Olympische Spiele

Segeln olympisch: "Wofür wir arbeiten und brennen"

Tatjana Pokorny

 · 01.08.2016

Segeln olympisch: "Wofür wir arbeiten und brennen"Foto: STG/Sailing Energy

Porträtserie – Teil 4: Ferdinand Gerz und Oliver Szymanski wollen bei der olympischen 470er-Regatta in Rio ihre strategischen Stärken nutzen

  Ferdi Gerz und Oliver Szymanski freuen sich auf den Einsatz unter Rios ZuckerhutFoto: STG/L. Wehrmann
Ferdi Gerz und Oliver Szymanski freuen sich auf den Einsatz unter Rios Zuckerhut
  Mit Patrick Follmann segelte Gerz bei Olympia 2012 auf Platz 13Foto: STG
Mit Patrick Follmann segelte Gerz bei Olympia 2012 auf Platz 13

Der 2015 gewonnene EM-Titel im dänischen Aarhus war für Ferdinand Gerz und Oliver Szymanski mehr als Gold wert. Er kam ein Jahr vor den Olympischen Spielen zur rechten Zeit und als wichtiges Signal für den Münchner und seinen Berliner Vorschoter, die anschließend mit neuem Selbstbewusstsein Kurs auf Rio nahmen. Für Steuermann Ferdinand Gerz – Sohn von Wolfgang Gerz, der 1981 die Finn-Weltmeisterschaft gewann – ist es bereits die zweite Olympia-Teilnahme. Ferdi Gerz hatte 2012 mit Patrick Follmann im britischen Weymouth seine Olympia-Premiere bestritten. Das Duo segelte vor vier Jahren auf Platz 13. Das Ergebnis will der Mann vom Segler-Verein Wörthsee im zweiten Anlauf mit neuem Vorschoter verbessern. Neben RS:X-Surfer Toni Wilhelm ist Gerz der einzige Athlet im aktuellen olympischen Segel-Aufgebot, der in der Guanabara-Bucht mit olympischer Erfahrung antritt.

Für Steuermann Ferdi Gerz ist es der zweite Olympia-Start, für Oliver Szymanski die Premiere. Das 470er-Duo aus München und Berlin hat sich mit EM-Gold 2015 in den erweiterten Kreis der Medaillenanwärter katapultiert. Seinen 13. Platz bei den Olympischen Spielen 2012 will Gerz auf jeden Fall verbessern und ins Medaillen-Finale segeln.

Für Oliver Szymanski ist es die olympische Premiere. Der Vorschoter vom Joersfelder Segel-Club, der mit Gerz seit rund zweieinhalb Jahren in einem Boot sitzt, sagt: "Für mich ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen das Größte, das ich je erleben darf. Mein ganzes Leben war bisher darauf ausgerichtet und es bedeutet mir einfach alles." Beide Segler freuen sich auf die Eröffnungsfeier am 5. August. Gerz sagt: "Die Eröffnungsfeier ist immer etwas ganz Besonderes! Andererseits fahren wir nicht wegen der Eröffnungsfeier, sondern wegen der Wettkämpfe zu den Olympischen Spielen. Das ist es, wofür wir arbeiten und brennen. Deshalb freue ich mich am meisten auf die Wettkämpfe!"

  Harmonisches Team mit Spaß an der gemeinsamen Arbeit: Ferdinand Gerz und Oliver SzymanskiFoto: STG/Sailing Energy
Harmonisches Team mit Spaß an der gemeinsamen Arbeit: Ferdinand Gerz und Oliver Szymanski

Dem Duo aus München und Berlin, das seglerisch auf Binnenseen groß geworden ist, kommt das launische Olympiarevier mit seinen wechselnden Anforderungen an taktisches und strategisches Geschick sehr entgegen. Vorschoter Szymanski sagt über seinen Steuermann Ferdi Gerz: "Er kann blitzschnell Entscheidungen treffen und ist sehr nervenstark." Gerz, dessen Vater bei den Olympischen Spielen 1984 Platz fünf in der Finn-Klasse erkämpft hatte, profitiert seinerseits gern von den "Seher-Fähigkeiten" seines Vorschoters: "Oliver hat ein wahnsinniges Bootsgefühl und ein extrem gutes Auge für Windfelder. Er bleibt auch in schwierigen Situationen immer cool."

  Bei der WM 2015 im Einsatz: Ferdi Gerz und Oliver SzymanskiFoto: Ronen Topelberg / Aquazoom
Bei der WM 2015 im Einsatz: Ferdi Gerz und Oliver Szymanski

Die Crew vom Audi Sailing Team Germany hat erfolgreich mit Trainern wie Marek Chochian, Lukas Zellmar und Hendrik Ismar gearbeitet. Auch DSV-Cheftrainer David Howlett hat eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung auf den Olympia-Einsatz gespielt. Gerz erklärt: "David hat uns sein Vertrauen ausgesprochen und uns damit viel Selbstbewusstsein gegeben." Howlett traut dem 470er-Duo einiges zu: "Ferdi und Oliver sind kluge Segler, zwischen denen die Chemie stimmt. Sie ergänzen sich sehr gut, harmonieren bestens und haben oft bewiesen, dass ihnen fordernde Reviere wie das von Rio de Janeiro gut liegen. Unter ähnlichen Bedingungen haben sie ihren EM-Titel gewonnen. Im 470er der Männer haben sich die Teams aus Australien und Kroatien allerdings einen kleinen Vorsprung erarbeitet. Es wird hart sein, sie zu knacken. Aber Ferdi und Oliver haben das Potenzial dafür. Sie sind stark in der Analyse."

  Gemeinsam stark: Ferdinand Gerz und Oliver SzymanskiFoto: Marek Chocian/STG
Gemeinsam stark: Ferdinand Gerz und Oliver Szymanski

Meistgelesene Artikel