Der neue DSV-Cheftrainer David Howlett ist kein Zauderer. Direkt nach seiner offiziellen Vorstellung beim Deutschen Segler-Verband in Hamburg fuhr der Brite mit DSV-Präsident Andreas Lochbrunner am Mittwochmittag zum Bundesstützpunkt nach Kiel zu ersten Treffen mit Seglern, Trainern, Betreuern und Vertretern des Sailing Team Germany. Der ehemalige Erfolgscoach von Englands Segel-Superstar Ben Ainslie und der britischen Olympiamannschaft will sich in intensiven Gesprächen einen Überblick über den Status quo in der deutschen Segel-Nationalmannschaft verschaffen. Getreu seinem Trainer-Motto: "Für den Erfolg muss man jeden Stein umdrehen."
Von außen betrachtet sei die deutsche Medaillenflaute der letzten Jahre bei Olympischen Spielen kaum zu erklären, so Howlett. "Die Deutschen haben eigentlich alles: eine erfolgreiche Historie, gute Leute, das technologische Knowhow, tolle Sponsoren. Es fehlen nur die guten Ergebnisse." Howlett will dazu beitragen, einen deutlichen Aufwärtstrend einzuläuten: "Ich will mit allen intensiv sprechen und sehen, wo ich vielleicht helfen kann."
Der 63-Jährige, dessen Schützlinge bei Olympischen Spielen 1988 in Seoul, 2000 in Sydney, 2004 in Athen, 2008 in Qingdao und 2012 in London ununterbrochen Olympiasiege feierten, hat sich für seinen neuen Job einiges vorgenommen. Howlett nennt mit Blick auf die Olympischen Spiele 2016 ein bis zwei Medaillen für die deutschen Segler als ein realistisches Ziel. Auf dem Weg dahin will er Aktiven und Trainern vor allem den Rücken stärken, die Netzwerke mit internationalen Kontakten ausbauen, die Trainings- und Lebensbedingungen der Leistungssportler zu optimieren helfen und – Vorbild sein. "Wir hoffen auch, dass wir allen Teams mit einer Chance auf die Olympiateilnahme genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stellen können", so der britische Beflügler mit viel Verständnis für die Athleten aus mehr als drei Jahrzehnten Erfahrung als Coach auf höchstem Niveau.
Howlett, der mit viel natürlicher Autorität, Ehrgeiz und sattem britischen Humor das neue Amt übernimmt, wird auch das Thema Chancenauswertung ins Visier nehmen. Bei seiner Arbeit mit dem britischen Olympiateam konnte er diesbezüglich aus dem Vollen schöpfen: In den vergangenen Jahren waren die Engländer bei Olympischen Spielen zumeist in fast allen Klassen mit Medaillenchancen angetreten. Dabei kamen dann regelmäßig etwa 50 Prozent Medaillen heraus. Die deutschen Segler seien derzeit in vier Disziplinen "im Mix", also mit Medaillenchancen unterwegs. Ihnen und auch den Teams in anderen Klassen gelte es jetzt den Rücken zu stärken. "Wer wie Philipp Buhl bei großen Meisterschaften so regelmäßig in den Top Fünf platziert oder wie Heil/Plößel oder Svenja Weger Europameister ist, der darf selbstbewusst antreten, denn er oder sie wissen ja: Sie können gewinnen!"

Freie Reporterin Sport