Segeln olympisch"Rio wird die größte Herausforderung"

Tatjana Pokorny

 · 02.08.2016

Segeln olympisch: "Rio wird die größte Herausforderung"Foto: STG/Sailing Energy

Porträtserie Teil 5: Annika Bochmann und Marlene Steinherr starten in Rio mit einer gesunden Mischung aus Aggressivität und Understatement

  Annika Bochmann und Marlene Steinherr starten am 10. August in die olympische RegattaFoto: ASTG/Lars Wehrmann
Annika Bochmann und Marlene Steinherr starten am 10. August in die olympische Regatta

Sie sitzen erst seit Oktober 2014 in einem Boot und haben sich doch für ihre Olympia-Premiere qualifiziert: Annika Bochmann (Falkensee) und Marlene Steinherr (Berlin) sind das deutsche 470er-Frauenteam für die Rio-Regatta. Gestern sind sie in Brasiliens Olympia-Metropole gelandet. Heute schon geht es in den Hafen zur Vorbereitung von Boot und Material. In ihrem Blog notierten die Frauen vom Verein Seglerhaus am Wannsee: "Endlich ist es so weit. Unser Abenteuer Olympia beginnt!"

Beharrlich hat sich das Duo mithilfe von Trainer Lucas Zellmer in die Weltspitze vorgearbeitet. Bei der Europameisterschaft 2015 konnten die strategisch starke Annika Bochmann und ihre erfahrene Vorschoterin Steinherr einen starken vierten Platz erringen. Acht Jahre Einsatz im 470er bringt die 25-jährige Steuerfrau mit nach Brasilien. Marlene Steinherr, Sportwissenschaftlerin und Psychologin, hatte nach einer Olympia-Kampagne vor vier Jahren eine Wettkampfpause eingelegt, bevor sie mit Bochmann noch einmal durchstartete.

Für die beiden deutschen 470er-Seglerinnen hat mit der Olympia-Teilnahme ein Lebenstraum erfüllt. Jetzt wollen sie vor Rio zeigen, was sie drauf haben. Strategische Cleverness und eine Vorliebe für die unterschiedlichen Bedingungen zählen zu den Stärken der Crew vom Verein Seglerhaus am Wannsee.

Beide Frauen sind Familienmenschen und Leistungssportlerinnen aus Überzeugung. Ulrike Schümann, Vizepräsidentin des VSaW und Olympia-Vierte von 2008, sagt: "Annika und Marlene besitzen als Team großes Potenzial, richten den Blick immer nach vorn, sind fleißig und ehrgeizig." Vereinskameradin Schümann weiß: "Mit neun Medaillen war Annika eine der erfolgreichsten Segel-Juniorinnen Deutschlands. Sie ist talentiert und clever, hat sich mit Marlene eine erfahrene Persönlichkeit ins Boot geholt."

Die Berlinerinnen zählen zwar nicht zu den Top-Favoritinnen, doch ist ihnen einiges zuzutrauen. Das glaubt auch DSV-Cheftrainer David Howlett. Der ehemalige Erfolgscoach des viermaligen Olympiasiegers Sir Ben Ainslie sagt: "Als ich Annika und Marlene zu Beginn des Jahres intensiv bei einer Regatta beobachtet habe, war mir eines sofort klar: Sie haben wirklich eine Menge drauf. Mir gefällt, wie zuletzt Lucas Zellmer mit den beiden gearbeitet hat. Das Team inzwischen athletisch sehr starke Team Bochmann/Steinherr gehört zu den besten zehn 470er-Frauenteams der Welt, und deshalb ist bei Olympia auch eine positive Überraschung drin."

  Strategisch stark und mit guten "Allround"-Fähigkeiten seit Oktober 2014 ein Team: Annika Bochmann und Marlene Steinherr vom Verein Seglerhaus am WannseeFoto: STG/Sailing Energy
Strategisch stark und mit guten "Allround"-Fähigkeiten seit Oktober 2014 ein Team: Annika Bochmann und Marlene Steinherr vom Verein Seglerhaus am Wannsee

Trainer Lucas Zellmer, selbst ein Olympia-Starter, sagte: "Auf dem Revier in Rio werden Leute schnell mal ins Wackeln geraten. Es wird Überraschungen geben. Da kann man auch selber überraschen und über sich hinauswachsen." So verwundert die Kampfansage der 25-jährigen Annika Bochmann nicht: "Wir kommen, wenn die anderen straucheln." Die beiden deutschen 470er-Seglerinnen mögen das Revier in der Guanabara-Bucht." Sie wollen dessen Herausforderungen als "gute Allrounderinnen" annehmen und dabei "das Rad nicht neu erfinden".

Die 470er-Seglerinnen wissen um die Anforderungen auf den unterschiedlichen Kursen im Olympia-Revier. Annika erklärt: "Rio ist ein Revier für sich. Wir segeln voraussichtlich jeden Tag auf einem anderen Kurs. Das ist die größte Herausforderung. Drinnen und draußen gibt es Unterschiede wie Tag und Nacht. Es herrscht lokales Wetter, was sehr speziell ist. Es ist eine Herausforderung, die sehr, sehr unterschiedlichen Systeme zu erkennen. Der Vorteil ist, dass diese Bedingungen das Rennen in der Frauen-Flotter weiter öffnet." Die Ansage der Mannschaft ist deutlich: "Wir wollen in Rio zeigen, was wir drauf haben und bis aufs Blut kämpfen."

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