Segeln olympischFinn-Segler werfen Welt-Seglerverband Diskriminierung vor

Tatjana Pokorny

 · 16.05.2019

Segeln olympisch: Finn-Segler werfen Welt-Seglerverband Diskriminierung vorFoto: Robert Deaves / Finn Class
Finn
Die vom Olympia-Aus bedrohten Finn-Segler haben ihren Kampf noch nicht aufgegeben und einen offenen Brief an den Weltverband adressiert

Im Kampf um ihren olympischen Verbleib nach 2020 fahren die Finn-Segler jetzt schwere Geschütze auf. In einem offenen und von der weiten Mehrheit führender Finn-Segler unterzeichnetem Brief an den Welt-Seglerverband World Sailing geht es vor allem um das Thema Diskriminierung. Nach Ansicht der traditionell schwergewichtigen Finn-Athleten bietet die neue Komposition der zehn Segeldisziplinen für die Olympischen Spiele 2024 männlichen Seglern jenseits von 85 Kilogramm Körpergewicht für die Zukunft kaum mehr eine olympische Teilnahmechance. Weil die Einhandjolle 2024 nach ihrer Abwahl im vergangenen Winter nicht mehr im Einsatz sein soll und stattdessen – auch im Bestreben um die vom IOC geforderte Geschlechterausgeglichenheit – eine noch genauer zu definierende Mixed-Offshore Premiere feiern soll, seien große und schwere Segler künftig von Olympischen Spielen ausgeschlossen.

  Die Finn-Klasse wurde für die Olympischen Spiele 2024 aus dem Programm gestrichen. Ihre Segler kämpfen weiter ums ComebackFoto: Robert Deaves / Finn Class Die Finn-Klasse wurde für die Olympischen Spiele 2024 aus dem Programm gestrichen. Ihre Segler kämpfen weiter ums Comeback  Die grauen Punkte in dieser Statistik markieren Körpergröße und Gewichte der Finn-Segler. Untersucht wurden Frauen und Männer aller olympischen Segeldisziplinen im Auftrag des Welt-Seglerverbandes bei der kombinierten Weltmeisterschaft in Aarhus 2018. Das Bild macht klar, warum die überdurchschnittlich großen Finn-Athleten sich bei der Streichung ihrer Klasse aus dem olympischen Programm für die Zukunft ausgeschlossen und chancenlos fühlen, in eine andere Klasse wechseln zu könnenFoto: World Sailing Die grauen Punkte in dieser Statistik markieren Körpergröße und Gewichte der Finn-Segler. Untersucht wurden Frauen und Männer aller olympischen Segeldisziplinen im Auftrag des Welt-Seglerverbandes bei der kombinierten Weltmeisterschaft in Aarhus 2018. Das Bild macht klar, warum die überdurchschnittlich großen Finn-Athleten sich bei der Streichung ihrer Klasse aus dem olympischen Programm für die Zukunft ausgeschlossen und chancenlos fühlen, in eine andere Klasse wechseln zu können

Bei Ihrer andauernd heftigen Kritik an der Streichung des Finns bezieht sich die Klasse auch auf eine vom Welt-Seglerverband selbst veröffentlichte Studie, die sich bei der Weltmeisterschaft aller olympischen Disziplinen im vergangenen Jahr im dänischen Aarhus unter anderem mit den physischen Merkmalen der Segler und Seglerinnen befasst hat. In verschiedenen Übersichten ist zu klar zu erkennen, dass Finn-Segler mit Blick auf ihre Körpergröße und ihr Gewicht nahezu eine eigene Gruppe bilden und viele von ihnen in keiner anderen bislang existierenden Olympia-Disziplin aussichtsreich agieren könnte.

  Traditionell stark in der Finn-Klasse: die britischen SeglerFoto: Robert Deaves / Finn Class Traditionell stark in der Finn-Klasse: die britischen Segler

Der Verweis von World Sailing, dass Finn-Segler künftig in der neuen Mixed-Offshore-Disziplin unterkommen könnten, tröstet die meisten von ihnen wenig. Zum einen, weil der Einstieg in diese neue Disziplin voraussichtlich einen erheblich höheren finanziellen Aufwand mit sich bringen wird. Zum anderen, weil für das Offshore-Segeln noch andere Qualitäten gefordert sind, die nicht jeder Finn-Segler automatisch mitbringt.

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Im offenen Brief der Finn-Segler heißt es deshalb: "Die Streichung der Finn-Klasse aus dem olympischen Programm bricht die Regeln des Welt-Seglerverbandes, widerspricht den Prinzipien der Olympischen Charta mit Blick auf die angestrebte Nicht-Diskriminierung von körperlichen Gegebenheiten und begrenzt für viele Segler den Zugang zu Olympischen Spielen. Deswegen fordern wir dazu auf, wieder eine Klasse wie das Finn-Dinghy ins olympische Programm aufzunehmen, die zu männlichen Athleten über 85 Kilogramm passt, um allen Seglern einen fairen Zugang zu Olympischen Spielen zu gewähren und die Einführung einer diskriminierenden Entscheidung durch World Sailing zu verhindern."

  In ihrem offenen Brief werfen die Finn-Segler dem Welt-Seglerverband Diskriminierung vorFoto: Finn-Klasse In ihrem offenen Brief werfen die Finn-Segler dem Welt-Seglerverband Diskriminierung vor  Die Unterschriften reichen über mehrere Seiten, die wir hier nicht alle abbilden. Unterschrieben haben auch die deutschen Finn-Segler, wie man auf dieser Seite erkennen kannFoto: Finn Class Die Unterschriften reichen über mehrere Seiten, die wir hier nicht alle abbilden. Unterschrieben haben auch die deutschen Finn-Segler, wie man auf dieser Seite erkennen kann

Die Finn-Bewegung wird ab heute Thema beim Halbjahres-Treffen des Welt-Seglerverbandes und seiner Mitglieder im Chelsea Football Club in London sein, wo die Diskussionen und Abstimmungen über die "Ausrüstung" für die Segeldisziplinen bei den Olympischen Spielen 2024 im Mittelpunkt steht. "Ausrüstung" bedeutet Boot oder Surfbrett. Unter anderem wird es in England auch darum gehen, ob Laser und Laser Radial olympisch bleiben oder durch den RS Aero ersetzt werden, der in einer Testserie bei Athleten und Experten einen guten Eindruck hinterlassen hatte. Gegen den Tausch spricht jedoch unter anderem die starke weltweite Verbreitung des Lasers und die für den Segelsport dringend benötigte Konstanz einiger tragender und für die Öffentlichkeit bereits bekannter wie verständlichen Säulen. Als solche gilt der Laser als erschwinglichstes Segelboot für Olympiasegler. Sicher ist, dass an diesem Wochenende in London leidenschaftlich diskutiert werden wird. Und sicher ist auch, dass es bei den diversen anstehenden Abstimmungen Gewinner und Verlierer geben wird.

  Mit dem olympischen Finn in AktionFoto: Robert Deaves / Finn Class Mit dem olympischen Finn in Aktion
Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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