Tatjana Pokorny
· 28.04.2022
Philipp Buhl ist gut drauf und bei der Semaine Olympique Française in Frankreich auch gerade richtig gut dran. Er führt die mit 128 ILCA-7-Startern größte Flotte unter allen zehn olympischen Disziplinen beim französischen Klassiker dominant an. Mit nur zehn Punkten auf dem Regattakonto hat sich der 32-jährige Dauerbrenner beste Aussichten für die verbliebenen zwei Hauptrundenrennen und das Medaillenfinale geschaffen. Hinter ihm liegen mit dem gleichaltrigen Zyprioten, olympischen Silbermedaillengewinner (2012) und Doppel-Weltmeister Pavlos Kontides (21 Punkte) sowie dem australischen Olympiasieger Matt Wearn (25 Punkte) die schärfsten Rivalen, die aber schon mehr als doppelt so viele Punkte wie der Steuermann vom Segelclub Alpsee-Immenstadt gesammelt haben.
"Die Ergebnisse sind super, die nehme ich gerne mit. Es ist aber trotzdem nicht einfach. Natürlich freue ich mich über die komfortable Position zu diesem Zeitpunkt. Aber noch gilt es, sich auf die nächsten beiden Tage zu konzentrieren." Weil Buhl einer ist, der seine Spielfreude auch aus Erfolgen befreundeter Segler generieren kann, war der vierte Tag für ihn ein besonderer. Der Meister erlebte glücklich, dass sein jüngerer Teamgefährte Nik-Aaron Willim mit Rang 6 und einem Tagessieg an diesem Donnerstag neben dem Briten Elliot Hanson (4, 3) das beste Tagesergebnis der gesamten Flotte feiern konnte. "Nik hat im Training so oft gezeigt, wie stark er segelt. Es freut mich unheimlich, wenn man einen Tag wie diesen dann zusammen erlebt. Mir macht dann alles doppelt so viel Spaß! Es waren harte Kämpfe da draußen. In der Goldflotte geht es um jede Bootslänge. Da gehen an der ersten Luvtonne alle binnen 35 Sekunden rum. Fünf Bootslängen entscheiden schnell mal über 20 Plätze. Nik hat heute großartig gekämpft." Willim liegt im herausragend besetzten Feld mit 39 Punkten auf Platz acht.
Neunter ist Buhls neuer Trainingspartner: Der Franzose Jean-Baptiste Bernaz, Olympia-Sechster in Enoshima, bringt neue Impulse in Buhls ohnehin hochkarätig besetzte Trainingsgruppe. "Er ist menschlich humorvoll und offen, ein echter Gewinn", sagt Buhl. Wie Buhl, der auch für den Norddeutschen Regatta Verein startet, kommt auch Bernaz am besten in mittleren bis stärkeren Winden zurecht. Beide haben ihre Leichtwindschwäche allerdings in den vergangenen Jahren weitgehend abschalten können. Dennoch überlegen sie, sich in Zukunft auch den einen oder anderen Leichtwindexperten zum Training dazuzuholen. Vor Hyères sind die Winde in dieser Woche mit Buhl, der in seinem Element wie entfesselt agiert. Einen Monat vor Beginn der Weltmeisterschaft in Mexiko tankt er mit herausragenden Leistungen viel Selbstbewusstsein für die Welttitelkämpfe. Daran denken aber tut er bewusst noch nicht: "Die Kunst besteht darin, im Moment zu bleiben und nur an das Relevante zu denken." Das will er auch an den kommenden beiden Tagen tun.
Auffällig stark agieren in Frankreich auch erneut die neuen deutschen 470er-Mixed-Formationen. Als Gesamt-Dritte wahrten Luise Wanser/Philipp Autenrieth ihre Siegchancen bei der olympischen Woche im französischen Revier. In Führung liegen nach acht Rennen die Schweden Anton Dahlberg/Lovisa Karlsson (20 Punkte) vor den Franzosen Hippolyte Machetti/Aloise Retornaz (25 Punkte) und dem deutschen Mixed-Duo mit 26 Punkten. Wieder ist Luise Wanser vor den letzten beiden Hauptrundenrennen und dem Medaillenfinale beste Steuerfrau im Feld, in dem es den Teams überlassen ist, ob Mann oder Frau steuert. Auf Platz fünf liegt die Österreicherin Lara Vadlau mit Lukas Mahr als zweitbeste Steuerfrau. Die bisherigen spanischen Klassen-Besten Jordi Xammar und Nora Brugmann wirken in den stärkeren Winden leicht entzaubert. Als zweitbestes deutsches Team liegen Malte und Anastasiya Winkel im 470er-Mixed mit 50 Zählern auf Platz zwölf. Hier geht es zu den Zwischenständen in allen Disziplinen (bitte anklicken!).

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