen Top-Ten-Platzierungen ihre olympischen Ambitionen eindrucksvoll unterstrichen. Federn lassen mussten die Briten, die mit einmal Gold und einmal Silber heimkehren. Mit acht Top-Ten-Platzierungen aber bewiesen sie, dass auch 2016 wieder mit ihnen zu rechnen sein wird.
Die Ergebnisse der Nationalmannschaft:
3. Erik Heil/Thomas Plößel, 49er (Norddeutscher Regatta Verein)
4. Paul Kohlhoff/Carolina Werner, Nacra 17 (Kieler Yacht-Club)
9. Philipp Buhl, Laser Standard (Segelclub Alpsee-Immenstadt)
10. Toni Wilhelm, RS:X Surfboard (Württembergischer Yacht-Club)
11. Annika Bochmann/Marlene Steinherr, 470er W (Verein Seglerhaus am Wannsee)
12. Tina Lutz/Susann Beucke, 49erFX (Chiemsee Yacht Club/Hannoverscher Yacht-Club)
13. Ferdinand Gerz/Oliver Szymanski, 470er M (Segler-Verein Wörthsee/Joersfelder Segel-Club)

Freie Reporterin Sport