Olympische Spiele

Segeln olympisch: Spektakulär: Buhl greift am Sonntag nach WM-Gold

Tatjana Pokorny

 · 14.02.2020

Segeln olympisch: Spektakulär: Buhl greift am Sonntag nach WM-GoldFoto: Lars Wehrmann/DSV

Vor Melbourne liegt eine Segel-Sensation in der Luft. Dafür sorgt Laser-Steuermann Philipp Buhl mit ungebrochen herausragenden Leistungen bei der Laser-WM

Erik Heil hat am Samstag bei der 49er-WM mit Thomas Plößel die Bronzemedaille gewonnen und sich zum zweiten Mal in Folge für einen Olympiastart qualifiziert. Doch seine Gedanken schweiften schon kurz vor der eigenen Siegerehrung hinüber auf die andere Seite der australischen Phillip-Bucht. Denn dort kämpft sein Kumpel Philipp Buhl nach erneut herausragenden Leistungen am Sonntag um WM-Gold. "Ich hoffe so sehr für ihn, ich werde beten", sagte Heil lächelnd, "Buhli hätte es so verdient. Ich würde völlig ausrasten, wenn er Weltmeister wird." Nie zuvor war ein deutscher Lasersegler Weltmeister. 20 Jahre ist es her, dass mit Roland Gäbler und René Schwall im Tornado zuletzt einmal deutsche Segler einen WM-Titel in einer olympischen Segeldisziplin gewinnen konnten. Es steht also viel auf dem Spiel für Philipp Buhl, der in Down Under bislang die Serie seines Lebens in der Bucht mit seinem Namen segelt. Wird sie Sonntag die seine werden?

  In seinem Element: Laser-Steuermann Philipp BuhlFoto: Jesus Renedo/Trofeo Princesa Sofía Iberostar 2019
In seinem Element: Laser-Steuermann Philipp Buhl

In der Vorrunde schockierte der Allgäuer die Konkurrenz mit den Rängen 4, 1, 1, 1, 1 und 2. In der Hauptrunde setzte Buhl die Konstanz auf Höchstniveau mit den Rängen 2, 3 und 5 am Samstag fort. Die bereits am ersten Tag übernommene Gesamtführung konnte der Steuermann vom Norddeutschen Regatta Verein damit sogar leicht ausbauen. Das Szenario vor dem Finale am Sonntag, für das aufgrund eines Ausfalltages erneut und wie schon am Samstag drei fordernde einstündige Rennen auf dem Programm stehen, ist spektakulär spannend: Buhl führt mit nur 15 Punkten auf dem Konto vor dem ebenfalls stark agierenden Franzosen Jean Baptiste Bernaz (19 Punkte). Der allerdings hat mit einem Frühstart bereits ein hohes Streichergebnis auf dem Konto, während Buhl bislang einen fünften Rang streicht. Es folgen Vizeweltmeister Matt Wearn (Australien) mit 30 Punkten, der Brite Elliot Hanson (40 Punkte), der olympische Silbermedaillengewinner Tonci Stipanovic (44 Punkte) aus Kroatien, Buhls Trainingspartner Jesper Stalheim (47 Punkte) aus Schweden und sein neuseeländischer Segelfreund, der olympische Bronzemedaillengewinner Sam Meech (47 Punkte). Ein zweiter Streicher greift nach dem nächsten gesegelten Rennen.

  Jean Baptiste Bernaz ist am Finaltag Buhls stärkster RivaleFoto: John West / Laser Worlds 2020
Jean Baptiste Bernaz ist am Finaltag Buhls stärkster Rivale

Mit den drei angesetzten Rennen steht immerhin noch ein Viertel der Regatta aus. Alle wissen: Drei Rennergebnisse können viel verändern. Die gute Botschaft für Buhl: Es sind kräftige Winde vorhergesagt. Obwohl seine Oberschenkel wie bei allen Laser-Spitzenseglern nach dreimal einer Stunde Höchstleistung und Hängen am Samstagabend in Sandringham bei Melbourne brannten, sind es Bedingungen, die Buhl liegen – auch zwei Tage hintereinander. Bis zum Showdown versucht sich der 30-Jährige, der bislang bei Weltmeisterschaften einmal Silber und zweimal Bronze gewinnen konnte, abzulenken. "Der Tag heute war hart. Ich bin selten so müde gewesen. Aber das gilt für alle in der Flotte. Ich möchte am Sonntag gern wieder Rennen für Rennen nehmen und alles andere ausblenden. Das Bisherige nimmt mir keiner mehr. Die Vorrunde war zumindest in meiner Segelgeschichte einmalig." Buhl weiß vor der Entscheidung: "Es stehen noch drei Rennen aus, und es sind noch einige Leute im Spiel." Buhls Vorabend-Programm: Ein heißes Bad, vielleicht ein Film und ein Gespräch bei Tee mit Sam Meech. Dann kann der Tag der Entscheidung kommen.

Hier geht es zu den Ergebnissen.

  Auch der Australier Matt Wearn kämpft am Sonntag um eine WM-MedailleFoto: John West / Laser Worlds 2020
Auch der Australier Matt Wearn kämpft am Sonntag um eine WM-Medaille

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