Tatjana Pokorny
· 15.02.2019
Vor 55 Jahren gewann Willy Kuhweide in Enoshima sein legendäres Finn-Olympiagold. Jetzt formiert sich wieder ein DSV-Team auf Kurs Japan. Dabei produzieren das Qualifikationssystem und die Rahmenbedingungen für die nationalen Ausscheidungen die Hürden, die Deutschlands beste Olympiasegler auf dem Weg zum angestrebten Olympia-Start zu nehmen haben.
In manchen olympischen Disziplinen drängeln sich die Bewerber hierzulande so sehr, dass mit einer hochspannenden nationalen Ausscheidung gerechnet werden darf. So etwa wie in der Skiffklasse 49er, in der 2019 und 2020 mindestens vier deutsche Mannschaften um nur einen Olympiastartplatz pro Nation und Disziplin ringen werden. Oder auch bei den 470er-Seglerinnen, wo sich mit Frederike Loewe/Anna Markfort, Fabienne Oster/Anastasiya Winkel und Nadine Böhm/Ann-Christin Goliaß gleich drei Teams Hoffnungen machen. In anderen Klassen wie dem Laser ist die Zahl von Top-Akteuren auf internationalem Niveau überschaubarer; lediglich der talentierte Nik Aaron Willim kann aus heutiger Sicht versuchen, am gefestigten Thron des WM- und Weltranglisten-Dritten Philipp Buhl zu rütteln. In wieder anderen Disziplinen wie dem 49erFX der Damen zeichnen sich nationale Ausscheidungsduelle wie das schon einmal erlebte zwischen Vicky Jurczok/Anika Lorenz und Tina Lutz/Susann Beucke ab. Nach misslungener WM im vergangenen Jahr müssen die stärksten deutschen Skiffseglerinnen in diesem Jahr aber zunächst noch die grundsätzlich erforderliche Nationenqualifikation schaffen, die der Segelnationalmannschaft den Startplatz bei Olympia 2020 überhaupt erst beschert.
Wie die Olympia-Ausscheidung für die Kader-Besten des German Sailing Teams in den einzelnen Disziplinen funktioniert, hat der Deutsche Segler-Verband nun bekannt gegeben. Die Mehrheit der Segler und Seglerinnen begrüßt das System, das die Aktiven und ihre Trainer teilweise mitgestaltet haben. Grundvoraussetzung für eine Ausscheidung ist immer die durch den Weltseglerverband World Sailing festgelegte Nationenqualifikation. Die gelang den Athleten der Segelnationalmannschaft im ersten Anlauf bei der Weltmeisterschaft 2018 im dänischen Aarhus nur in den Klassen Laser, 49er und Laser Radial. Um den Nationenstartplatz kämpfen müssen die DSV-Starter noch in den Disziplinen 49erFX, Finn, 470er Frauen, 470er Männer und Nacra 17. Die Nationenqualifikation erscheint in allen fünf noch ausstehenden Klassen möglich, wenn auch in einigen mindestens sehr anspruchsvoll.
Dieser Video-Clip zeigt Impressionen vom japanischen Olympia-Revier
Ist Stufe eins genommen, geht es in Stufe zwei um die grundsätzliche Erfüllung "der Norm des Deutschen Olympischen Sportbundes zum Nachweis der Endkampfchance". Dafür müssen die deutschen Olympia-Kandidaten bei jeweils drei festgelegten großen Regatten punkten und sich in der Endabrechnung sowohl unter den besten zehn Nationen platziert als auch mindestens neun Zähler auf ihrem Quali-Konto gesammelt haben. Hier die für die einzelnen Disziplinen festgelegten Qualifikations-Regatten im Überblick:
Besonders viele Punkte gibt es für Medaillen und Podiumsplätze bei Weltmeisterschaften, offenen Europameisterschaften und internationalen Großveranstaltungen. Der Erfüllung der DOSB-Kriterien folgt Stufe drei: Der DSV schlägt die jeweils beste deutsche Crew der in Stufe zwei entstandenen Ranglisten zur Nominierung durch den DOSB vor. Die endgültige Nominierung der Olympia-Teilnehmer erfolgt durch den DOSB-Vorstand. Das gesamte Prozedere wird bis ins Frühjahr oder sogar in den Frühsommer 2020 hinein andauern.
Weitere Besonderheiten, Infos und das detailliert erklärte Punktsystem finden sich hier.

Freie Reporterin Sport