Segeln olympischHistorische Chance für Robert Scheidt

Tatjana Pokorny

 · 31.07.2016

Segeln olympisch: Historische Chance für Robert ScheidtFoto: Kalle Raeda

Großes Laser-Kino: Brasiliens Supersegler Robert Scheidt, 43, will seine sechste Medaille. Zu seinen Herausforderern zählt Philipp Buhl

Brasiliens Supersegler Robert Scheidt kann seiner Karriere bei der olympischen Regatta in Rio de Janeiro ein weiteres historisches Kapitel hinzufügen: Der 43-Jährige (!) hat bei fünf olympischen Einsätzen fünf Medaillen gewonnen. Im Heimatrevier will er seine einzigartige Karriere mit der sechsten krönen und als Segler mit den meisten Medaillen von der olympischen Bühne abtreten. "Ich habe Vertrauen in meine Möglichkeiten. Ich möchte nicht darüber nachdenken, wie alt ich bin. Ich glaube, dass ich sehr gut vorbereitet bin. Ich bin hier, weil ich um eine Medaille kämpfen will."

  Bei der Laser-WM im Oman gewann Robert Scheidt 2013 seinen neunten und vorerst letzten WM-TitelFoto: Mark lloyd/Oman Sail
Bei der Laser-WM im Oman gewann Robert Scheidt 2013 seinen neunten und vorerst letzten WM-Titel

Scheidts ist der älteste Starter in der größten olympischen Flotte von 46 Laser-Seglern aus ebenso vielen Nationen. Einige Starter könnten beinahe seine Söhne sein. Der deutsche Vizeweltmeister Philipp Buhl ist 26 Jahre alt und hatte in seiner Kindheit schon Bilder von Scheidt in seinen Schulhelften kleben. Dass Buhl einmal bei Olympia gegen diesen brasilianischen Ausnahmesegler antreten würde dürfen, war damals nur ein großer Traum, der jetzt Wirklichkeit geworden ist. "Unter den neun Seglern, die ich für eine Medaille auf meiner Liste habe, steht Robert weit vorn", sagt Buhl, der aber auch eigene Ambitionen angemeldet hat: Auch er will eine Medaille. "Wenn alles ideal läuft, dann ist sie drin." Wie Robert Scheidt weiß aber auch Buhl, dass es in keiner der olympischen Disziplinen so viele ernsthafte Medaillenanwärter gibt wie im Laser.

  Mit dem einstigen Idol und Gegner von heute: Philipp Buhl (l.) und der 17 Jahre ältere Robert Scheidt, der sein nicht ganz typisch brasilianisches Aussehen vermutlich dem deutschen Großvater und der schwedischen Mutter verdanktFoto: tati
Mit dem einstigen Idol und Gegner von heute: Philipp Buhl (l.) und der 17 Jahre ältere Robert Scheidt, der sein nicht ganz typisch brasilianisches Aussehen vermutlich dem deutschen Großvater und der schwedischen Mutter verdankt

Zu Scheidts Vorteilen zählen neben der schier unerschöpflichen Erfahrung und dem guten Gefühl der bereits gewonnenen Medaillen seine Revierkenntnisse. "Ich fühle mich wohl in diesem Olympia-Revier. Ich kenne die Bedingungen sehr gut. Aber es sind die Olympischen Spiele. Die Konkurrenz wird sehr stark sein."

Parallel zu Scheidt kämpft seine litauische Ehefrau Gintare Scheidt vor Rio bei ihren dritten Olympischen Spielen um eine zweite Medaille. Die 33-jährige Mutter der beiden gemeinsamen Söhne Erik und Lucas hatte 2008 vor Qingdao Silber gewonnen und Robert Scheidt noch im selben Jahr geheiratet. Mit ihrem Sieg bei der olympischen Testregatta 2015 hatte Gintare Scheidt ein deutliches Ausrufezeichen hinter die familiären Medaillenziele in Rio gesetzt. Das erfolgreichste olympische Segel-Paar sind Herr und Frau Scheidt jetzt schon. Am 8. August fällt für beide – und für Philipp Buhl – der erste Startschuss zur Olympia-Regatta.

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