Segeln olympischKördel brilliert – und verletzt sich, Skiffsegler rücken bei WM vor

Tatjana Pokorny

 · 07.03.2024

Sebastian Kördel bei einem Team-Fotoshooting
Foto: Sailing Energy/German Sailing Team
Deutschlands Olympiasegler und -surfer sind in dieser Woche bei der Weltmeisterschaft der Skiffs vor Lanzarote und bei den iQFoil Games in Cadiz gefordert. Vor allem Sebastian Kördel ist nach seiner unglücklichen WM wieder in Top-Form, hat aber am heutigen Tag einen Sturz und dessen Folgen zu verdauen. Die 49er- und 49er-FX-Crews des German Sailing Teams konnten nach wackligem WM-Auftakt vorrücken

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Sebastian Kördel ist wieder voll da. Gut einem Monat nach dem Schock von Platz 28 bei der WM zeigt sich der iQFoil-Weltmeister von 2022 und Vizeweltmeister von 2023 in bestechender Form. Zwar hatte der 33-jährige Windsurfer vom Norddeutschen Regatta Verein auch die iQFoil Games in Cadiz mit einem Frühstart und Rang 11 eröffnet, dann aber eine fantastische Serie von sechs Rennsiegen in Folge hingelegt, bevor ihn ein heftiger Sturz am 7. März stoppte. Doch sogar die Nicht-Teilnahme am insgesamt neunten Rennen änderte nichts daran, dass der deutsche Windsurfriese das Klassement der iQFoil Games zwei Tage vor dem Finale anführte.

Sturz nach brillanter Serie

Nun kämpft Kördel am Ende seiner Traumserie aber darum, die Serie erstens überhaupt und zweitens bestmöglich beenden zu können. Warum das so ist, berichtete er am Donnerstag selbst: “Ich habe mich leider im fünften Rennen in führender Position beim Tonnenmanöver zum Downwind hin so doof hingelegt, dass ich gedacht habe, der Oberschenkel ist gebrochen. Ich bin quasi aus voller Fahrt mit der Außenseite des Oberschenkels kurz unterhalb des Oberschenkelhalses gegen die Gabel geflogen. Ich musste das Rennen aufgeben.”

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Die Folgen sind schmerzhaft, wie Kördel am späten Nachmittag erzählte: “Ich kann zwar auf dem Bein stehen, den Muskel aber nur unter starken Schmerzen belasten. Ich weiß nicht, ob ich morgen überhaupt aufs Wasser kann. Im Moment versuche ich so viel Eis wie möglich draufzubringen. Mal sehen, was daraus wird. Zur Not wohl einfach Schmerzmittel, je nachdem, was die Nada erlaubt.” Die Nationale Anti-Doping Agentur (Nada) schreibt genau vor, mit welchen Mitteln Athleten bei Verletzungen operieren dürfen – und mit welchen nicht.

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Kann Kördel die iQFoil Games vor Cadiz beenden?

Die gute Botschaft für Kördel war seine Top-Leistung bis zum Sturz: “Meine Geschwindigkeit ist gut. Und der Frühstart vom ersten Tag ist sehr fraglich. Auf dem Video sieht man nur eine Brettspitze und nicht meine Segelnummer. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Spanien 95 bei null über mir und vor mir war. Es ist wahrscheinlich seine Brettspitze. Ich komme dann nur mit mehr Speed raus und bin dann zu sehen. Das Video vom Pin gibt es nicht, weil genau in meinem Heat das Video nicht gestartet, sondern gestoppt wurde. Ich wurde da also auf Verdacht rausgeworfen. Ärgerlich, aber so ist es nun mal. Heute lief es super. Ich war auf jeden Fall der Schnellste auf der Kreuz und auf dem Reach.”

Ihren Nationenstartplatz für die Olympia-Regatta im Sommer in der Bucht von Marseille haben sowohl die deutschen iQFoil-Windsurfer als auch die deutschen Windsurferinnen bereits gesichert. In beiden Disziplinen aber müssen die Top-Akteure für den angestrebten Olympia-Start noch die DOSB-Norm erfüllen und genügend Punkte für die individuelle Qualifikation sammeln. Das kann aktuell bei den iQFoil Games in Cadiz und beim Spanien-Klassiker Trofeo Pricesa Sofía Anfang April erfolgen.

Darum geht es für die olympischen iQFoil-Windsurfer

Die DOSB-Norm ist erfüllt, wenn die Sportlerinnen und Sportler nach ihren drei festgelegten Ausscheidungsregatten unter den ersten zehn Nationen platziert sind und mindestens neun Punkte gesammelt haben. Sollten mehrere Teams dieses Ziel erreicht haben, erhält das Team mit der besten Punktebilanz die finale Nominierung. Bei den iQFoil-Windsurferinnen scheint Theresa Marie Steinlein auf dem besten Weg dahin. Die NRV-Vereinskameradin von Sebastian Kördel bestreitet die iQFoil Games in Cadiz in herausragender Form, lag nach neun Rennen und bereits zwei Rennsiegen auf Platz drei.

Parallel zur aufstrebenden besten deutschen iQFoil-Windsurferin Theresa Steinlein gibt ihre Schwester Sophie Steinlein bei der Skiff-Weltmeisterschaft vor Lanzarote Gas, lag nach acht Wettfahrten mit ihrer Vorschoterin Jill Paland auf Platz 17. Noch weiter vorrücken konnten zur WM-Halbzeit Inga Marie Hofmann/Catherine Bartelheimer (Düsseldorfer Yacht-Club/Segelclub Inning am Ammersee) und Marla Bergmann/Hanna Wille (Mühlenberger Segel-Club). Die beiden bislang besten Duos vom German Sailing Team lagen drei Tage vor dem WM-Finale am 10. März auf den Plätzen 12 und 13.

Deutsche Skiffsegler auf dem Vormarsch

Auch für das schlagkräftigste 49er-Männerteam ging es am 7. März bei der WM aufwärts bis auf Platz 12. Jakob Meggendorfer und Andreas Spranger konnten in neun Läufen bereits einen Rennsieg und insgesamt vier Top-Fünf-Resultate einfahren und kämpfen um den Einzug ins Finale. Den sowohl den 49er-Männern als auch den 49er-FX-Frauen noch fehlenden Nationenstartplatz für die Olympia-Regatta können die deutschen Crews allerdings nicht bei dieser WM ersegeln.

Der aus deutscher Perspektive einzig in diesen beiden von insgesamt zehn olympischen Segeldisziplinen fehlende Nationenstartplatz ist nur noch mit einer Top-Leistung bei der Last-Chance-Regatta Ende April in Hyères zu holen. Die WM aber ist eine von drei Ausscheidungsregatten für die Besten vom German Sailing Team, bei der es für die Skiffsegler um die Erfüllung der Olympia-Norm und die beste interne Leistung geht. Wert werden Erfolge im nationalen Ringen um jeweils eine Olympia-Fahrkarte im 49er und im 49er FX aber nur dann etwas sein, wenn der Nationenstartplatz noch gesichert werden kann.

Wie alles begann – die Vorschau auf die Skiff-WM, bei der inzwischen die Qualifikationsrennen zur Halbzeit abgeschlossen sind:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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