Segeln olympischWenn der Leitwolf ganz laut brüllt

Tatjana Pokorny

 · 10.08.2016

Segeln olympisch: Wenn der Leitwolf ganz laut brülltFoto: Sailing Energy / World Sailing
OS 2016 Tag 3

Philipp Buhl ringt mit sich und Rios Olympiarevier. Der Allgäuer verpasste am Mittwoch in "seinen" Winden die große Chance, zeigt aber Biss

  Auch eine furiose Aufholjagd reichte Philipp Buhl am Mittwoch nicht zum Anschluss an die Spitzengruppe. Aufgegeben hat er aber noch lange nicht Foto: Sailing Energy / World Sailing
Auch eine furiose Aufholjagd reichte Philipp Buhl am Mittwoch nicht zum Anschluss an die Spitzengruppe. Aufgegeben hat er aber noch lange nicht 

Gebrüllt hat er. Gekämpft und mit sich gehadert. Beinahe aufgegeben und sich dann wieder angetrieben. Um schließlich furios durch Feld zu pflügen. Gäbe es Olympia-Gold für erfolgreiche Aufholjagden, dann hätte Philipp Buhl wohl beste Aussichten, seit er in der sechsten Olympia-Wettfahrt aus Rang 28 noch einen 13. gemacht hat. "Das sieht zwar im Ergebnis nicht toll aus, war aber seglerisch fast sensationell", attestierte Trainer Thomas Piesker. Doch es hilft alles nichts: Platz 13 nach sechs von zehn Rennen bis zum Medaillenfinale am 15. August ist nicht das, was sich der Weltranglisten-Erste für seine Olympia-Premiere zu diesem Zeitpunkt im Zwischen-Klassement vorgestellt hat. "Ich bin mit dem Tag völlig enttäuscht", sagte Buhl am Mittwochabend, "es waren meine Bedingungen und eigentlich alles so klar. Da hat sich ein kleiner Fehler zum nächsten addiert. Dabei macht mir in Sachen Speed hier keiner was vor..."

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Eine kleine Kollision mit einem Mexikaner verdeutlicht, dass es nicht nur Fehler, sondern auch ein wenig Pech ist, das an Buhl im wenig geliebten Revier der Guanabara-Bucht am Laser-Rumpf klebt wie ein Sticker. Dem Sonthofener war klar, dass der Mexikaner hinter ihm durchgehen würde. Doch die Welle, auf der sich der Konkurrent bewegte, brach ab, und plötzlich berührten sich die Boote. Den teuren Kringel dafür absolvierte Buhl sicherheitshalber freiwillig.

  Harte Arbeit auf der Außenbahn Copacabana: Der 43-jährige Robert Scheidt kämpft um seine sechste Olympia-MedailleFoto: Sailing Energy / World Sailing
Harte Arbeit auf der Außenbahn Copacabana: Der 43-jährige Robert Scheidt kämpft um seine sechste Olympia-Medaille

Die launische Guanabara-Bucht mit ihren eigenwilligen und schwer berechenbaren Winden und Strömungen lag dem Leitwolf der Segel-Nationalmannschaft von Beginn an nicht. "Rio und ich, das ist keine Liebe auf den ersten Blick", hatte Buhl schon nach der olympischen Testregatta 2015 gesagt, bei der er Platz neun belegt hatte. Ein Jahr später scheint sich die Geschichte zu wiederholen. Doch noch hat der Sonthofener Sportsoldat vom Segelclub Alpsee-Immenstadt nicht aufgegeben. "Meine Mama hat gesagt, dass ich bis zur letzten Sekunde kämpfen soll. Das werde ich jetzt tun."

29 Punkte Rückstand auf Platz drei sind allerdings auch für einen "Gerne-Jäger" eine sehr hohe Hürde. Doch Trainer Piesker macht Mut: "Der Funke glimmt noch. Zwar ist der Befreuungsschlag noch nicht gelungen, aber die Führenden sind auch alle mit Zitterhändchen unterwegs. Wenn wir jetzt schaffen – wozu Philipp jederzeit in der Lage ist –, eine Serie mit Top-Fünf-Plätzen hinzulegen, dann ist alles möglich. Es ist noch nicht vorbei." Die Laser-Regatta wird am Freitag und Samstag mit den Wettfahrten sieben bis zehn fortgesetzt. Das Medaillenfinale steigt am 15. August.

  Olympia-Auftakt für Annika Bochmann und Marlene SteinherrFoto: Sailing Energy / World Sailing
Olympia-Auftakt für Annika Bochmann und Marlene Steinherr

Während Buhl mit sich und der Guanabara-Bucht rang, stiegen auch die deutschen 470er-Crews und das Kieler Nacra-17-Katamaran-Team Paul Kohlhoff und Carolina Werner in ihren Disziplinen in die Olympia-Regatta ein. Das Ergebnis blieb zunächst so grau wie der Himmel am Mittwoch über der Marina da Glória. Kohlhoff/Werner liegen nach den ersten beiden Rennen trotz zwei starker Starts auf Platz 16. In von vielen Seglern als "völlig verrückten Segelbedingungen", in denen sich die skurrilsten "Park- und Renn-Szenen" abspielten, errang die junge Mannschaft vom Kieler Yacht-Club die Ränge 14 und 11. "Wir haben das Beste aus den Bedingungen gemacht", kommentierte Carolina Werner den Auftakt. Die 470er-Seglerinnen Annika Bochmann und Marlene Steinherr vom Verein Seglerhaus am Wannsee liegen nach zwei Wettfahrten auf Platz 16. Die Europameister Ferdinand Gerz und Oliver Szymanski sind zunächst 17.

  Paul Kohlhoff und Carolina Werner starteten am Mittwoch als jüngste Crew der 20 Nacra-17-Teams in ihre Olympia-Olympia-PremiereFoto: Sailing Energy
Paul Kohlhoff und Carolina Werner starteten am Mittwoch als jüngste Crew der 20 Nacra-17-Teams in ihre Olympia-Olympia-Premiere

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