Segeln olympischZu viel riskiert, Medaille verpasst

Tatjana Pokorny

 · 18.05.2016

Segeln olympisch: Zu viel riskiert, Medaille verpasstFoto: JLDigitalMedia.net

Laser-Ass Philipp Buhl ist in Mexiko an der erhofften WM-Medaille vorbeigesegelt. Für Olympia fühlt er sich der Allgäuer aber gut gerüstet

  Das WM-Finale verlief für Philipp Buhl nicht wunschgemäß. Der Allgäuer beendet die Titelkämpfe als Achter dennoch nicht unzufriedenFoto: JLDigitalMedia.net
Das WM-Finale verlief für Philipp Buhl nicht wunschgemäß. Der Allgäuer beendet die Titelkämpfe als Achter dennoch nicht unzufrieden

Philipp Buhl ist in Mexiko an der erhofften WM-Medaille vorbeigesegelt. Der 26-jährige Steuermann vom Segelclub Alpsee-Immenstadt beendet die Titelkämpfe als Achter. Zwar hatte er am Finaltag im vorletzten Rennen noch einmal punkten und auf Platz vier vorrücken können. Doch in der letzten Wettfahrt riskierte der Sonthofener für die greifbare Medaille zu viel, wählte die linke Kursseite, fiel dort dramatisch zurück und kreuzte die Ziellinie erst als 55. des Gold-Feldes von 56 Startern. Alter und neuer Weltmeister ist der Brite Nick Thompson. Silber sicherte sich der Franzose Jean-Baptiste Bernaz vor dem Niederländer Rutger van Schaardenberg, dem im Finale gelang, was sich Buhl vorgenommen hatte: Van Schaardenberg sprang von Platz zehn noch auf den dritten WM-Platz.

  Bleibt auf Olympia-Kurs das Maß der Dinge: Der Brite Nick Thompson verteidigte seinen Titel in mexikanischen Gewässern erfolgreichFoto: JLDigitalMedia.net
Bleibt auf Olympia-Kurs das Maß der Dinge: Der Brite Nick Thompson verteidigte seinen Titel in mexikanischen Gewässern erfolgreich

Für Buhl hatte der Finaltag durchaus vielversprechend begonnen. Der Allgäuer hatte sich in der 13. Wettfahrt mit Rang neun von Platz sechs auf Platz vier vorgearbeitet. Damit war die erhoffte Medaille in greifbare Nähe gerückt. Doch im 14. und letzten Rennen riskierte der Aktivensprecher der Segel-Nationalmannschaft Audi Sailing Team Germany zu viel. Buhl wählte für den Schlussspurt gegen den Trend des Feldes die linke Kursseite für seinen Angriff, wurde dafür aber schwer bestraft und kam erst als 55. im Gold-Feld der 56 Starter ins Ziel.

Gegenüber YACHT online sagte Buhl: "Ich wusste vor dem letzten Rennen, dass ich Top Vier würde segeln müssen, um noch Bronze zu gewinnen. Dann habe ich es ausgereizt und links gewählt. Das hat zwar über die gesamte Woche selten funktioniert, sah aber in dieser letzten Wettfahrt teilweise ganz gut aus. Am Ende war es nichts, es ging nur über rechts. Natürlich lässt es sich dann von außen leicht fragen: Wieso fährst du nicht über rechts, wenn's doch die ganze Woche rechts ging? Wenn man aber bedenkt, dass der Wind auf der Zielkreuz doch wieder so weit nach links ging, wie ich es für das Rennen gebraucht hätte, dann sollte es wohl einfach nur nicht sein."

Die siebentägige WM-Serie erwies sich für Buhl als "Achterbahnfahrt" durch die Ränge: 12, (57 - Aufgabe nach Disqualifikation), 3, 4, 3, 10, 11, 38, 2, 3, 25, 9, (55). "Die ganze Woche war hart und für mich eine Generalprobe, noch einmal unter Druck zu performen. Dann hatte ich plötzlich durch Jury-Entscheidungen und Boote, die in mich reingecrasht sind, mehr Druck bekommen. Diese Ereignisse haben mir die Streicher jeweils schon zu Beginn der Vorrunde und der Hauptrunde vorgegeben. Ich fühle mich, als hätte ich dem Druck sehr lange standgehalten – bis auf die letzte Wettfahrt. Die ging dann nach hinten los." Mit Buhl zählte auch der neunmalige Laser-Weltmeister und Doppel-Olympiasieger Robert Scheidt aus Brasilien zu den Verlierern des Finaltages. Der 43-Jährige Segelstar fiel in den beiden abschließenden Wettfahrten von Platz fünf auf Platz zehn zurück.

  Auch der neunmalige Laser-Weltmeister Robert Scheidt fiel im Finale im Kampf um die Medaillen zurück, beendet die siebentägige Serie als ZehnterFoto: JLDigitalMedia.net
Auch der neunmalige Laser-Weltmeister Robert Scheidt fiel im Finale im Kampf um die Medaillen zurück, beendet die siebentägige Serie als Zehnter

Seinen achten Platz bei der WM nennt Buhl "kein Wunschergebnis". Der olympische Hoffnungsträger sagt aber auch: "Wenn man bedenkt, was da an Fremdeinflüssen war, dann ist es halbwegs versöhnlich. Ich bin der Meinung, dass ich hier auf meinem Leistungshoch unterwegs war. Das war mir wichtig. Ich bin also mit meiner Entwicklung zufrieden und werde deshalb nicht zum Weltcup nach Weymouth fahren. Ich starte bei der Kieler Woche, und dann gibt es ja dieses Jahr noch einen wichtigeren Wettkampf als die WM..." Für die Olympischen Spiele hält Buhl an seinem Medaillenziel fest. Und Trainer Thomas Piesker mit ihm: "Eine verpatzte Generalprobe ergibt meistens eine super Premiere. Die Spiele können kommen!"

  Nimmt als alter und neuer Weltmeister Kurs auf Olympia: Nick ThompsonFoto: JLDigitalMedia.net
Nimmt als alter und neuer Weltmeister Kurs auf Olympia: Nick Thompson
  Beendete die Titelkämpfe als Neunter der SIlberflotte (gesamt: 65.): Theo Bauer Foto: JLDigitalMedia.net
Beendete die Titelkämpfe als Neunter der SIlberflotte (gesamt: 65.): Theo Bauer 

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