Der neute Tag der Olympia-Regatta stand nicht nur im Zeichen des Medaillenregens, sondern wurde auch von den "Oldies" geprägt. Der 54-jährige Santiago Lange, Ältester unter den 380 olympischen Seglerinnen und Seglern in Rio de Janeiro, hat mit seiner Vorschoterin Cecilia Carranza Saroli die Goldmedaille in der jüngsten Olympia-Disziplin Nacra 17 gewonnen. Nach im vergangenen Jahr besiegter Kreberkrankung wiedererstarkt, segelte Lange, dessen beiden Söhne sich am Dienstag als Siebte nach zwölf Wettfahrten im 49er für das Skiff-Finale am Donnerstag qualifiziert hatten, zum Olympiasieg für Argentinien. Die anschließenden familiären Jubelszenen waren mitreißend schön.
Silber hatten sich in der neuen olympischen Mixed-Katamaran-Disziplin die Australier Jason Waterhouse und Lisa Darmanain gesichert. Über Bronze freuten sich überglücklich die Österreicher Thomas Zajac und Tanja Frank, die damit die erste Segel-Medaille für die Alpenrepublik bei diesen XXXI. Olympischen Spielen holten. Dass Santi Lange das Kräftemessen in den neuen olympischen Zweirumpf-Geschossen gewinnen konnte, zeigt, dass Segeln ein Erfahrungssport ist und bleibt, erinnert aber auch noch einmal die Herausforderungen, denen die Nacra-17-Crews auf dem schwachwindigen, "löchrigen" und unberechenbaren Zuckerhut-Kursen mehrfach ausgesetzt waren und in denen einige vor Olympia höher eingestufte Teams aus dem Tritt kamen.
Gleichzeitig verabschiedete sich mit dem fünfmaligen Medaillengewinner Robert Scheidt am Dienstag ein ganz Großer von der olympischen Segel-Bühne. Der Brasilianer mit deutschem Großvater beendete seine Karriere als Vierter ohne die erhoffte sechste Medaille beim sechsten Olympia-Start mit gemischten Gefühlen: "Ich hätte die Medaille gern gehabt. Aber ich werde den Sieg im Finale und die Eröffnungsfeier, bei der ich den Eid für die Athleten sprechen durfte, als unvergessliche Momente behalten." Anschließend gab es von Scheidt noch einen Gruß in deutscher Sprache: "Danke für alles! Wir sehen uns bei der Kieler Woche!" Der 43-jährige neunmalige Laser-Weltmeister ließ sich mit diesem kessen Gruß auch ein Hintertürchen zum Comeback offen.
"Medaille der Courage" für Billy Besson
Die "Medaille der Courage" und viele Fan-Herzen hat sich bei den XXXI. Sommerspielen der Franzose Billy Besson ersegelt. Der 35-jährige viermalige Weltmeister in der neuen olympischen Mixed-Katamaran-Disziplin Nacra 17 und lange vor Olympia unstrittige Top-Favorit auf Gold mit seiner Vorschoterin Marie Riou hatte sich zwei Wochen vor den Olympischen Spielen bei einem Trainingseinsatz vor Quiberon in Folge eines "Steckers" am Rücken verletzt.
Noch am Vortag der olympischen Nacra-17-Regatta war Besson für einen Testeinsatz im Rollstuhl an die Rampe zu seinem Katamaran gefahren worden. Bessons von Helfern begleitete Auftritte im Hafen taten nicht nur dem in Papeete auf Tahiti geborenen und auf Segelbooten groß gewordenen Steuermann weh – sein Team und die Fans litten mit. Der Franzose quälte sich an den Regattatagen schmerzgepeinigt und gebeugt über das Hafenvorfeld und auf seinem Zweirumpf-Geschoss, das er sonst wie eine Katze beherrscht. Während er in stärkeren Winden wenigstens im Trapez hängen konnte, bereitete ihm das Bewegen über das Boot in leichteren Winden große Probleme. Dass Besson überhaupt segeln konnte, kam einem kleinen Wunder nahe. Dass er nach bitterem Auftakt mit Marie einen Regattatag mit den Rängen 2, 1 und 1 feiern durfte, war aller Ehren wert. Am Ende blieb mit Platz sechs die Auszeichnung für einen großen olympischen Kampf. Die hochverdiente Medaille konnten die französischen Nacra-17-Meister aufgrund der Verletzung nicht gewinnen. Dafür erhielten sie aber nicht nur vom französischen Sportmagazin "L'Équipe" die "Medaille de Courage".

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