Olympische Spiele

Segeln olympisch: "Wir hatten keinen Plan B"

Tatjana Pokorny

 · 30.04.2016

Segeln olympisch: "Wir hatten keinen Plan B"Foto: Pedro Martinez/Sailing Energy/Weltcup Hyères 2016

Deutschlands junge Nacra-17-Crews haben das 7. Rio-Ticket knapp verpasst. Dabei hätte ihr Olympiastart dem deutschen Segelsport gut getan

  Verpassten das Olympia-Ticket schmerzlich knapp: Paul Kohlhoff und Carolina WernerFoto: Laura Carrau/BISC
Verpassten das Olympia-Ticket schmerzlich knapp: Paul Kohlhoff und Carolina Werner

Viel fehlte nicht, doch am Ende war es zu viel. Die beiden jungen deutschen Nacra-17-Crews haben das erhoffte Ticket zu den Olympischen Spielen im August vor Rio de Janeiro beim Ausscheidungsfinale vor Hyères nicht lösen können. Nun startet das Audi Sailing Team Germany voraussichtlich in Rio de Janeiros Guanabara-Bucht in nur sechs von zehn olympischen Disziplinen. Paul Kohlhoff und Carolina Werner sowie Jan Hauke Erichsen und Lea Spitzmann bleibt zunächst nur die Enttäuschung nach ihren Achterbahnfahrten durch die Ausscheidung – und die Hoffnung auf 2020.

  Ihr starker Endspurt beim Weltcup vor Hyères kam zu spät: Jan Hauke Erichsen und Lea Spitzmann aus FlensburgFoto: Pedro Martinez/Sailing Energy/Hyères
Ihr starker Endspurt beim Weltcup vor Hyères kam zu spät: Jan Hauke Erichsen und Lea Spitzmann aus Flensburg

Lange hatte es so ausgesehen, als könnten Paul Kohlhoff und Carolina Werner für die olympische Premiere der neuen Katamaran-Mixed-Klasse als jüngste Crew einen Platz in der international hochkarätig besetzten Rio-Flotte erringen. 2015 hatten sie mit Platz fünf bei der Weltmeisterschaft und Platz vier bei der olympischen Testregatta in Rio de Janeiro im Wettstreit mit den Größen des Sports beeindruckt, sich den Spitznamen "German Wonder Kids" verdient. Die beiden sympathischen jungen Athleten vom Kieler Yacht-Club wurden zu Deutschlands "Newcomern des Jahres 2015" gekürt und waren in aller Munde. Der Aufstieg verlief so rasant, dass das verpasste Olympia-Ticket nun für die Aktiven selbst und auch ihr Umfeld und die Fans schwer zu ertragen ist. Ausgerechnet mit Beginn der dreiteiligen Ausscheidungsserie zu den Olympischen Spielen kamen der 20-jährige Steuermann und seine 22-jährige Vorschoterin vom Erfolgskurs ab.

  So hoffnungsfroh waren die WM-Fünften und "German Wonder Kids" in die dreiteilige Olympia-Ausscheidung gestartet, bevor ihr Traum an diesem Wochenende platzteFoto: Laura Carrau/BISC
So hoffnungsfroh waren die WM-Fünften und "German Wonder Kids" in die dreiteilige Olympia-Ausscheidung gestartet, bevor ihr Traum an diesem Wochenende platzte

"Wir hatten einigen Materialbruch, den wir natürlich auch selbst zu verantworten hatten. Caro war viel krank. Und bei dieser letzten Ausscheidungsregatta beim Weltcup waren wir einfach nicht gut", fasst Kohlhoff den Verlauf der dreiteiligen Ausscheidungsserie (EM Barcelona, WM Clearwater, Weltcup Hyères) nüchtern zusammen. Jetzt steht diese Crew, die für viele ein Symbol der neuen Segelleistungslust im deutschen olympischen Segelsport symbolisierte, für den Moment vor den Trümmern ihrer Träume.

"Momentan wissen wir noch gar nicht, wie es weitergeht. Wir hatten keinen Plan B. Wir hatten nur Plan A." Und der hatte die Olympiateilnahme zum Ziel. Ihr junges Alter wollen die beiden ehrgeizigen Segler aus Kiel nicht als Begründung für das verpasste Olympia-Ticket gelten lassen. "Wir haben den Anspruch, so gut oder auch besser zu sein als die Älteren." Das hat im ersten Olympia-Anlauf zwar teilweise funktioniert, doch reichte trotz des internen Sieges über Jan Hauke Erichsen und Lea Spitzmann (15:13 für Kohlhoff/Werner) nicht zur Erfüllung der olympischen Startbedingungen des Deutschen Olympischen Sportbundes: Weder Kohlhoff/Werner, die zuvor den deutschen Nacra-Nationenstartplatz für die Olympischen Spiele gesichert hatten, noch die gegen Ende der Ausscheidung besser in Fahrt gekommenen Erichsen/Spitzmann konnten sich am Ende der drei Qualifikations-Regatten – wie vom DOSB gefordert – unter den besten zehn Nationen platzieren. Diese letzte Hürde war ein paar Zentimeter zu hoch.

  Bild mit Symbolcharakter: Die letzte und entscheidende Ausscheidungsregatta vor Hyères begann für Kohlhoff/Werner mit einer KenterungFoto: Pedro Martinez/Sailing Energy/Hyères
Bild mit Symbolcharakter: Die letzte und entscheidende Ausscheidungsregatta vor Hyères begann für Kohlhoff/Werner mit einer Kenterung

Das Vertrauen in das eigene Leistungspotenzial haben die Kieler mit dem geplatzten Olympiatraum nicht verloren. "Wir würden uns immer noch eine Medaillenchance, eine Außenseiterchance bei den Olympischen Spielen zutrauen, wenn man uns doch schicken würde", sagte Kohlhoff nach der größten Niederlage seiner jungen Karriere. Für den deutschen Segelsport gilt es nun, die Talente aufzufangen. Vorerst nehmen Kohlhoff und Werner Kurs auf Kiel. "Wir wollen erst einmal nach Hause und in Ruhe überlegen, wie es für uns weitergeht."

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