Segeln olympisch"Ich habe Erkenntnisse gewonnen"

Lars Bolle

 · 24.05.2016

Segeln olympisch: "Ich habe Erkenntnisse gewonnen"Foto: Audi

Im Windkanal testen die deutschen Olympioniken ihr Material. Laser-Segler Philipp Buhl über die Möglichkeiten und Erkenntnisse

Video über Buhls Windkanal-Versuche

"Auf der technischen Seite rückt die Weltspitze immer mehr zusammen", sagt der Sonthofener Philipp Buhl, Deutschlands Medaillenhoffnung im Laser. "Die Vorteile, die man sich beim Material erarbeiten kann, werden immer geringer." Deshalb sei es umso wichtiger, jede Möglichkeit, die vor allem moderne Technik biete, zu nutzen, sich dabei jedoch auch nicht auf Irrwegen zu verlieren.

Eine solche Möglichkeit offeriert der Automobilhersteller Audi, Sponsor des Sailing Team Germany. Die Top-Teams hatten die Chance, ihre Boote im Windkanal zu testen. Dabei sind die Ziele ganz unterschiedlich. In Zweimann-Klassen wie dem 49er etwa hat es Sinn, die günstigste Stellung im Trapez zu testen, sodass sich der Steuermann bestmöglich hinter dem Vorschoter verbirgt und damit den gerade bei den hohen Bootsgeschwindigkeiten wichtigen Windwiderstand zu verringern.

Andere Athleten, wie Philipp Buhl, legen den Schwerpunkt mehr auf die Segeleinstellung. Dabei verrät ein eigentlich winziges Detail, wie akribisch an Fortschritten gearbeitet wird. "Ich habe ein konkretes Problem bei acht Knoten Windgeschwindigkeit", so Buhl. "Wenn ich die Schot anziehe, entsteht vom Schothorn aus eine steile Diagonalfalte, die zur Steckstelle des Mastes verläuft." Dies sei typisch für den Laser. Die offene Frage lautet: "Soll ich über den Vorliekstrecker diese Falte herausziehen oder sie stehen lassen?" Mit Falte ist das Segel bauchiger, erzeugt mehr Druck, segelt aber weniger Höhe, ohne Falte wird das Segel flach gezogen, es geht Druck verloren. "Beide Einstellungen sieht man in der Weltspitze", so Buhl.

Er wollte jedoch nicht mit einem Fragezeichen nach Rio fahren, sondern in diesem Punkt Gewissheit. Sechs Techniker und Ingenieure stellte Audi ihm zur Seite, das Boot wurde im Windkanal aufgeriggt und die verschiedenen Konfigurationen getestet. "Wir haben festgestellt, dass es messbare Unterschiede gibt, müssen die Daten jedoch noch vollständig auswerten", so Buhl.

Erschwerend dabei sei, dass der Windkanal nur 2,80 Meter hoch sei. Der Laser könne zwar in der Halle voll aufgeriggt werden, die Luftströmung treffe jedoch nur den unteren Segelbereich. Da hatte es etwa Paralympics-Teilnehmer Heiko Kröger besser, sein 2.4 mR wurde im Windkanal vollständig angeströmt.

Dafür gab es aber für Buhl auch sofortige, eindeutige Erkenntnisse. "Es war beeindruckend zu sehen, wie die Wirbelschleppe am Ende des Großbaumes entsteht, wie schnell sie aber auch nach Lee auswandert." Damit wurden praktische Erfahrungen nochmals untermauert. "Das heißt für mich, dass ich beruhigt im Kielwasser eines Gegners weitersegeln kann, da ich jetzt erstmals mittels der Rauchlanze gesehen habe, dass die gestörten Winde tatsächlich nach Lee gehen und direkt hinter einem Kontrahenten keine gestörten Winde sein sollten."

Welche modernen technischen Hilfsmittel die deutschen Olympiasegler noch nutzen, lesen Sie im großen Olympia-Spezial in YACHT 15/2016, ab 6. Juli am Kiosk.

Meistgelesene Artikel