Am meisten hatten die Teilnehmer der 470er-Weltmeisterschaft vor San Isidro in Argentinien mit einem blumigen Phänomen zu kämpfen: Im Wasser treibende Hyazinthen machten den Crews das Regattaleben schwer. Die Besten kamen mit Glück und neuen Reinigungs- und Befreiungstechniken durch. Die deutschen Europameister Ferdinand Gerz und Oliver Szymanski plagten sich ebenfalls mit den lästigen Pflanzen, segelten aber mit starkem Schlussspurt auf WM-Platz sieben und haben damit erneut ihre Medaillenambitionen für die olympischen Regatta in Rio unterstrichen.
"Es war mit den vielen Pflanzen im Wasser eine mühsame WM", berichtete Ferdi Gerz über das ungewöhnliche blumige Phänomen, "wir haben im 470er normalerweise eine Vorrichtung, die dafür sorgt, dass das Ruder nicht hochkommt. Hier bei der WM haben dann viele eine Art Hochziehleine entwickelt, um das Ruder doch hochziehen und immer wieder von den Pflanzen befreien zu können. Ständig sind Schwertlippen kaputtgegangen. Manchmal hingen die Pflanzen auch so tief unten, dass man gar nicht herankam. Es hatten zwar alle das gleiche Problem, aber es hat schon die Ergebnisse beeinflusst." Gesegelt wurde etwa 22 Kilometer entfernt von Buenos Aires im Flussdelta des Rio de la Plata. Die Hyazinthen waren durch den Oberlauf des Flusses auf das Segelrevier gespült worden und hatten sich wie Algenteppiche im Wasser ausgebreitet.
Ferdi Gerz und Oliver Szymanski hatten sich in Argentinien souverän für das Medaillenrennen qualifiziert und bestätigten damit erneut ihre Zugehörigkeit zum erweiterten Favoritenkreis für die olympische Regatta im August vor Rio de Janeiro. "Es wird neun oder zehn Teams geben, die bei uns um die Medaillen segeln können. Und da zähle ich uns in jedem Fall dazu", sagte der Steuermann vom Segler Verein Wörthsee, der mit seinem Vorschoter Szymanski vom Joersfelder Segel-Club auf Kurs Rio segelt.
Verwundbar zeigte sich bei den Welttitelkämpfen in Südamerika der australische Olympiasieger, Titelverteidiger und 470er-Dominator Mathew Belcher, der mit William Ryan an den Medaillen vorbei auf Platz vier segelte. Weltmeister wurden die Kroaten Sime Fantela und Igor Marenic vor den Neuseeländern Paul Snow-Hansen und Daniel Willcox. Bronze holten die Franzosen Sofian Bouvet und Jérémie Mion.
Im Damenfeld sicherten sich die österreichischen Titelverteidigerinnen Lara Vadlau und Jolanta Ogar mit Bronze ihre dritte WM-Medaille in Folge, mussten sich aber den neuen französischen Weltmeisterinnen Camille Lecointre und Helene Defrance sowie den neuseeländischen Olympiasiegerinnen Jo Aleh und Polly Powrie geschlagen geben. Auch Lara Vadlau berichtete vom mühsamen Kampf mit den im Wasser treibenden Hyazinthen: "Es war in jeder Hinsicht extrem. Ich habe ununterbrochen das Schwert und Ruder rausnehmen müssen, weil sich irgendein Grünzeug verfangen hat. In der zweiten Wettfahrt hatten wir eine Art Ast im Schwertkasten, der uns um ein Haar eine Kenterung beschert hätte. Unterm Strich sind wir halbwegs glimpflich – weil ohne Schaden – über die Runden gekommen." Annika Bochmann und Marlene Steinherr vom Verein Seglerhaus am Wannsee segelten auf WM-Platz 16.

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