Semaine Olympique FrançaiseBuhl bleibt stark, Maus im Top-Ten-Haus

Tatjana Pokorny

 · 25.04.2026

Philipp Buhl erkämpfte als bester GER-Steuermann vor Hyères Platz vier im Ilca 7.
Foto: Sailing Energy/FFVoile
Die zweite Regatta des Sailing Grand Slam ist Geschichte. Vor Hyères ging am Samstag die 57. Semaine Olympique Française zu Ende. Bester GER-Akteur war Philipp Buhl. Den goldenen Saisonauftakt von Palma konnte die reduzierte Nationalmannschaft ohne ihre Skiffsegler nicht wiederholen. Doch viele Teams nutzten den Frankreich-Klassiker für die Vorbereitung auf anstehende Großereignisse.

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Die olympische Saison hat gerade erst begonnen, schon ist die zweite der fünf Regatten im Sailing Grand Slam 2026 beendet. Erst Anfang April war bei der 55. Auflage der 1968 erstmals ausgetragenen Trofeo Princesa Sofía Mallorca der Startschuss gefallen. Dort hatten mehr als 1100 Aktive aus 62 Ländern hochklassigen olympischen Segelsport geboten. Jetzt haben mehr als 700 Segler und Seglerinnen aus 59 Nationen die 57. Edition die Semaine Olympique Française im Mittelmeerrevier vor Hyères zelebriert.

Dabei musste die Segelnationalmannschaft ohne einige ihrer Leistungsträger, vor allem ohne die erfolgreichen Skiff-Crews auskommen, denn die trainieren bereits in der Bucht von Quiberon für ihre bevorstehende Weltmeisterschaft vom 12. bis zum 17. Mai. Dort wollen sie im Mai um die Medaillen mitkämpfen.

Semaine Olympique Française: Team Germany setzt Prioritäten

“Wir waren bei der Semaine Olympique Française wie geplant mit einem kleineren Team im Einsatz, mussten mit Blick auf große anstehende Meisterschaften Prioritäten setzen”, erklärte Dom Tidey. Der Cheftrainer für das German Sailing Team war mit der Mannschaft in Hyères und sagte: “Die Resultate spiegeln also nicht ganz wider, wozu wir als Team in der Lage sind.”

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Wozu einzelne Akteure und Crews in der Lage sind, zeigten sie bei der französischen Regatta in ihren Disziplinen. Allen voran Philipp Buhl. Wie schon bei der Trofeo Princesa Sofía in der größten olympischen Flotte der Ilca-7-Jollen im Einsatz, segelte der Allgäuer erneut auf Platz vier. Während Australiens Doppel-Olympiasieger Matt Wearn und die beiden Briten Michael Beckett und Elliot Hanson das Podium eroberten, stand Buhl ihnen kaum nach, setzte auf halbem Weg seiner insgesamt fünften Olympia-Kampagne ein erneutes Ausrufezeichen.

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Das kann sich sehen lassen.” Philipp Buhl

Er habe, so Buhl, in dieser Woche einiges testen wollen. “Einiges davon habe ich richtig gut gemacht: ein paar gute Starts, ein paar gute Leichtwindrennen, ein paar gute Starkwindrennen”, so der 36-Jährige, der für den Segelclub Alpsee-Immenstadt und den Norddeutschen Regatta Verein startet. Gut zwei Jahre von der olympischen Segelregatta in LA28 agierte Buhl vor der Côte d’Azur konzentriert und zielorientiert. Dafür gab es auch Lob von Dom Tidey: “Philipp segelt auf den Punkt, zielstrebig und engagiert, hat dafür meinen hundertprozentigen Respekt. Er hat definitiv hart gearbeitet.”

Nach der Semaine Olympique Française ist vor EM und WM

Buhls hat eine klare Marschroute: “Mein Hauptziel in diesem Jahr ist die WM (Red.: 23. bis 30. August in Dun Laoghaire in Irland). Eine wichtige Station auf dem Weg dahin ist die EM in Split (Red.: 15. bis 22. Mai in Kastela in Kroatien). Ich konzentriere mich weiter auf den Prozess.” Bei der EM will Buhl seinen Kaderplatz zurückerobern. Die hohe Hürde im voraussichtlichen Weltklassefeld auf WM-Niveau für ihn: ein Platz in den Top-Drei.

Beide Großevents haben auch die anderen Ilca-7-Steuermänner vom German Sailing Team im Visier: Aufsteiger Ole Schweckendiek (15. bei der Semaine Olympique Française), Rückkehrer Nik Aaron Willim (23.) und ihre Teamkameraden. Willim und Schweckendiek, bei der Trofeo als Neunter und Zehnter noch im Medaillenfinale, mussten sich in Frankreich trotz guter Leistungen etwas weiter hinten einreihen.

Zu seinem 15. Platz, der ihn vor einem halben Jahr noch hochglücklich gestimmt hätte, sagte der 21 Jahre alte Ole Schweckendiek vom Kieler Yacht-Club: “Da war ein bisschen mehr drin. Dass es dann bei überwiegend Starkwindrennen aber trotzdem ein 15. Platz geworden ist, ist ein gutes Zeichen.” Nachdem der U21-Weltmeister im vergangenen Jahr erst seine erste WM im olympischen Ilca-7-Feld bestritten hat, haben seine auch international auffallenden Leistungen die eigenen Ansprüche aus guten Gründen steigen lassen. Im olympischen Ilca 6 der Frauen segelte Julia Büsselberg (Verein Seglerhaus am Wannsee) vor Hyères auf Platz 13.

“Streetfight-Tage” im 470er-Mixed

Der französische Regattaklassiker der Olympiasegler hat seinen Herausforderern in der Vorbereitung auf die großen Meisterschaften dieser Saison vielfältige Windbedingungen geboten, war ein guter Test auf dem Weg zu den europäischen und Welttitelkämpfen in diesem Jahr. Das galt in allen Klassen, wenn auch die Vorzeichen unterschiedliche waren. So traten viele der Top-Crews im 470er-Mixed nicht mit ihrem besten Material an, weil Boote und Ausrüstung teilweise schon in Containern verladen und auf dem Weg in den Ex-Olympia-Hafen von Enoshima war, wo vom 10. bis 17. August die WM steigt.

Theresa Löffler und Christopher Hoerr erkämpften sich im 470er-Mixed mit Speedstärken in mittleren und leichten Winden, aber auch einigen Positionierungsschwächen Platz zehn. In den heiß umkämpften beiden Medaillenrennen holten sie die Ränge sechs und sieben und genossen die engen Kämpfe in knackigen Winden. Im Einsatz für den Deutschen Touring Yacht-Club und den Segelclub Breitbrunn Chiemsee, vertraten Löffler/Hoerr die deutschen Farben bis zuletzt, erlebten dabei auch “Streetfight-Tage”, wie “Thesi” Löffler die kampfbetonten Rennen beschrieb.

Einen ungewohnten Ausrutscher dagegen hatten Simon Diesch und Anna Markfort (Württembergischer Yacht-Club/Verein Seglerhaus am Wannsee/Joersfelder Segel-Club) bei der Semaine Olympique Française wegzustecken. Die amtierenden 470er-Mixed-Vizeweltmeister hatten am Ende der zweitägigen Qualifikation den Sprung in die Goldflotte verpasst, mussten sich erstmals in ihrer gemeinsamen Karriere in der Silberflotte neu orientieren.

Jannis Maus: zurück im Top-Ten-Haus

“Das darf gerne eine Ausnahme bleiben”, sagte Anna Markfort in Hyères. Sie sah fehlenden Leichtwindspeed ihrer Crew, “der uns sonst rettet”, und auch die Folgen der viermonatigen studienbedingten Pause als Mitursachen für den verpassten Einzug in die Goldflotte, zu der – analog zu Olympia – nur 19 Crews zugelassen waren. Das Duo Diesch/Markfort ist erst seit fünf Wochen wieder im Einsatz. Während Theres Dahnke und Paco Melzer (Plauer Wassersportverein/Verein Seglerhaus am Wannsee/Yachtclub Berlin-Grünau) auf Platz 13 segelten, beendeten Diesch/Markfort die Serie als Sieger der Silberflotte auf Platz 20.

Zurück in die Top Ten meldete sich bei der Semaine Olympique Française der Olympia-Fünfte Jannis Maus (Cuxkiters e.V.). Bei der Trofeo als Elfter noch knapp am Einzug in die Medaillenserie vorbeigeschrammt, katapultierte er sich in Frankreich ins Viertelfinale. „Das war grundsätzlich eine gute Woche, auch wenn ich am Finaltag noch etwas mehr erhofft hatte“, sagte der Doktorand in der Windenergieforschung. Seine Bilanz: „In Palma habe ich noch zu viele kleine Fehler gemacht. Das haben wir mit unserem Trainer gut analysiert. Hier in Hyères wollte ich unbedingt stabil fahren. Das ist insgesamt gut gelungen.“

Auch die olympischen Kiter streben ihrem WM-Jahreshöhepunkt vom 9. bis 16. Mai in Viano do Castelo entgegen. „Mit Blick darauf sind wir hier in Frankreich mit unserem WM-Material tendenziell eher etwas konservativer gefahren, wollten keinen Tangle, keinen Crash, keinen Bruch riskieren und alles heil nach Hause fahren“, erklärte Jannis Maus.

Mit guter Laune auf WM-Kurs

Sparring-Partner und Teamkamerad Jan Vöster (Württembergischer Yacht-Club), beim Saisonstart in Spanien noch beeindruckender Siebter, war mit Platz 23 in Hyères nicht ganz zufrieden. Der 22 Jahre junge Formula-Kiter beendete die Mittelmeerregatta trotzdem optimistisch, sagte: „Es lief bei mir nicht rund, aber ich kann daraus einiges mitnehmen und fahre trotzdem mit super Laune und sehr motiviert zur WM.” Zu den Endergebnissen der Semaine Olympique Française geht es hier.

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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